Lesung: „Gleichklang“ (Gabriele Schmid)

Man sagt ja, Lesen sei ein aussterbendes Hobby (glaube ich nicht) – ebenso, wie das Schreiben handschriftlicher Briefe (glaube ich auch nicht). Es heißt, in der modernen, weltweit vernetzten Welt, bestünde Kommunikation hauptsächlich in Form von Bits und Bytes und zum Lesen hat man ja auch immer weniger Zeit.

Lesen und Schreiben gehören für mich absolut zusammen und jeglicher Schwarzmalerei begegnet man sowieso am besten mit Gegenbeispielen. Hier ist so eines: Über das Internet – genauer gesagt, das böse zeitverschlingende Facebook – lernte ich meine Brieffreundin Betti kennen. Wir beide lesen sehr gerne, wir beide bloggen darüber (Betti findet Ihr hier) und wir beide schreiben sehr gerne Briefe. Mit Hand. Und schickem Briefpapier (Betti hat das hübschere 😉 ).

Als wir uns vor mittlerweile über einem Jahr im Netz fanden, stellten wir recht schnell fest, dass wir sehr ähnlich denken – auch wenn wir eigentlich recht unterschiedlich Lesen. Betti ist sozusagen die perfekte Ergänzung, auch wenn der SuB immer jammert. Aber dann soll er halt jammern 😉

Was hat dieses Vorgeplänkel nun mit einer Lesung (siehe Überschrift) zu tun?

Betti schenkte mir zum Geburtstag „Touché“ von Gabriele Schmid, das sie selbst mit lektoriert hatte. Kurz darauf schrieb sie mir, dass Gabi in Dresden aus ihrem Buch „Gleichklang“ lesen würde und natürlich war es da für mich Ehrensache, hinzugehen. Die liebe Jule von Jules Leseecke wurde quasi virtuell „eingepackt“ und ebenfalls mit zur Lesung geschleppt.

Am 17.04. also, dem Welttag der Hämophilie (Bluterkrankheit), las Gabriele Schmid in Dresden aus ihrem Buch „Gleichklang“.

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Gespannt wird gelauscht (Foto: Smart & Nett)

Darin geht es um die Ärztin Samantha, deren Leben durcheinander gewirbelt wird, als plötzlich der Vater ihres Sohnes – ebenfalls Arzt – im Krankenhaus vor ihr steht. Doof nur, dass er weder von seinem Sohn etwas weiß, noch davon, dass Patrick an der unheilbaren Bluterkrankheit – Hämophilie – leidet. Samantha hat übrigens eine Zwillingsschwester – Deborah – und ihre beider Leben laufen wirklich im „Gleichklang“, denn plötzlich geht auch bei der Schwester alles drunter und drüber.

Was folgt dürfte ein amüsanter Roman über das Leben sein, das nicht immer ganz so abläuft, wie geplant. Außerdem ist es ein Roman darüber, dass ein Leben mit Hämophilie in der Familie zwar durchaus eine Herausforderung darstellt, aber dennoch sehr lebenswert ist.

Der Welttag der Hämophilie – ein ganz persönlicher Tag

Gabriele Schmid las nicht nur bei der Haema in Dresden aus ihrem Buch, weil es auch die Hämophilie thematisiert – die Autorin hat einen ganz persönlichen Bezug zu dieser Krankheit. Ihr Sohn Patrick ist selbst Bluter und somit auf die Spendebereitschaft seiner Mitmenschen angewiesen.

Patrick gab dem Buch-Patrick übrigens ganz bewusst seinen Namen und er las auch – bis auf ein paar schnell überblätterte Szenen – das Buch vor Veröffentlichung. Ohne es selbst gelesen zu haben, kann ich also jetzt schon mit Sicherheit sagen, dass es die Hämophilie sehr authentisch darstellt.

Gabriele las verschiedene Szenen aus ihrem Buch und Jule und ich haben uns mehrfach schon beim Zuhören sehr amüsiert und natürlich haben wir es uns nicht nehmen lassen, das Buch im Anschluss zu erwerben. Wobei – im Anschluss gab es erst einmal ein Backstage-Programm!

Backstage auf einer Lesung

Backstage? Wie jetzt?

Das denkt ihr jetzt vielleicht – und ganz richtig – bei Lesungen sieht man sich ja normalerweise nur das „offizielle“ Programm an, kauft das Buch, lässt es signieren und geht dann wieder.

Bei Haema war alles ein wenig anders 😉

Die Lesung selbst fand im Raum der Plasmaspende statt, also zwischen all den Liegen, auf denen die Spender warten, bis genügend Blutplasma „gesammelt“ wurde. Laufend piepste zwar irgendwo ein Gerät, aber insgesamt war es schon eine sehr spannende Location für eine Lesung.

