25 Jahre – 25 Bücher #3

Halbzeit bei meinem Geburtstagscountdown. Ich bin gespannt, was Ihr diesmal zu meiner Auswahl sagt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es erstaunlich viele Pflichtbücher aus meiner Schulzeit auf die Liste geschafft haben. Wäre das bei Euch auch so? Oder wart Ihr froh, wenn Ihr mit Pflichtlektüre in Ruhe gelassen wurdet?

Für diejenigen, die jetzt erst zu „25 Jahre, 25 Bücher“ dazustoßen, eine kurze Erklärung vorneweg: Am 2. März werde ich 25 und zeige Euch passend dazu 25 Bücher, die für mich ganz besonders sind. Die Auswahl war nicht einfach und natürlich ist es kein Ranking, sondern eher der versuch einer Chonologie. Zuletzt waren wir im Jahr 2006. Die Jahreszahlen findet Ihr (manchmal auch nur geschätzt) immer in Klammern hinter Titel und Autor/in.

Zu Teil eins von „25 Jahre, 25 Bücher“ geht es hier. Teil zwei findet Ihr hier.

11. „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ von J. K. Rowling (2007)

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(Foto: Privat)

Dieses Buch ist für mich persönlich voller Rekorde. Es ist das Buch, auf das ich – bisher – am längsten gewartet habe. Gute siebeneinhalb Jahre sind zwischen Weihnachten 1999 und dem Sommer 2007 vergangen. Als ich das Buch – in der Originalausgabe – dann endlich in den Händen hielt, hatte ich Tränen in den Augen – was ein Buch bis heute sonst nie VOR der Lektüre geschafft hat. Ich las das Buch zwischen ca. 10 Uhr morgens an dem Erscheinungssamstag, als die Post das Paket vorbeibrachte und ca. 10 Uhr am Sonntagabend. Das sind ca. 36 Stunden für 607 Seiten. Schneller las ich vorher und seitdem kein anderes Buch – nicht einmal in meiner Muttersprache. Und auch der Taschentuchverbrauch war rekordverdächtig. Drei oder vier Packungen Tempos mussten während der 36 Stunden dran glauben. Am Ende war dann „alles gut“.

 

 

 

 

 

12. „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt (2007)

(Foto: Privat)

Mein Vater brachte mir dieses Buch kurz vor den Winterferien mit, weil wir es nach den Ferien im Deutschunterricht behandeln sollten. Ich war zu der Zeit krank, lag mit Husten und Fieber auf der Couch und eigentlich ist das eine Situation in der ich gar nicht mehr lesen mag. Ich blätterte dennoch in „Die Physiker“ hinein und stellte schnell fest, dass ich trotz „Matsch-Hirn“ unbedingt weiterlesen musste. Das Buch ist für mich eine Verbindung zwischen meiner Leidenschaft für Sprache und für Naturwissenschaften und immer, wenn es irgendwo um die Verantwortung geht, die Wissenschaftler tragen, muss ich an dieses Werk denken. Wir besuchten mit dem Deutschgrundkurs die Inszenierung des Stücks im Schauspielhaus hier in Dresden und noch heute sehe ich einzelne Szenen deutlich vor mir, wie sie dort gespielt wurden. Ein sehr beeindruckendes Werk und eine sehr beeindruckende Inszenierung. Noch heute zähle ich dieses Schul-Pflichtbuch zu meinen Lieblingsbüchern – weshalb es auch in dieser Liste vertreten ist.

 

 

 

 

 

13. „Faust. Der Tragödie erster Teil“ von Johann Wolfgang von Goethe (2007)

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(Foto: Privat)

Als meine Eltern zum ersten Mal in Weimar waren, brachten sie mir ein T-Shirt mit. Darauf stand: „Deutschlehrers Disneyland“. Nun bin ich Kommunikationswissenschaftlerin und keine Deutschlehrerin, aber dennoch trifft der Spruch auf mich zu: Ich liebe Schiller und Goethe und einfach diese wunderbare Atmosphäre in Weimar.

