Es ist „zu viel“

Ja, Ihr lest es in der Überschrift ganz richtig: Es ist zu viel! Ich habe genug! Hören kann ich es nicht mehr – und lesen schon gleich gar nicht. Schluss. Aus. Finito.

Ich habe keine Lust mehr auf die Aussage „Ich habe zu viele Bücher“.

Wie die meisten von Euch wissen oder ahnen mögen, folge ich diversen buchbezogenen Seiten auf Facebook. Das ist, wie ich finde, eine schöne Möglichkeit neue Buchempfehlungen zu entdecken, zu erfahren, wann die diversen Lieblingsautoren neue Bücher herausbringen und sich generell mit Gleichgesinnten zu diesem wunderbaren Hobby auszutauschen. Man liest ja doch normalerweise still für sich, da ist es gut, sich zwischen zwei Kapiteln mal kurz mit anderen Büchermenschen auszutauschen.

Und eigentlich genieße ich diesen Austausch auch immer sehr – die unterschiedlich tiefgehenden Diskussionen, das Fachsimpeln, das Beschweren über den ach so fiesen Cliffhanger und den noch nicht erschienenen Folgeband.

Was mir jedoch seit einiger Zeit auffällt – und was jetzt besonders zum Jahreswechsel zugenommen hat – ist die Tatsache, dass immer häufiger darüber… ja beinahe gejammert wird, dass es zu viele Bücher gibt:

Es erscheinen zu viele Bücher, die man lesen möchte. Es liegen zu viele Bücher auf dem SuB. Es bleiben zu viele Bücher ungelesen, trotz des langen Urlaubes und auch der Wunschzettel ist zu lang. Dazu kommen dann Nicht-Büchermenschen, die sich beschwerden, der Wunschzettel würde zu viele Bücher enthalten, man hätte doch schon zu viele Bücher im Regal stehen und überhaupt, das würde doch alles zu viel Geld verschlingen.

Ich gebe gerne zu, dass ich im Scherz auch schon das ein oder andere Mal einen der oben gelisteten Sätze gedacht oder gesagt habe. Aber jetzt habe ich einfach zu viel. Denn mal ganz ernsthaft: Worüber beschweren wir uns da eigentlich?

Da gibt es die Nicht-Büchermenschen-Seite: Hier herrscht generelles Unverständnis über die Begeisterung für Bücher, Lesen wird manchmal gar als Zeitverschwendung angesehen und der Buchkauf ist dementsprechend Geldverschwendung. Wenn man von Buchwünschen spricht kommt die Standardaussage „Du hast doch schon zu viele Bücher, die passen kaum noch in’s Regal“ und alles in allem kann man sich, wagt man es über das Lesen in Gegenwart eines Nicht-Büchermenschen zu reden, darauf gefasst machen, dass einem Unverständnis entgegenschlägt. Und man, angesichts all der Bücher auf SuB und Wunschzettel, langsam aber sicher ein schlechtes Gewissen bekommt.

Und dann ist da ist die Büchermenschen-Seite, wie ich sie viel zu oft auf besagten Facebook-Seiten erleben muss: Hier wird oft zum Besten gegeben, wie viele Bücher man eben noch nicht gelesen hat, wie das Regal aus allen Nähten zu platzen scheint und dass man das doch mit einem Leben nie und nimmer alles durchlesen könnte. Und genau hier ist der Punkt, an dem man merkt, dass man sich ein schlechtes Gewissen von Nicht-Büchermenschen hat einreden lassen: Auf die Frage, was 2014 auf dem SuB liegt, antwortet man reflexartig mit „zu viel“. Auf die Frage, wie viel man 2013 gelesen hat, heißt es „zu wenig“ oder „nicht genug“. Bei Fragen nach den Weihnachtswünschen musste ich immer und immer wieder die Aussage lesen, dass Buchwünsche ignoriert werden und man zu hören bekommt „Du hast doch schon genug“. Oder anders formuliert: Zu viel.

Und das ist es jetzt für mich. Es ist zu viel. Es reicht mir. Ich habe genug. Ich kann es nicht mehr hören. Und auch nicht mehr denken oder sagen!

