Montagsfrage: Happy End erwünscht?

Libromanie fragt diese Woche, ob man das klassische „Happy End“ bei seiner Lektüre bevorzugt.

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, welche Art von Schluss ich bei Büchern am liebsten mag. Für mich gibt es drei Variantenfür das Ende: Offener Schluss, gutes Ende, schlechtes Ende.

Doch eigentlich ist auch das zu grob gedacht, oder nicht? Es gibt doch auch Bücher, deren Ende für die Figuren an sich nicht gut ist, mit dem man als Leser aber gut leben kann, weil es stimmig ist. Ich denke da besonders an Bücher wie „The Fault in Our Stars“ von John Green, das – ohne hier zu sehr spoilern zu wollen – ein Ende hat, welches für den Leser zwar schwer aber dennoch irgendwie hoffnungsvoll ist.

Was ich definitiv nicht gut leiden kann, sind Cliffhanger. Schlimm sind die schon zwischen zwei Büchern – besonders, wenn der nächste Band ein bisher unbekanntes Erscheinungsdatum aufweist – aber noch gemeiner ist es, wenn eine Geschichte komplett offen endet. Mir fällt momentan kein Beispiel dafür ein, allerdings dürfte es sicher so manch ein Buch geben, das den Leser frustriert und ratlos zurücklässt. Da denke ich mir dann, dass der Autor es sich ein wenig einfach gemacht hat und sich aus der Verantwortung gegenüber seinen Lesern herausstiehlt. Wenn man Geschichten erzählt, muss man diese zu Ende erzählen. Kein Ende zu haben ist nur möglich, wenn man eine Art Biografie schreibt, bei der man in der Gegenwart des noch lebenden Menschen ankommt. Alles andere ist in meinen Augen „falsch“ und unnötige Effekthascherei.

Natürlich gefallen mir Bücher gut, deren Schluss ein „Happy End“ ist. Was mir an dieser Schlussvariante nicht gefällt ist, wenn es ein nicht zur Geschichte passendes Ende ist. Vielleicht kennt Ihr das – es gibt so Bücher, da machen die Charaktere allerhand mit, nur damit am Ende alles so ist wie vorher (heile Welt) oder noch viel besser und es ist, als wäre nie etwas gewesen. Das ist in meinen Augen keine brauchbare Charakterentwicklung. Man kann ein gutes Ende schreiben, ohne die Charaktere dafür verbiegen zu müssen. Wenn eine Buchfigur Dramatisches erlebt hat, und zum Schluss soll alles wieder gut sein – gerne! Aber bitte, es muss auch realistisch bleiben und man muss als Leser irgendwie erkennen, dass derjenige tatsächlich all das erlebt hat, was man über viele Kapitel hinweg „beobachtet“ hat. Das beste Beispiel ist hier für mich immer Frodo aus „Der Herr der Ringe“. Das Buch an sich hat ein gutes Ende – Sauron ist besiegt* und die Völker Mittelerdes sind befreit. Aber Frodo ist gezeichnet vom Ringkrieg und seinen Erlebnissen. Er ist nicht mehr der Frodo Beutlin, der einst das Auenland verlassen hat. Und so eine Entwicklung „verlange“ ich von jedem guten Buch, auch wenn am Ende alles dem „Friede Freude Eierkuchen“-Motto entsprechen soll. Ich möchte sozusagen „die Moral von der Geschicht'“ sehen können. Dann bin ich bei einem Happy End vor allem eines: Happy.

 

Wie seht Ihr das?

 

*Und wer sich hier über einen Spoiler aufregt, der möge bitte leise schmollen. „The Fellowship of the Ring“ erschien vor fast genau 60 Jahren. Wer seitdem weder das Buch gelesen noch den Film gehört hat, dem kann auch so ein Spoiler egal sein 😉

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