Goethe entdeckte ich durch meine Vorliebe für Schiller und ich war dementsprechend wohl die enthusiastischste Schülerin, als es hieß, Goethes „Faust“ würde im Deutschunterricht gelesen werden. (Das war übrigens leicht, meine Mitschüler waren alles andere als begeistert.)
Ich weiß bis heute nicht, was bei Goethe den Reiz für mich ausmacht. In meiner Familie wird er – nicht zuletzt durch meine Uromi – häufig zitiert. Seine treffenden Formulierungen mag ich sehr und die Tatsache, dass er sich für so viele unterschiedliche Dinge interessieren konnte, macht ihn mir noch sympathischer. „Faust“ ist hier also nicht nur als eines meiner Lieblingsstücke zu verstehen, sondern auch als stellvertretend für andere Werke Goethes.

Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor

 

14. „Perry Rhodan – Die dritte Macht“ (ca. 2008)

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(Foto: Privat)

Perry Rhodan ist eine Science-Fiction-Serie in Heftromanform, die es seit 1961 ununterbrochen gibt und die ich durch meine Eltern um mein Abitur herum kennengelernt habe. Wir haben, das weiß ich noch, am Esstisch gesessen, Kaffee getrunken und uns über die Pflichtliteratur in der Oberstufe unterhalten. Mein Vater erzählte, dass sie damals Heftromane als eine Literaturform durchgenommen haben, was bei mir ja nun nicht der Fall war. Als ich fragte, was sie denn genau lasen, erzählte er mir von Perry Rhodan.

Wöchentlich gibt es diese Sci-Fi Hefte, die – platt formuliert – die Geschichte des gleichnamigen Helden erzählen, der als erster Mann den Mond betrat, dort Außerirdische, sogenannte Arkoniden, traf und sich deren überlegene Technologie zunutze machte, um den Kalten Krieg zu beenden. Er gründete die „dritte Macht“ und führte die Menscheit zu den Sternen. Unterstützung erhält er dabei von Mutanten und einem Zellaktivator, der ihn – und einige Gefährten – relativ unsterblich macht.

Es gab um diese Zeit herum eine Auskopplung aus der Heftreihe (bei der man immer beim hundertsten Band gut einsteigen kann), namens Perry Rhodan Action. Diese Sonderreihe und die „Silberbände“ (alte Heftromane, die in einem Buch überarbeitet herausgegeben wurden/werden) habe ich genutzt um ins „Perryversum“ einzusteigen und den Sci-Fi-Fan in mir geweckt. Leider habe ich momentan zu viele andere Dinge zu lesen, sodass ich keine Zeit mehr für die Heftreihe habe. Vielleicht steige ich aber bald mal wieder ein – ich mag sie zu sehr, um ihr lange fern zu bleiben.

 

15. „Die Schachnovelle“ von Stefan Zweig (2008)

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(Foto: Privat)

Wenn ich mir diese Liste so ansehe, merke ich, wie sehr die Pflichtlektüre zu Schulzeiten genau meinen Geschmack getroffen hat. Mit der „Schachnovelle“ verbinde ich vor allem eines: Mein Abiturthema in der Deutsch-Prüfung.

Ich weiß noch, wie ich vor dem Deutsch-Abi ganz bewusst die Entscheidung traf, keine Gedicht-Interpretation schreiben zu wollen. Mir war bewusst, dass ich mich damit auf nur noch zwei der drei Auswahl-Themen beschränkte und auch, dass das ein Risiko darstellte. Aber ich wollte nicht endlos die Epochen der Lyrik büffeln und sie am Ende doch wieder durcheinander werfen. Also fiel das Gedicht von Sarah Kirsch (Aufgabe 1) direkt weg. Auch Aufgabe 3 war für mich keine Option, wie sich herausstellte: Eine Erörterung zu Goethes „Faust“.

Wie jetzt? Ich wollte Goethes „Faust“ – den ich oben noch als eines meiner Lieblingswerke genannt habe – nicht erörtern? Richtig gelesen! Denn ich liebe es zwar zu argumentieren – manchmal auch nur, weil mich gerade das Argumentieren selbst reizt – aber ich kann beim besten Willen keine Erörterung so schreiben, dass sie einem Deutschlehrer gefällt. Ich bin immer daran verzweifelt und hatte keine Lust im Deutsch-Abi einen erneuten (erfolglosen) Versuch zu starten.