Ich habe nicht zu viele Bücher. Ich habe nicht zu viele Bücher auf dem SuB. Ich habe nicht zu viele Buchwünsche.

Ganz ehrlich? Wie bescheuert müssen wir Leseratten sein, dass wir uns einreden lassen, wir könnten zu viel von einem unserer liebsten Hobbies haben? Was kann denn schon passieren? Wenn wir kein Geld mehr für neue Bücher haben, dann gehen wir eben in eine Bibliothek oder lesen die schönsten Schätze erneut. Wenn unsere Bücher nicht mehr in die Regale passen – sei’s drum! Die meisten von uns stören sich nicht daran, Bücher auch auf dem Fußboden zu stapeln. Dann haben wir eben noch nicht alle Bücher, die sich in unserem Besitz befinden, gelesen! Na und? Wem tut das bitte weh? Wen stört es? Niemanden! Im Gegenteil. Wir haben das Ziel – ähnlich wie mit den Buchwünschen auf dem Wunschzettel – irgendwann einmal in diese Welten alle einzutauchen. Und das Potential ist da – sie stehen bereit, warten auf uns und locken uns mal mehr und mal weniger laut von ihrem Regalplatz aus.

Jemandem, der leidenschaftlich gerne reist würde auch niemand sagen: „Mensch, das ist doch viel zu viel Planet für Dich, so viel brauchst Du gar nicht, nimm Dir weniger vor, das kostet zu viel.“ – Nein einen Weltenbummler würden wir bitten, uns aus seinen liebsten Städten und von den fernsten Plätzen dieser Erde eine Postkarte zu schicken.

Warum machen wir es dann nicht auch bei Bücherreisenden so? Lasst uns doch reisen! Wir sind innerhalb kürzester Zeit wieder zurück! Und wenn es uns gefallen hat, wer weiß, vielleicht erzählen wir davon. Vielleicht nehmen wir sogar jemanden mit und verreisen gemeinsam!

Ich finde, zu viele Reiseziele kann man nicht haben. Zu viele Wünsche auch nicht. Vielleicht hat man zu wenig Zeit, das mag sein. Aber niemals zu viele Bücher. Weder im Regal, noch auf dem SuB oder dem Wunschzettel.

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12 Gedanken zu “Es ist „zu viel“

  1. Ich verstehe Dich vollkommen!! Ich mache ja auch bei sowas wie SuB-Abbau mit. Aber begrenzt. Nicht diese extrem Dinger. Die hat die Aufgabe, das man sich 10-15 spezielle Bücher aussucht, die festlegt und dann in 12 Monaten versucht zu lesen. Also eben mal die Bücher, die man schon vergessen hat usw. – das find ich sehr gut 🙂

    Dieses „zu viel, zu groß“ stört mich aber auch! Auf LB usw. ist das auch totales Gesprächsthema. Ich mag meine ungelesenen Bücher. Wenn ich davor stehe, freue ich mich auf die kommenden Abenteuer. Mein Freund sagt es zwar scherzhaft auch mal zu mir, aber er versteht es auch. Von ihm habe ich als einziges ein Buch zu Weihnachten bekommen.

    Das einzige, was ich persönlich auch „zu viel“ hatte, waren Leserunden in den vergangenen 2-3 Monaten. Da kam auf einmal wirklich so viel, dass ich nicht nachkam und dem nicht gerecht werden konnte. Das ist das, was ich aktuell ändere. Aber zu viel Buch an sich kann es gar nicht geben 😉

    • Ich hab überhaupt gar nix dabei, SuB-Abbau zu betreiben. Ich hab ja in meinem „Buchzugänge zum Jahreswechsel“-Post letztlich auch beschrieben, was unmittelbar zwar auf dem SuB gelandet ist, aber wohl direkt wieder davon verschwinden wird, weil meine Lesepläne eben diese drei Bücher gerade einschließen. Das ist aber für mich auch immer abhängig von meiner Stimmung und dem was ich vorher viel gelesen habe. Direkt nach Harry Potter noch viel Fantasy zu lesen kann ich mir beispielsweise nicht vorstellen 🙂 „A Casual Vacancy“ passt deshalb – ist zwar von Jo aber keine Fantasy.

