Rezension: „Meine kurze Geschichte“ (Stephen Hawking)

Im Anschluss an „Harry Potter“ etwas Neues zu lesen ist immer schwierig. Besonders nach der Lektüre aller sieben Bücher war ich noch immer tagelang in Gedanken in dieser Welt und es ist nicht gerade leicht dann ein Buch zu finden, mit welchem ich „wieder zurückfinde“. Dieses Mal habe ich mich mit Absicht für eine Biografie entschieden, da ich sonst meist überkritisch mit fiktionalen Charakteren ins Gericht gehe – und ein Buch, nur weil es eben nicht um Harry geht, nicht zu mögen, wäre nun wirklich unfair.

Einen drastischeren gedanklichen Tapetenwechsel hätte ich mir auch nicht aussuchen können: Von Harry Potter und Zauberern zu Stephen Hawking und den Rätseln des Kosmos.

Inhalt:

Eine „kurze Geschichte“ schrieb Stephen Hawking schon einmal, nämlich „Eine kurze Geschichte der Zeit“. In „Meine kurze Geschichte“ geht es jedoch meist weniger um komplizierte Zusammenhänge im Universum, sondern mehr um das komplexe Leben eines der berühmtesten Wissenschaftler unserer Zeit. Stephen Hawking erzählt aus seinem faszinierenden Leben: Von einer Jugend, die durch Neugier geprägt ist, von der Diagnose mit einer schrecklichen Krankheit, von einer Arbeits- und Lebenswut, die nur als beeindruckend zu beschreiben ist – und von beinahe absurd wirkenden Wetten unter Wissenschaftlerkollegen. Er erzählt auch von seinen Ehen und seinen Kindern und Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben – und von Ärzten, deren Patient er nicht mehr ist, um ihrem Pessimismus zu entkommen.

Mein Eindruck:

Schon der Titel zeigt, wodurch das Buch lebt: Durch den besonders feinen Humor Hawkings. Im Gegensatz zum Titel und allen Erwartungen seiner Ärzte ist sein Leben ein bereits recht langes – und sehr arbeits- und ereignisreiches noch dazu. Die Bezeichnung „kurz“  ist also ein nettes kleines Wortspiel. Der Titel zeigt aber auch eines ganz deutlich: Dieser Mann ist, trotz seines Ansehens in der Wissenschaft und seiner Popularität im Allgemeinen, sehr bescheiden geblieben. Humor und Bescheidenheit – aber auch berechtigter Stolz schwingen in allen seinen Erzählungen mit.

Hawking beginnt mit seiner „kurzen“ Geschichte bei seinen Eltern, erzählt von seinen Geschwistern und seiner Schulzeit und auch davon, dass er erst sehr spät Lesen lernte. Episodenartig bekommt man Einblicke in das Leben dieses faszinierenden Menschen – in seine Arbeit wie auch in sein Privatleben. Es ist interessant zu lesen, wie er von jemandem, der die großen Zusammenhänge unseres Universums verstehen wollte (und dies noch heute möchte), zu jemandem wird, der anderen Menschen sein Interesse an diesen Zusammenhängen vermitteln will.

Abschnitte, die sich leicht lesen lassen, da es um sein Privatleben oder Wetten mit anderen Forschern geht, wechseln sich ab mit Erklärungen zur Kosmologie und Forschungsergebnissen, die man – möchte man sie überhaupt verstehen – sehr aufmerksam lesen muss. Nicht immer ist es leicht, seinen Gedankengängen zu folgen, schließlich kann man sich manche Phänomene nur sehr schwer vorstellen. Es beeindruckt, zu überlegen, um wie vieles komplexer diese Vorgänge, die Hawking und seine Kollegen untersuchen, eigentlich sein müssen.

Fazit:

Nimmt man das Buch zur Hand, denkt man zunächst, dass es ja doch ein wenig dünn ist – 160 Seiten inkl. Fotografien machen nun einmal keinen dicken Wälzer. Man sollte dabei jedoch bedenken, dass Stephen Hawking nur ungefähr drei Wörter in einer Minute schreiben kann. Wenn man dann die Fülle an Informationen im Buch – von der Kindheit über seine Karriere bis hin zu seiner Arbeit an populärwissenschaftlichen Texten – bedenkt, ist das Buch gar nicht mehr so dünn.

Ich finde es erstaunlich, wie Hawking zwischen humorvollen Anekdoten und nachdenklicheren Passagen zu seiner Krankheit wechselt, seine Forschung (meist) verständlich darlegt und mich als Leser völlig in seinen Bann gezogen hat. Nicht nur optisch ist das Buch ein kleiner Schatz – auch die Art und Weise wie Hawking erklärt hat mich fasziniert. Seine klare Sprache mit den prägnanten Formulierungen resultieren sicher zum Teil daraus, dass er eben so lange braucht um einen ganzen Satz zu schreiben – dennoch, finde ich, merkt man ihm in seiner Schreibweise ganz deutlich den Mathematiker an, der die Dinge sehr rational und reduziert betrachtet.

Jeder, der sich für Hawkings Werk und sein Leben interessiert, sollte dieses Buch lesen!

Klare 5 von 5 Sternen.

Weiteres zum Buch:

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Rowohlt (10. September 2013)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498030256
  • ISBN-13: 978-3498030254
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9 Gedanken zu “Rezension: „Meine kurze Geschichte“ (Stephen Hawking)

  1. Der aktuelle Film DIE ENTDECKUNG DER UNENDLICHKEIT war, was die Lebensgeschichte betrifft, sehr informativ, Die Physik kam zu kurz…
    Aber da der Film so schon über 2 Stunden ging…

    Das Buch kenne ich nicht, aber EINE KURZE GESCHICHTE DER ZEIT. Das ist dann aber starker Tobak.

    • Ich bevorzuge die BBC Produktion mit Benedict Cumberbatch als Stephen Hawking in der Hauptrolle – die Physik wurde da recht gut dargestellt. So gut es halt in einer Filmproduktion geht. Den aktuellen Film kenne ich jedoch nicht, kann daher allerdings auch nicht wirklich vergleichen.

      Und ja, „Eine kurze Geschichte der Zeit“ benötigt ein wenig Zeit beim Lesen.

  2. Pingback: 25 Jahre – 25 Bücher #5 | Studierenichtdeinleben

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