Blieb Aufgabe Nummer 2. Die Interpretation eines Auszugs aus „Die Schachnovelle“ von Stefan Zweig. Und an dieser Stelle war ich mal wieder ein Glückskind (und hatte vermutlich mehr Glück als Verstand, das muss ich schon zugeben). Wir mussten im Deutschunterricht jeder einen 90-minütigen Vortrag zu einem der möglichen Abi-Themen halten. Mein Thema war „Darstellung weißer Folter in Stefan Zweigs „Die Schachnovelle“„.

Ich sag’s ja. Ich hatte mehr Glück als Verstand.

Übrigens hat mir das Buch nicht nur den Allerwertesten im Abitur gerettet, es war auch eine sehr eindringliche und bewegende Lektüre, die mich sehr beeindruckt hat. Das war vielleicht der zweite Glücksgriff: Ich durfte einen Teil eines Werkes interpretieren, das ich auf Anhieb sehr mochte.

 

Bevor ich weitere dumme peinliche Geschichten zu Büchern aus meiner Schulzeit auspacke, frage ich besser nach Euren Erlebnissen mit Pflichtliteratur. Oder schreibt mir einfach was zu Harry Potter / Perry Rhodan. Ich bin so oder so gespannt auf Eure Kommentare! (Und vielleicht mag der ein oder andere ja raten, welche Bücher auf den Plätzen 16 – 25 gelandet sind?)

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7 Gedanken zu “25 Jahre – 25 Bücher #3

  1. Hallöchen 🙂
    Bisher als anonymer, heimlicher Leser, melde ich mich heute mal zu Wort. Die genannten Schulbücher hätten es bei mir auch auf die Liste gebracht, weil genau diese von dir genannten auch ich sehr mochte und bis heute liebe. Besonders Faust hat es mir bis heute angetan. 😉
    Aber eigentlich schreibe ich wegen Harry Potter. Ich war damals bei einer Harry Potter Nacht und bekam das Buch 0.02 in die Hand gedrückt und gab es nicht mehr aus der Hand. Die halbe Nacht habe ich gelesen. Ich war leider nicht so schnell wie du, weil wir einen Tag später in den Urlaub fuhren und dort über haupt keine Zeit war. Den Taschentuchverbrauch kann ich aber nur unterstützen. So viel wie bei diesem Buch hab ich danach nur noch einmal bei dem Film geheult. 😀
    Liebe Grüße
    Jule

    • Hallo Jule,

      ich freue mich sehr, dass Du Dich aus der Anonymität rausgetraut hast 😀 Darfst Du gerne öfters machen 😉

      Das mit dem Film kann ich unterschreiben – auch da war (und ist) es notwendig, viele Taschentücher einstecken zu haben. Ich hoffe ja, dass mich die neuen Filme über Newt Scamander dann nicht ganz so stark mitnehmen. Vielleicht bin ich dann aber auch einfach nur schon geübt genug 😉

      Ich finde es übrigens sehr amüsant, dass Du die Schulbücher auch magst – meine Deutschlehrerin wäre sehr froh! Da ich „nur“ den Grundkurs belegt hatte, war die dortige Schülerschaft leider meist eher abgeneigt sich mit den Büchern zu beschäftigen. Oder sie auch nur zu lesen. Vermutlich haben wir deshalb die meiste Zeit der Stunde nur miteinander diskutiert.

      Ich freue mich auf weitere Kommentare von Dir – Du darfst aber natürlich auch „nur“ still mitlesen, wie Du magst 😉

      Liebe Grüße
      Estel

  2. „Deutschlehrers Disneyland“ – schon jetzt mein Highlight in dieser Bücherwoche 😀 Da wohne ich so nah an Weimar, aber dieser Spruch ist mir bis jetzt noch nie begegnet.

    „Kabale und Liebe“ konnte am Wochenende übrigens nicht aufgetrieben werden. Meine Mutter ist sich zwar 100-prozentig sicher, dass sie ihr Exemplar noch hat, aber in den Regalen in der Wohnung fand es sich nicht – vermutlich lungert es auf dem Dachboden herum. Sobald es aus einer der vielen Kisten auftaucht, wird es an mich weitergereicht. Bis dahin kann ich auf die Lektüre ohne Probleme noch warten – es ist ja nicht so, als gäbe es in meinem Regal nicht ausreichend andere ungelesene Bücher. 😉

    • Ich muss mal gucken, ob ich das Shirt noch finde – es müsste in meinem alten Kleiderschrank bei meinen Eltern sein. Dann gibt’s vielleicht ein Foto 😉 Ist aber auch schon älter – müsste um 2007 herum gewesen sein, dass ich das bekommen habe. Ich besitze übrigens auch eine Faust-Tasse mit obigem Zitat. Das passt halt zu mir wie die Faust auf’s Auge (entschuldige den Wortwitz^^).

