Der Harry Potter-Marathon VII

Das ist es – das Ende einer wunderbaren Reise. Mal wieder.

Als ich Harry kennenlernte war ich neun Jahre alt und es war der 24.12.1999. Als ich ihn in den finalen Kampf gegen Voldemort begleitete war ich 17 und es war der 22.07.2007, am Tag zuvor erst war das letzte Buch der Reihe bei mir eingetroffen.

Während ich an meiner Masterarbeit schrieb, habe ich mich unter anderem damit motiviert, mir eine erneute Reise nach Hogwarts zu versprechen, die – entsprechend der ursprünglichen Reise – am 24.12.2013 begann. Am 21.04.2014 war auch dieser Gedankenurlaub vorbei und so fehlt nun nur noch ein letzter Blogbeitrag zu dieser Reise und meinen Gedanken zum letzten Buch.

Auch hier wieder gilt: Spoilergefahr für all diejenigen, die nicht alle sieben Harry Potter-Bände gelesen oder die acht Filme gesehen haben.

Zum Buch:

(Band sieben wurde auf Englisch gelesen.)

Als ich Band sieben das erste Mal las, war ich sehr emotional. Ich habe das Buch in nur ca. 36 Stunden verschlungen gehabt, dabei gefühlt fünf Packungen Taschentücher verbraucht und ich weiß noch, dass ich mich hinterher erst einmal einige Wochen (!) lang nicht auf neue Bücher einlassen konnte.

Ich hatte erwartet, dass auch dieses Mal das Lesen des siebten Buches nicht spurlos an mir vorüber gehen würde – schließlich ist es ein in jeder Hinsicht sehr mitreißendes Buch und das Ende der Saga und somit auch das Ende dieses Potter-Marathons. Ich dachte jedoch, dass mich die Geschichte diesmal im Vergleich zum ersten Lesen nicht so berühren würde. 2007 habe ich das Ende der Buchreihe als das Ende meiner Kindheit empfunden, wusste nicht, wie die Geschichte ausgehen würde und war vermutlich durch den bereits einsetzenden Abistress sowieso ganz anders drauf. Doch ich muss sagen, ich habe mich ein wenig getäuscht.

Sicher, ich wusste, wer wann und wie sterben würde – und wer überlebt. Und ich wusste auch, wie sich am Ende alles, trotz hoher Verluste, zum Guten wenden würde. Aber es ist das Eine, das Ende einer Geschichte zu kennen. Es ist etwas ganz anderes, mitten in der Geschichte zu sein, die Figuren zu begleiten, mit ihnen zu hoffen und zu bangen und – wie die Figuren auch – den Gedanken nur immer auf den nächsten Schritt zu wenden anstatt auf das große Ende.

Dadurch zeichnet sich auch in meinen Augen der gesamte siebte Band aus: Wie die Einzelbände davor peu à peu auf den letzten Kampf hin aufbauen, wird auch im siebten Buch nicht über eine große Schlacht mit Voldemort nachgedacht. Kann ja gar nicht, müssen doch erst die verbleibenden Horkruxe zerstört werden. Ebenso Harrys Entwicklung: Ist er zu Beginn des Buches – wie auch schon in vorhergehenden Büchern – noch sehr planlos und zweifelt an allem, so wird er doch zunehmend sicherer und ahnt, dass er seiner Intuition vertrauen muss. Schlüsselereignis ist hier, denke ich, der Tod Dobbys, der ihm aufzeigt, wohin seine Reise führen muss.

Das ganze Buch über habe ich wieder beinahe atemlos über den Seiten gehangen und auch diesmal wieder mehrere Taschentücher – wenn auch keine ganzen Packungen mehr – gebraucht. Ich weiß noch immer nicht, welcher Teil mir von Band sieben am besten oder am wenigsten gefallen hat, während die Entscheidung bei anderen Teilen der Reihe schon nach erstmaligem Lesen ganz leicht fiel. Schlimm war Hedwigs Tod, als Symbol für die verlorene Kindheit. Oder Dobby – als Symbol dafür, dass ein Krieg nicht auf zwei rivalisierende Parteien beschränkt bleibt, sondern andere mithineinzieht. Oder Fred, das Symbol dafür, dass es Dinge gibt, die man nie verstehen kann und will. Ja ich glaube Fred war mit am schlimmsten – aber so auf eine einzelne Szene oder Figur kann ich mich da nicht festlegen.

Einmal mehr beeindruckt hat mich die Liebe zum Detail, mit der die Zaubererwelt erdacht ist und mit der Jo kleine Geschichten am Rande schuf, die wir nach und nach als Leser entdecken konnten und können – oder auch noch nicht zu Gesicht bekommen haben. Das Buch „The Tales of Beedle the Bard“, welches sich natürlich auch in meiner Sammlung befindet, gehört zu diesen Details, bei denen ich einfach sprachlos bin. Gut, die Legende von den drei Brüdern, die dem Tod begegneten und von ihm Geschenke bekamen, die musste direkt in der Geschichte erwähnt und somit ausführlich erdacht werden. Aber Rabbity Babbity und wie die Figuren der anderen Märchen heißen? Das sind alles Zugaben, die mich jedes Mal wieder faszinieren. (Die Märchen werde ich übrigens demnächst auch noch eimal lesen, sie gehören aber nicht direkt zum Potter-Marathon.)

