Rezension: „The Uncommon Reader“ (Alan Bennett)

Thematisch passt diese Rezension perfekt zu der vorhergehenden – Stefan Bollmanns „Frauen und Bücher“ – denn auch hier geht es um das Lesen, die Weiterentwicklung, die man durch das Lesen durchmacht und welche Auswirkungen das auf das eigene Leben haben kann.

Inhalt:

Dank ihrer Hunde muss die Queen feststellen, dass sie ihren Palast gar nicht so gut kennt, wie gedacht – denn im Hof steht ein Bücherbus, den sie nie zuvor gesehen hat. Höflich, wie die Queen nun mal ist, leiht sie sich ein Buch aus und merkt dabei gleich, wie unsicher sie diese Entscheidung macht. Denn die Queen liest eigentlich nicht zum bloßen Vergnügen, sondern nur, wenn ihre Pflichten dies von ihr verlangen.

Doch das erste Buch führt zu einem zweiten und die Begegnung mit einem Küchenjungen, der im Bücherbus gerade seinen Lesevorrat aufgestockt hat, führt zu einer ganz besonderen Beziehung und aus der Queen wird eine Leseratte.

Am Hof wird das natürlich genauestens beobachtet und nicht jeder – um nicht zu sagen, die wenigsten – können sich für die neue Leidenschaft der Queen begeistern. Manch einem ist dieses Hobby – und ihre fast freundschaftliche Beziehung zu Norman – ein Dorn im Auge.

Mein Eindruck:

Das Gedankenspiel – was wäre, wenn die Queen plötzlich mit dem Lesen beginnen würde – fand ich von vornherein sehr faszinierend, weshalb ich mich auch für die Leserunde dieses Reclam-Heftes aus der „roten Reihe“ (also der Fremdsprachenreihe) beworben habe.

Lesen ist für mich eine wunderbare Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen, für die ich ansonsten sehr weit reisen und/oder viel Geld ausgeben müsste – oder die einfach grundsätzlich nicht realisierbar wären. Lesen ist dementsprechend eine Weiterentwicklung des eigenen Horizontes und dadurch auch der eigenen Persönlichkeit.

In diesem kleinen Buch wird die Thematik der persönlichen Weiterentwicklung durch den Konsum von unterschiedlichsten Büchern aufgegriffen. Die Queen liest. Zunächst liest sie recht planlos, dann unter der Anleitung von Norman und schließlich entwickelt sie sich zu einer emanzipierten Leserin und Kritikerin, die mit dem Gedanken spielt, selber mit dem Schreiben zu beginnen.

Alan Bennett beschreibt wunderbar, wie diese verschiedenen Entwicklungsschritte ineinander übergehen, welche Komplikationen sich daraus für das alltägliche Leben der Queen ergeben und mit welcher Rafinesse und Sturheit die Monarchin auf diese Hindernisse reagiert.

Fazit:

„The Uncommon Reader“ – die „ungewöhnliche“ oder „nicht gemeine“ Leserin, so könnte man die Queen bezeichnen. Der Titel der Geschichte passt wunderbar zu dieser manchmal erstaunlich real wirkenden Zeichnung der Königin. Das Buch ist eine Hommage an die Queen, an die Macht der Bücher und die wunderbare Wirkung des Lesens.

Alan Bennett schreibt auf sehr amüsante und mitreißende Weise und ich habe diese Geschichte mit viel Begeisterung gelesen und werde sie mit Sicherheit wieder zur Hand nehmen.

Als Teil der „roten Reihe“ des Reclam-Verlages findet man auf den unteren Teilen der Seiten Vokabelerklärungen oder Anmerkungen zu in der Geschichte genannten Autoren und historischen Ereignissen. Da ich viele Bücher auf Englisch lese, waren für mich nur letztgenannte Anmerkungen interessant, aber für Schüler sind die Worterklärungen sicher sehr nützlich. Ebenso verhält es sich mit dem Nachwort: Hier finden sich Ausführungen zu Bennetts Leben und eine Zusammenfassung des Buchinhaltes auf Deutsch. Für Schüler hätte ich mir an dieser Stelle jedoch Erläuterungen gewünscht, in denen auf Zusammenhänge zwischen dem Leben Bennetts und seiner Werke eingegangen wird.

Insgesamt tut das der Geschichte selbst aber keinen Abbruch.

5 von 5 Sternen.

Weiteres zum Buch:

  • Broschiert: 183 Seiten
  • Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag (1. Juni 2009)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 3150197627
  • ISBN-13: 978-3150197622

Vielen Dank an LovelyBooks und den Reclam-Verlag für die wunderbare Leserunde, das Leseexemplar und die Möglichkeit, Werke der „roten Reihe“ gemeinsam mit anderen interessierten Lesern diskutieren zu können.

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