Rezension: „The Cuckoo’s Calling“ (Robert Galbraith / Joanne K. Rowling)

Es gibt Bücher, die hinterlassen einen mit einem ganz eigenartigen Gefühl. Und scheinbar gibt es Bücher, die beginnt man schon mit diesem Gefühl zu lesen. „The Cuckoo’s Calling“ ist so eines. Denn es ist das neue Buch von J.K.Rowling und für mich bedeutete das Aufschlagen der ersten Seite eine eigenartige Form von Rückkehr: Auf den ersten Zeilen schon wurde mir klar, dass das ein Buch von Jo ist – die Schreibweise ist mir nach all den Jahren einfach zu vertraut, um das nicht zu bemerken. Und dennoch war es eben auch ganz anders, weil es zwar ihre Worte sind, aber nicht die wohlbekannten und sehr vertrauten Charaktere aus dem Potterversum. Deshalb musste ich mich zunächst erstmal an diese Situation gewöhnen.

Inhalt:

Cormoran Strike ist Privatdetektiv, aber seine Detektei geht sehr schlecht und er versinkt beinahe in den Schulden. Seine Sekretärinnen sind Zeitarbeiterinnen, die immer nur eine Woche bleiben und Robin Elacott sollte eigentlich aus Geldmangel gar nicht erst eingestellt werden.

Das Blatt beginnt sich für Cormoran zu wenden, nachdem der Bruder des berühmten Models Lula Landry ihn bittet, den angeblichen Selbstmord seiner Schwester zu untersuchen. Dafür muss er in der Welt der Reichen und Schönen ermitteln und erkennt schon bald, dass diese heile Welt eine wesentlich dunklere Kehrseite hat. Mehr als einmal erweist sich dabei auch Robin als sehr nützlich und Cormoran bedauert schon bald, sie nicht länger bezahlen zu können.

Mein Eindruck:

Wie bereits gesagt, ist das Buch für mich ein eigenartiges Leseerlebnis gewesen. Das lag zum einen an der bereits erwähnten sehr vertrauten Schreibweise von Jo, so dass ich immer wieder das Gefühl hatte, eine sehr gute Freundin würde mir diese Geschichte erzählen. Zum anderen lag es aber auch daran, dass ich in den letzten Wochen sehr eingespannt war und trotz der sich immer weiter steigernden Spannung des Buches häufig nicht zum Lesen kam. Das ist schade, denn das Buch ist eigentlich eines dieser „Nächtedurchleser“ gewesen.

Besonders fasziniert hat mich, dass man als Leser immer wieder neue Informationen über den Fall bekommt, aber doch nicht so genau weiß, in welche Richtung es gehen soll. Als langjähriger Rowling-Fan weiß ich ja mittlerweile auch, wie und wo sie ihre Hinweise platziert aber selbst das hat mir nicht viel geholfen. Ich hatte nämlich ab der Mitte des Buches ein ganz bestimmtes Gefühl, was denn nun wirklich passiert sein könnte – alle Hinweise haben jedoch genau dagegen gesprochen und irgendwie immer in unterschiedliche andere Richtungen gedeutet. Umso größer war meine Überraschung, als sich dieser Verdacht dann am Ende bewahrheitet hat!

Fazit:

Ein Kriminalfall, bei dessen Erzählung man ab der Hälfte schon ahnt, in welche Richtung es geht, gehört normalerweise zur langweiligsten Lektüreart. In diesem Fall jedoch, hatte ich zwar eine Ahnung, aber rein logisch konnte das nicht sein – weswegen ich den Rest des Buches mit Knobeln zugebracht habe. Jo hat in diesem Buch für mich wieder einmal bewiesen, dass sie es versteht, falsche Fährten so geschickt zu legen, dass man auch bei genauestem Hinsehen hinein tappt. Die ausführlichen Schilderungen von Zeitabläufen oder Hinweisen fand ich dabei sowohl hilfreich als auch irreführend, aber ich weiß nun wieder, weshalb ich Krimis eigentlich doch ab und an gerne mal lese (oder in Serienform konsumiere): Gut geschriebene Ermittlungsarbeit ist doch immer wieder faszinierend. Jo’s Schreibweise ist nunmal typisch für sie – ich liebe ihre Beschreibungen, wie sie Charaktere langsam aufbaut und nie eindimensional bleiben lässt und Cormoran und Robin sind mir in dieser kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen. Ich hoffe, sie schreibt bald ein weiteres Buch über diesen eigenwilligen und doch so liebenswürdigen Privatdetektiv, denn dann könnte ich zumindest in dieses Erzähluniversum zurückkehren.

Wobei – es gibt ja irgendwann auch bald den Film über Newt Scamander und „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, für den Jo das Drehbuch schreibt. (Sentimentale Anmerkung: Wie vermutlich einige Potterheads habe ich mir erstmal die Augen vor Freude ausgeheult, als ich das erfahren habe.)

Jedenfalls: Klare 5 Sterne.

Weiteres zum Buch

  • Gebundene Ausgabe: 449 Seiten
  • Verlag: Little, Brown Book Group (18. April 2013)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 1408703998
  • ISBN-13: 978-1408703991
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3 Gedanken zu “Rezension: „The Cuckoo’s Calling“ (Robert Galbraith / Joanne K. Rowling)

  1. Hui toll. Und ist es in englisch genauso verständlich geschrieben wie die Potter-Bände? Ich überlege ja noch, ob ich mir das Original zulege oder eben nicht ^^ Aber als Krimifan muss ich dieses Buch einfach haben 😉

    • Es ist definitv so geschrieben wie die Harry Potter-Bände! Ich hab die ein oder andere Vokabel nachgeschlagen, aber nur, weil ich engischsprachige Bücher nutze, um meinen Wortschatz aufzupolieren 😉 Irgendwo gibt es sicher Leseproben, da kannst du ja mal testen (hatte ich nicht mal eine unter einem der Blogposts verlinkt? Guck mal unter dem Tag „Robert Galbraith“ links an der Seite 😉 ).

  2. Pingback: Rezension: „Career of Evil“ (Robert Galbraith / Joanne K. Rowling) | Studierenichtdeinleben

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