Nach der Lesung, die schon viel Lust auf das Buch machte, ging es dann eine Etage tiefer in den Pausenraum des Haema-Zentrums, der mit viel Liebe in besagten Backstagebereich umfunktioniert worden war. Es gab Getränke, frisches Obst, Schnittchen und sogar eine Erdbeertorte stand bereit. Jule und ich wurden auch hier herzlich begrüßt und eingeladen, uns dazuzusetzen.

Gleichklang

(Foto: Privat)

Zugegeben, ein wenig unsicher waren wir schon – schließlich hatten wir ja „nur“ eine „normale“ Lesung erwartet. Irgendwie war der Zugang zum Backstage-Bereich noch eine Schippe cooler als das Herumlaufen mit Presseausweis auf der Leipziger Buchmesse.

Bei Essen und Trinken haben wir dann aufmerksam zugehört, was so über die Haema und die DHG – die Deutsche Hämophiliegesellschaft – erzählt wurde. Ich bin erstaunt und begeistert, was alles für Betroffene getan wird und bei den Erzählungen gingen mir als Nichtbetroffene immer wieder all die kleinen Momente durch den Kopf, die für uns Gesunde völlig harmlos erscheinen: Papierschnitte, blaue Flecken, aufgeschürfte Knie. Was für uns zwar durchaus unschöne Kleinstverletzungen im Alltag sind – nervig aber bald vergessen – sind für Hämophiliepatienten schnell ganz gefährliche Situationen. Dabei dann nicht nur die gute Laune zu behalten, sondern auch eine gewisse Normalität zu entwickeln, finde ich beeindruckend.

Der Lesung zweiter Teil und ein Vortrag

Nach diesem ersten Backstage-Ausflug ging es dann noch einmal in den Plasmaraum zu einer spontanen zweiten Lesungseinlage. Gabriele Schmid war zwar etwas nervös, da die vorgelesene neue Szene nicht vorab geplant und durchprobiert war, aber mir gefiel es dennoch!

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Die unvorbereitete Szene (Foto: Smart & Nett)

Kurz darauf gab es einen interessanten Vortrag zur DHG von einem Mitglied aus der Jugendorganisation der DHG, die uns Nichtbetroffenen einen spannenden Einblick in die Arbeit dieser Organisation ermöglichte. Mir war gar nicht bewusst – weil ich zugegebenermaßen noch nie so darüber nachgedacht habe – was alles nötig ist, um Betroffenen dieser Krankheit und ihren Familien im Alltag zu helfen. Man hat, so ging es mir bisher, bei „Krankheit“ immer gleich etwas im Kopf, das von aussen sichtbar sein muss. An einem Rollstuhl oder einer Unterarmgehstütze. Das muss aber nicht sein. Der Vergleich mag hinken, aber ein Buch ist ja auch nicht nur einfach ein Stapel bedruckten und gehefteten Papiers. Buch und Krankheit erzählen eine Geschichte – man muss hoffen, dass es eine gute wird.

Eine ganz besondere Lesung

Für mich war der Besuch bei Haema und die Lesung von Gabi etwas ganz Besonderes! Nicht nur, wegen der absolut liebevoll befüllten Goodiebags, die Jule und ich spontan in die Hand gedrückt bekommen haben (Danke!), sondern auch, weil ich wieder einmal merke, wie wichtig es ist, über den Tellerrand des eigenen Lebens zu blicken. Ich muss nämlich zugeben, dass ich bisher nicht bei der Blutspende war. Ich hatte immer „zu viel zu tun“, wie das halt so ist. Direkt zu sehen, was so eine Spende ausmachen kann… das war beeindruckend. Und ich habe beschlossen: Manchmal muss man sich einfach Zeit nehmen. Zeit, nicht nur über den Tellerrand hinauszublicken, sondern auch Zeit, das, was man dabei gelernt hat, zu beherzigen.

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(Foto: Privat)

Jules Eindrücke von der Lesung gibt es wie immer auch auf ihrem Blog. (Da gibt es auch noch mehr Fotos!)

Einen weiteren Bericht über die Lesung findet Ihr hier und hier gibt es weitere Informationen zur Haema und den verschiedenen Möglichkeiten Spender zu werden.

Und hier das obligatorische Foto als Andenken an eine tolle Lesung – vielen Dank an Smart & Nett für die tollen Fotos!

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(Foto: Smart & Nett)

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5 Gedanken zu “Lesung: „Gleichklang“ (Gabriele Schmid)

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