      Und ich bin sicher, dass Du, bis „Kabale und Liebe“ wieder auftaucht, noch genügend auf dem SuB hast. Wie alle wohl Bücherratten 😉 Ansonsten stöber einfach auf dem Blog, Du findest mit Sicherheit Anregungen für den nächsten Besuch im Buchladen. ^^

  3. Hallo Estel!

    Ich glaube, das ist mir noch nie passiert, aber bei deinem Beitrag hier kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich alle deine fünf Bücher kenne :). Harry Potter habe ich seinerzeit kennengelernt, als Band 4 auf den Markt kam (Auch schon ne Weile her). Und ich glaube, es ist auch die einzige Reihe, die ich komplett auf Englisch gelesen habe :).

    Dürrenmatt habe ich ebenfalls im Deutschunterricht in der Schule kennenlernen „dürfen“. Und ich erinnere mich, dass ich „Die Physiker“ das erste Mal mit der Klasse in einem kleinen Theater gesehen habe – war also nicht ganz freiwillig, aber ich fand das Stück einfach genial! Ich hab es dann hinterher auch nochmal gelesen, obwohl wir damals nur „Der Verdacht“ lesen mussten. Wenn meine Erinnerung mich nicht im Stich lässt, hab ich bei meiner Matura (So heißt das Abi ja bei uns im Ösiland ;)) dann Dürrenmatt als vertiefendes Thema gehabt …

    Faust kenn ich ebenfalls durch die Schule, verfolgt mich aber auch so schon mein halbes Leben, weil meine Mutter totaler Faust-Fan ist. Man könnte also sagen, die unterschiedlichsten Zitate daraus verfolgen mich schon mein Leben lang 😀 …

    Perry Rhodan und die Silberbände entdeckte ich durch meine örtliche Bücherei für mich, als ich 16 war. Das war so ein Sommer, wo ich sonst nichts gemacht habe außer Silberbände lesen :D. Heute gehe ich gelegentlich zu einem Perry-Stammtisch. Und auch wenn ich jetzt nicht mehr so viel mit dem Stoff am Hut habe, mit den Leuten zu reden, macht immer noch sehr viel Spaß.

    Und die Schachnovelle kenne ich, weil ich seinerzeit die alte Schwarzweiß-Verfilmung mit Curd Jürgens gesehen habe (Solltest du sie nicht kennen: Seeeeehr empfehlenswert!). Da war ich hinterher so fasziniert von dem Stoff, dass ich mir das Buch dann besorgt und gelesen habe.

    Liebe Grüße und du hast jetzt einen Follower mehr!
    Ascari

    • Hallo Ascari,

      erst einmal vielen Dank fürs Verfolgen! Ich freu mich!

      Und ich finde den Zufall echt klasse, dass Du ebenfalls alle Bücher kennst und magst, die ich hier aufgeführt habe! „Der Verdacht“ ist übrigens kürzlich dank einer Mängelexemplar-Wühltischaktion bei mir eingezogen. Mal sehen, wann der mal dran ist 😉 Die Verfilmung der Schachnovelle sagte mir bis eben gar nichts, aber ich frage mal meine Eltern, ob sie die vielleicht durch Zufall aufgenommen haben. Und Band 4 von Harry Potter war der letzte Band, bei dem ich noch auf die deutsche Übersetzung warten musste (14.10.2000 – ich war 10) – alle weiteren habe ich dann (zunächst mit Wörterbuch, dann ohne) verschlungen. Selbst bei meinem Re-Read Anfang letzten Jahres habe ich diese „Reihenfolge“ beibehalten und erst auf Deutsch gelesen und ab Band 5 dann auf Englisch.

      Ich bin ja gespannt, was Du zu den Plätzen 16-25 sagen wirst. Die zwei Teile werde ich wohl kommende Woche online stellen.

      Viele Grüße,
      Estel

  4. Pingback: 25 Jahre – 25 Bücher #4 | Studierenichtdeinleben

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