      Hab ich in Deinem Blog den Post verpasst, in dem Du diese 10-15 Bücher nennst? Oder hast Du Dich noch nicht entschieden? Oder hab ich’s gelesen und nur nicht registriert? xD Bei so vielen wunderbaren Blogs verliere ich wohl momentan ein wenig den Überblick ^^

      Das mit den Leserunden kann ich aber absolut unterschreiben! Das ist dann wirklich zu viel des Guten, wenn man plötzlich bei gleich mehreren Leserunden Glück hat. Mir ging es mit „The Uncommon Reader“ und „Raising Steam“ (letzterem schulde ich noch die Rezi… ahem…) so. Kurz zuvor hatte ich die LR zu „Frauen und Bücher“, dann kam „The Uncommon Reader“ und dann der Pratchett… Das war doch etwas… heftig. Und eigentlich strebt man das dann ja doch nicht an, weil man sich auf jedes Buch ganz für sich konzentrieren möchte. Aber manchmal passiert’s halt leider doch. So, wie ich jetzt an der LB-Challenge trotz HP-Marathon teilnehme 😉

      • Ich meinte halt, dass ich diese SuB-Abbau-Extrem-Gruppen immer etwas… anstrengend für mich persönlich finde, weil man da so extrem viel erreichen muss und das wieder in Zwang ausartet. Das ist ja das, was ich beim Lesen nicht mehr haben will 😉

        Neh, die Bücher kamen (noch) nicht auf meinen Blog. Das ist von der Gruppe von LB 🙂 Da posten wir das alles. Das wären die Bücher:
        1. Die geheime Sammlung – Polly Schuhman
        2. Remarkable – Foley (engl.)
        3. Schatten des Dschungels – Brandis & Ziemeck
        4. Die Braut aus Byzanz – Gabriele Alioth
        5. Der Fall Neruda – Roberto Ampuero
        6. Wo die Sonne aufgeht – Pearl S. Buck
        7. Naokos Lächeln – Haruki Murakami
        8. Suna – Pia Ziefle
        9. Die Unsterbliche – Kai Meyer
        10. Lady Susan – Jane Austen
        11. Glen Raven – Marion Zimmer Bradley
        12. Die Vermessung der Welt – Daniel Kehlmann

        Ich hatte letztens ohne Wanderbücher fast 10 Leserunden auf einmal… die Bücher kamen so versetzt an (hatten nen anderen Bewerbungstournus und Verschickmodus als ich annahm) und waren es plötzlich alle in 2 Wochen anstatt in 5 Wochen ^^

      • Ach so. Ja. Das stimmt (sorry, war wohl schon mit dem halben Hirn in Hogwarts ^^). Ich finde es vor allem unschön, sich so jegliche Neuzugänge zu versagen und wenn neue Bücher hinzu kommen, dass man die dann dennoch nicht lesen soll, sondern erst einmal die „alten“ vom SuB. Kontraproduktiv, wenn man mich fragt.

        Die liste klingt sehr interessant! Kai Meyer habe ich noch in Form von „Asche und Phönix“ hier. „Die Vermessung der Welt“ kann ich sehr empfehlen, die hat mir wirklich gut gefallen und ich müsste mal den Film ansehen. Bin immer so neugierig, wie Filmemacher solche Bücher umsetzen, denn eigentlich – finde ich – lebt das Buch durch die Beschreibungen.

        Von Murakami habe ich übrigens noch nie etwas gelesen – wenn er mir auch immer empfohlen wird. Sind die Bücher wirklich so gut?

        Aber wow. Zehn Leserunden in zwei Wochen ist dann doch arg. Bei mir waren es ja letztlich „nur“ 2,5 neben dem Umzug… Wie schnell liest Du denn eigentlich? Eher Schnellleserin oder „relativ“ normale Geschwindigkeit?

      • Genau das meine ich auch 🙂 die neuen werden dann auch so schnell zu SuB Leichen und vergammeln dann ebenfalls…

        Von Kai Meyer hab ich schon 5 Bücher gelesen 🙂 Ich finde ihn großartig.

