Der Harry Potter-Marathon V

Band fünf ist der umfangreichste der Harry Potter-Reihe ist, habe ich nicht nur an meinen schmerzenden Handgelenken gemerkt, sondern auch daran, dass ich für dieses Buch ähnlich lange gebraucht habe wie damals, als ich es zum ersten Mal und direkt auf Englisch las, mit Harry in der einen und dem Wörterbuch in der anderen Hand. Band fünf war nämlich der erste, bei dem ich nicht auf die deutsche Übersetzung – die damals noch gefühlte Ewigkeiten nach dem Original erschien – warten wollte, sondern das Buch direkt auf Englisch aus der Buchhandlung holte und mir mit meiner Schwester teilen musste. Die englische Version gehört nämlich ihr, das deutsche Buch ist meines. In all den Jahren habe ich es noch nicht geschafft „Harry Potter and the Order of the Phoenix“ für meine eigene Sammlung zu kaufen, und da meine Schwester momentan im Prüfungsstress ist und ich sie nicht stören möchte, gab es für mich nur die Übersetzung. Vielleicht liegt es auch an der manchmal etwas eigenartigen Übersetzung, dass dieser Blogeintrag so spät erscheint – ich bin aber auch selbst schuld, denn nach Band fünf habe ich gleich weitergelesen und bin mittlerweile schon mit Band sieben fertig. Ihr kennt mich, Zeit zum Lesen finde ich irgendwie immer, Zeit Blogeinträge zu schreiben habe ich dagegen manchmal einfach nicht.

Dank meines wunderbaren Notizbuches jedoch, habe ich alle Gedanken, die beim Lesen aufkamen, direkt hier – ich dürfte also nichts vergessen haben.

Auch hier wieder gilt: Spoilergefahr für all diejenigen, die nicht alle sieben Harry Potter-Bände gelesen oder die acht Filme gesehen haben.

Zum Buch:

(Band fünf wurde, wie gesagt, auf Deutsch gelesen.)

„Harry Potter und der Orden des Phönix“ ist für mich das schwierigste Buch der gesamten Reihe und an manchen Stellen hatte ich damals wie heute einen regelrechten Widerwillen weiterzulesen. Versteht mich nicht falsch, ich habe mich nie gelangweilt beim Lesen (auch jetzt, da ich die gesamte Geschichte kenne, nicht). Vielmehr gab es drei Faktoren im Buch, die mich auch heute noch beinahe wütend gemacht haben: Harry, Umbridge und Sirius.

Harry.
Im Buch ist er 15, steht vor wichtigen Prüfungen und unter zusätzlichem Druck, weil ihm nur die wenigsten Glauben schenken, dass Lord Voldemort zurückgekehrt ist. Stress und ein pubertierender Teenager formen natürlich keine ideale Kombination und so gibt es in jedem Kapitel mindestens einen Wutausbruch Harrys. Als ich mit 13 das Buch das erste Mal las, ist mir das zugegebenermaßen nicht ganz so stark aufgefallen wie jetzt beim erneuten Lesen. Dennoch – damals wie heute konnte ich Harrys Frustration immer irgendwie verstehen, wurden ihm doch viele Dinge von allen Seiten verheimlicht oder er auf unterschiedliche Weise drangsaliert. Seine häufigen Wutausbrüche gingen mir jedoch besonders beim nochmaligen Lesen auf die Nerven, denn wenn er einfach ein wenig kühler und kalkulierter gehandelt hätte, wäre so manch eine Situation anders ausgegangen und er hätte sich einige Strafarbeiten sparen können.

Umbridge.
Ich habe in allen Büchern wohl keine Figur so sehr gehasst wie Dolores Umbridge, mir bei keiner Figur so sehr gewünscht, sie möge möglichst viele Flüche abbekommen und nirgends so sehr mitgefiebert, wenn es ihr in welcher Form auch immer an den Kragen ging. Ich kann dem Fan nur zustimmen, der irgendwo schrieb, dass wir Leser Voldemort nicht leiden konnten, weil er die böse Macht repräsentierte, aber dass wir Umbridge aus tiefstem Herzen hassten, weil sie das alltägliche Übel – Schikane, fehlende Fairness, Willkür – symbolisierte. Ihre restriktiven Entscheidungen, insbesondere ihr Bestreben, den freien Meinungsaustausch zu unterbinden, haben mich damals wie heute aufgeregt. Wenn es etwas gibt, das ich absolut nicht aushalten kann, dann sind es Menschen, die andere unterdrücken, ihre Stimmen verstummen lassen wollen und meinen, sie würden damit alles besser machen.