 

Zum Potter-Marathon

Zunächst einmal: Ich hätte nicht gedacht, dass ich vier volle Monate mit den Büchern verbringen würde – zugegebenermaßen gab es ja die ein oder andere Unterbrechung für Leserundenbücher, aber insgesamt ist es doch schon eine ziemlich lange Zeit. Eine Zeit, die mir wirklich gut getan hat und mir sehr viel Freude bereitet hat – nicht zuletzt auch durch Eure lieben Kommentare. Vielen Dank dafür!

Nun ist es ein eigenartiges Gefühl, Hogwarts abermals zurückzulassen und neue unbekannte Bücherwelten zu erforschen. Ich freue mich sehr auf die neuen Leseabenteuer, werde aber sicher noch sehr oft in die Welt von Harry und seinen Freunden zurückkehren. Spätestens, wenn der nächste Pottermore-Abschnitt freigegeben wird, bin ich wieder da, lese – wie schon seit Jahren – immer mal quer in die Bücher rein, besuche Lieblingsszenen oder schlage nach, inwieweit die Filme von der Vorlage abweichen.

Das ist ja auch das schöne an Büchern: Sie stehen im Regal (oder liegen auf Platte gespeichert für den eReader parat) und warten darauf, dass uns Leser die Reiselust packt.

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9 Gedanken zu “Der Harry Potter-Marathon VII

  1. Das hast du wirklich schön „gesagt“ – deine Eindrücke echt toll beschrieben! Mir hat damals besonders der Anfang des siebten Bandes gefallen, der die große Reise des Trios außerhalb der beschützenden Mauern von Hogwarts beinhaltet. Filmisch fand ich, hätte man „Heiligtümer des Todes Part 2“ noch ein wenig besser umsetzen können, aber vielleicht würde ich das heute auch anders sehen, wenn ich ihn mir erneut ansehe (sollte ich mal wieder). Habe gemeinsam mit meiner Mutter einen Harry Potter Filmmarathon gestartet, das war echt mal wieder ein Genuss. Nur sind wir bisher nicht über Teil 5 hinausgekommen. Ich müsste ebenfalls wieder mehr Zeit auf Pottermore verbringen, das ist in letzter Zeit leider auch etwas in den Hintergrund gerückt!

    • Ups, auch der Kommentar war völlig ausm Radar raus – sorry!

      Ich müsste auch mal wieder alle Filme sehen, leider rege ich mich spätestens beim dritten so sehr auf, dass ich abbreche. Manche der Filme sind echt halbwegs gelungen – die Vielfalt der Bücher kann man eh nie abbilden – aber tja der dritte hat’s ein wenig versaut…

  2. Hach, da bekomm ich glatt Lust, auch mal wieder nach Hogwarts zu reisen. Da war ich jetzt 2 Jahre nicht mehr – besuche es aber auch regelmäßig und habe v.a. die ersten Bände locker 7 mal gelesen. 🙂 Schöne Eindrücke und Erlebnisse, da bekommt man als Potterhead definitiv Gänsehaut und Lust zu lesen.

    • Ups, der Kommentar ist komplett an mir vorbei gegangen, sorry. Aber: Ich empfehle dringend eine Hogwarts-Reise 😉 Habe schon mindestens drei Menschen damit angesteckgt 😉

  3. *schnief*
    Dein Beitrag ist ja fast so traurig wie die letzte Seite von Band 7 umzublättern.
    *schnief*
    Als ich bei der Premiere in London war und mir die Rede von J. K. Rowling anhörte, liefen mir die Tränen wie ein Wasserfall aus den Augen. Und ich kann mich gar nicht mehr an alle Details erinnern, außer der Satz, der danach durch das Internet flutete.
    „Whether you come back by page or by the big screen, Hogwarts will always be there to welcome you home.“
    Und ich gönne mir nach meinem kleinen SuB auch einen Marathon. Und niemand wird mich dabei stören. 😀
    Liebe Grüße
    Jule

    • Boah hör mir auf! Ich hab hier schon Pipi in den Augen, wenn ich nur dran denke… Dieser Satz… den hab ich immer im Ohr, wenn ich meine Bücher ansehe und das ist so wahr! Wir werden immer die Potterhead-Generation bleiben und ich möchte meine Kindheit auf keinen Fall missen.

      Und – und da schlage ich jetzt mal bewusst weniger traurige Töne an – wir haben Jos Werke ja weiterhin. Robert Galbraith schreibt… wow. Wenn Du nur Thriller mögen würdest!!! 😉

      Liebe Grüße
      Sarah

      • Die Bücher von Robert Galbraith stehen auf meiner Liste, aber vor denen hab ich auch Angst, weil ich „Ein plötzlicher Todesfall“ abgebrochen habe *schnief*

      • Mach mir keine Angst! Das ist mein einziger ungelesener Rowling im Regal. Noch hab ich so viel Panik gehabt… Aber guck mal meine Galbraith-Rezis an. Die schwärmen von den Büchern 😉 Ich will Band 3 haben *heul*

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