        Ich mag Verfilmungen eigentlich, aber in letzter Zeit hab ich das Gefühl, dass die gar nichts anderes mehr machen. Es ist praktisch nichts besonderes mehr. Das find ich etwas Schade. Und die Qualität leider auch immer mehr.

        Das wird auch mein erster Murakami!! Ich hab mal reingelesen und der Stil gefällt mir. Das Buch war ein Geschenk 🙂 Bin gespannt.

        Ich bin Normalleserin. 50-60 Seiten pro 60 Minuten bei normalen Büchern. Bei sehr einfachen etwas mehr, bei komplizierten etwas weniger 😉 Aber ich nehme mir mittlerweile mehr Zeit zum Lesen. Letztes Jahr waren es ca. 9 Bücher im Monat. Dieses Jahr wirds etwas weniger durch die Masterarbeit. Es soll ja Spaß machen =)

        Und Du? Wie liest Du so?

  2. Pingback: Montagsfrage: Bekommst Du eigentlich noch Bücher geschenkt? | Mein Blätterwald

  3. Hallo 🙂

    Das ist ein wirklich großartiger Beitrag, der genau das aussagt, was sich viele LeserInnen zu Herzen nehmen sollten. Warum denken wir Leseratten überhaupt über Zahlen nach? Wenn wir ganz ehrlich sind, läuft doch sowieso alles auf die Tatsache hinaus, dass wir niemals fertig werden. Es wird immer mehr Bücher geben, als wir Lebenszeit zur Verfügung haben. Ich persönlich werde sterben und ein angefangenes Buch auf dem Nachttisch hinterlassen. Um dieses eine, das ich dann nie beenden kann, tut es mir leid. Aber um alle anderen, die ich nicht mal beginnen kann? Nein. Das ist doch Quatsch. Damit würde ich so viel Druck auf mich selbst ausüben, dass ich das Gefühl hätte, zu ertrinken.
    Stress und Lesen vertragen sich nicht gut. Wenn ich ständig nur daran denke, wie viele Bücher noch auf meinem SuB und meiner Wunschliste vertreten sind… wie kann ich dann je meine aktuelle Lektüre genießen?
    Als angehende Wissenschaftlerin habe ich durchaus ein Faible für Statistiken. Ich erstelle sie gern und finde so mehr über meine Lesegewohnheiten heraus. Natürlich hat das etwas mit Zahlen zu tun, aber diese Zahlen sind einfach das, was sie sind. Sie sagen mir nicht, ich müsste mehr lesen oder weniger Bücher kaufen.
    Von Nicht-Buchmenschen lasse ich mir erst Recht nichts über meine Leidenschaft erzählen. Da sie sie nicht teilen, können sie sie auch nicht verstehen. Das ist schade und tut mir oft leid für sie, aber daher haben sie auch keine Berechtigung, ein Urteil über mich zu fällen.

    Ich plädiere für das Lesen ohne Stress und Druck. Leseratten dieser Welt, lasst uns einfach nur genießen.

    Danke für deinen tollen Artikel.
    Viele liebe Grüße,
    Elli aka Wortmagieblog

    • Hallo Elli,

      danke für Deinen Kommentar – den kann ich so nur unterschreiben! Auch wenn ich natürlich hoffe, dass ich erst sterbe, wenn besagtes angefangenes Buch auf dem Nachttisch gerade noch beendet wurde 😉

      Das mit den Statistiken kenne ich übrigens gut – mich interessiert auch, was und wie viel ich im Jahr gelesen habe. Damit versuche ich aber eher festzuhalten, was ich mit meinem Hobby im Jahr erlebt habe, als dass ich versuche besagtes Hobby zu optimieren. Meine Statistiken, die ich so privat ganz für mich alleine angelegt habe, ähneln damit eher einem zahlenlastigen Tagebuch.

      Gut, wem’s Spaß macht, anhand von Statistiken zu überlegen, wo die Leserei optimiert werden kann, der soll’s halt machen. Aber man soll mir dann bitte nicht mit dieser „Zu viel“-Jammerei auf den Wecker fallen 😉

      Also: Ich freue mich, dass der Beitrag so gut gefällt und nochmal Danke für den lieben Kommentar. Habe mich sehr darüber gefreut!
      Viele Grüße
      Sarah

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