Sirius.
Band fünf ist das erste Buch der Harry Potter Reihe, bei dem ich weinend auf meinem Bett saß, fassungslos auf das Papier vor mir starrend und nicht begreifend, wie eine meiner Lieblingsautorinnen mir das antun konnte. Elf Jahre nach dem ersten Lesen wusste ich zwar, was mich erwarten würde, aber dennoch war der Griff zur Packung Taschentücher unvermeidbar. Ich weiß, rational gesehen, hat es Sinn gemacht, Harry diese sehr wichtige Bezugsperson zu nehmen – nicht zuletzt, um seinen Wunsch nach Rache und Vergeltung und einem Ende des Terrors durch Voldemort zu bestärken und zu verfestigen. Dennoch ist der Tod von Sirius einer der Punkte in der Geschichte, über die ich wohl nicht hinwegkommen werde – Band sieben enthält nebenbei bemerkt noch eine ganze Reihe solcher Punkte.

Am Ende des Buches dann die (nur scheinbar vollständige) Erklärung, warum Harry nicht einfach ein normales Leben führen kann und wenn man genau liest, erkennt man im Nachhinein eben diese Lücken in Dumbledores Worten. Nach wie vor beeindruckt es mich, wie intelligent Jo die Vielschichtigkeit ihrer Geschichte gestaltet hat, wie viele Andeutungen auf spätere Handlungsetappen zu finden sind und mit welch einer Liebe zum Detail alles gestaltet ist – von den Namen der Buchfiguren bis zu kleinen Randbemerkungen, die irgendwann sehr wichtig werden. Und auf über eintausend Seiten konnte ich so manch eine Stelle finden, die ich vorher kaum beachtet hatte.

 

Wann Band fünf auf Pottermore erscheint steht noch in den Sternen und für die Filme fehlt mir momentan noch die Zeit – so bleibt mir hier nur der Hinweis, dass Band sechs ja bereits gelesen ist und meine Gedanken dazu demnächst folgen werden.

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2 Gedanken zu “Der Harry Potter-Marathon V

  1. Hallo Sarah,
    ich sitze hier auf meinem Balkon und lese mich durch deine Harry Potter Beiträge und spätestens jetzt bei Band 5 verdienst du endlichen einen Kommentar.
    Ich kann dir in allen Punkten zustimmen. Harry, der kleine Hitzkopf. Ich könnte ihn für manche Wutausfälle würgen. 😀 Aber genau das macht ihn so menschlich und real, weil er eben ein typischer Hitzkopf im Teenager-Alter ist.
    Und zu Sisiurs‘ Tod. Ich weine jedes Mal schon fast los, wenn ich nur darüber lese und Sirius ist auch der Grund, warum ich Band 5 erst zweimal gelesen habe. Bei den anderen Bänden sind es doch ein paar mehr Durchgänge.
    Liebe Grüße
    Jule

    • Hey Jule,

      hach, es ist toll zu lesen, dass Dir mein Geschreibsel gefällt 😀 Ich finde ja sowieso, dass Harry oft total missverstanden wird. Viele hacken auf ihm herum, weil er a) immer von Ron und Hermine abhängig ist und b) so menschliche Ausraster hat. Zu a): Wir alle sind von unseren engsten Vertrauten abhängig. Was gegenetiliges zu behaupten ist irgendwie schwachsinnig. Zu b): Harry ist Waise, seine Eltern wurden umgebracht – u.a. weil ER das eigentliche Ziel war – und er wuchs bei Familienmitgliedern auf, die ihn schlicht und ergreifend gemobbt und (nicht nur) emotional vernachlässigt haben. Dennoch ist er hilfsbereit, gütig, freundlich und aufgeschlossen. Dann hat er, nach dem er den Tod der Person mit ansehen musste (und ihn zum Teil verschuldet hat), die für ihn einem Vater am nächsten kam, letztlich nichts anderes als eine posttraumatische Belastungsstörung und wird kritisiert, weil er ab und zu mal ausrastet? Er ist ein Teenie, der mehr durchgemacht hat, als man sich vorstellen mag. Und dann jammern einige, weil Harry laut wird… Ich könnte da jedes Mal selbst ausrasten. Ich frage mich, ob diese Kritiker die Bücher überhaupt gelesen haben…

      Zu Sirius… Ich hab damit auch echt Probleme. Meist mag ich dieses Kapitel gar nicht lesen. Und mir geht es mit Band 7 so, wie Dir mit Band 5. Das Buch… da hab ich beide Male geheult wie ein Schlosshund. Auch um Sirius, weil er da besonders gefehlt hat.

      Bei den anderen Bänden lese ich immer mal wieder quer rein xD

      Liebe Grüße
      Sarah

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