Rezension „Die Vermessung der Welt“

Es ist ungefähr ein Jahr her, seit ich den Besuch im Rowohlt-Verlag gewonnen habe und fast ein Jahr seit dem Besuch selbst. Das heißt auch, dass ich seit fast einem Jahr nicht dazu gekommen bin, eines der Bücher zu lesen, die ich mir dort im Handlager aussuchen durfte: „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann. Das lag weniger daran, dass mein Interesse daran geschwunden wäre, sondern vielmehr an den endlosen Aufgaben in der Uni – also nicht zuletzt an meiner Bachelorarbeit selbst.

Nun ist der Bachelor bestanden, der Master begonnen und mittlerweile auch das Buch gelesen. Es ist übrigens auch eines der Bücher, die zur Aktion Lesefreunde zum Welttag des Buches verschenkt werden sollen. Wenn auch in einer anderen Ausgabe als der kleinen handlichen Hardcover-Ausgabe die ich vom Verlag geschenkt bekam.

Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht genau, was ich von dem Buch halten soll. Zum einen konnte ich keine besonders klare Handlungslinie erkennen – also worauf das alles schließlich hinauslaufen soll – zum anderen war aber genau das der Grund, weshalb ich fasziniert immer weiter gelesen habe.

„Die Vermessung der Welt“ erzählt die Geschichten von Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt und ihrem Leben an den Punkten an denen es sich überschneidet und an denen es dies nicht tut. Dabei ist dem Leser – sofern er nicht umfassendes biographisches Hintergrundwissen über diese beiden Wissenschaftler-Größen mit bringt – nicht immer klar, wo die historische Genauigkeit aufhört und die Fiktion beginnt.

Man begleitet Kapitel für Kapitel und dabei abwechselnd Gauß und Humboldt bei ihrer Arbeit bzw. ihren Expeditionen. Nur zu Beginn und zum Schluss des Buches werden Szenen beschrieben, in denen sich beide begegnen.

Die gesamte Erzählung lebt dadurch, dass die beiden Charaktere allein durch ihre Art zu agieren dem Leser näher gebracht werden. Beide wirken auf ihre Art schrullig und doch irgendwie sympathisch, auch wenn sie manchmal alles andere als nett sind. Besonders beeindruckend ist die Entwicklung der beiden Persönlichkeiten im Laufe der beschriebenen Jahre – nämlich, dass Gauß für seinen Geschmack nicht mehr schnell genug denken kann und Humboldt Probleme damit hat, als berühmter Entdecker überallhin begleitet zu werden, selbst wenn er dies bei seiner Arbeit als eher hinderlich betrachtet.

Mich persönlich haben besonders die Bescheribungen des jungen Gauß fasziniert, dem die Menschen um ihn herum nicht schnell genug denken können. Diesen Gedanken kenne ich selber nur zu gut, auch wenn ich mich für alles andere als ein Genie wie Gauß halte.

Ich finde, dieses Buch ist etwas ganz besonderes – ein Buch, dass sich nicht gleich dem Leser erschließt, sondern noch nachwirkt. Solche Geschichten sind selten und es kommt selten genug vor aber in diesem Falle muss ich es ganz klar sagen: Es wäre schön gewesen für dieses Buch noch einmal in der Schule zu sein. Ich denke, man versteht die Gedanken hinter dieser Erzählung noch einmal viel besser, wenn man sie gemeinsam mit einem kompetenten Lehrer durchspricht.

So bleibt mir nur zu sagen: Ein schönes Buch, eine tolle Erzählung und sicher nicht das letzte Mal, dass ich darüber nachgedacht oder sie gelesen habe.

5 Sterne.

 

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