Rezension: „The Catcher in the Rye“ (J. D. Salinger)

Schon vor einiger Zeit las ich „Lieber Mr. Salinger“ von Joanna Rakoff und natürlich machte mich das neugierig auf Salingers Werke, die mir bis dahin zwar vom Namen her bekannt waren, die ich aber noch nicht gelesen hatte. Besonders „The Catcher in the Rye“ war für mich vom Bauchgefühl her sehr interessant und so landete es schließlich recht schnell auf meinem Lesestapel.

JD Salinger

(Foto: Privat)

Inhalt:

Holden Caulfield erzählt davon, wie er erneut von einer Schule verwiesen wird und diese daraufhin auf eigene Faust kurz vor den Weihnachtsferien verlässt. Er fährt zurück nach Manhattan, wo auch seine Familie lebt. Doch er fürchtet sich vor den Reaktionen seiner Eltern und irrt durch die Stadt, getrieben von der Sehnsucht nach Nähe und der Abneigung gegen die Oberflächlichkeit der Gesellschaft, die er an der Schule so oft  zu spüren bekam.

Mein Eindruck:

Holdens Sprache fällt sofort auf. Ich hatte Salingers Namen bisher nur im Zusammenhang mit seinen „Meisterwerken“ gehört und war im ersten Moment ziemlich erstaunt, welche Sprache er Holden „sprechen“ lässt. Auch wenn man bedenkt, dass Holden recht jung ist, vermutet man bei einem „Meisterwerk“ doch nicht unbedingt den extremen Gebrauch von Jugendsprache. Mich zumindest hat das zunächst verblüfft. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten hatte ich mich aber schnell an diesen Ton gewöhnt und hatte keine großen Verständnisschwierigkeiten trotz einiger mir bisher noch unbekannter Vokabeln.

Ich hatte eigentlich erwartet, dass mir diese saloppe Sprache zusammen mit Holdens sich oft wiederholenden Gedankengängen schnell lästig werden könnte. Das Gegenteil war jedoch der Fall. Zwar ähneln sich Holdens Gedanken oft – er hasst Leute, die „phony“, also angeberisch, affektiert bzw. auch verlogen sind – aber paradoxerweise wirkt das beim Lesen nicht monoton. Holden verachtet die Falschheit der Gesellschaft im Allgemeinen und die einiger bestimmter Mitmenschen im Besonderen und mit jeder Person, die er dem Leser quasi vorstellt, zeigt er einen weiteren Aspekt davon auf, was seiner Meinung nach in der Gesellschaft alles falsch ist. Die steten Wiederholungen – man müsste wirklich mal zählen, wie oft Holden „phony“ denkt – führten dazu, dass ich Holdens Sichtweise Stück für Stück immer besser verstand.

Das Werk scheint besonderen Erfolg bei jugendlichen Lesern zu haben, was wohl daran liegt, dass Holden auf den wenigen Seiten – und in der Geschichte innerhalb von nur vier Tagen! – eine erhebliche Entwicklung durchmacht: Er wird vom rebellischen Teenie zu einem doch schon verantwortungsbewusst denkenden jungen Erwachsenen.

Ich gehe mit meinen 25 Jahren nun nicht mehr direkt als Teenager durch, aber dennoch konnte ich mich mit Holden sehr gut identifizieren: Holden hasst die Falschheit der Erwachsenenwelt und ihm sehr ähnlich habe ich selbst so meine Probleme damit, dass manch ein Mitmensch gerne mal mit zweierlei Maß misst. Gerade Holdens kritische Gedanken zu allem was ihm über den Weg läuft sind mir sehr sympatisch und ich wünschte, ich hätte dieses Buch in der Schule gelesen. Ob meine Lehrer aber mit so konequentem kritischen Denken hätten umgehen können ist eine andere Frage.

Fazit:

Ein wenig musste ich an meinen ersten Kontakt mit Friedrich Schiller denken, als ich das Buch las. Damals beendete ich einen Vortrag über den jungen – und sehr rebellischen – Dichter mit den Worten: „Ich finde, Friedrich Schiller kann mit seiner Art, klug gegen die Regeln zu verstoßen, als Vorbild für jeden Jugendlichen gelten.“

Ähnlich beeindruckt wie damals von Schiller war ich jetzt von Holden. Und ich finde, Holden Caulfield kann mit seiner Art, kritisch alles in der Gesellschaft zu hinterfragen, als Vorbild für jeden gelten.

5 von 5 Sternen.

Weiteres zum Buch:

  • Taschenbuch: 230 Seiten
  • Verlag: Klett (25. Januar 1999)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 3125738067
  • ISBN-13: 978-3125738065

In der Reading Challenge 2015 zähle ich dieses Buch als A book by an author you’ve never read before.

 

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6 Gedanken zu “Rezension: „The Catcher in the Rye“ (J. D. Salinger)

  1. Hallo 🙂
    ich habe das Buch ja auch nach dem Lesen von „Lieber Mr Salinger“ auf meine „100 Bücher“-Liste geschrieben. Jetzt kann ich es erst recht nicht abwarten, das Buch zu lesen, weil ich so gespannt bin.
    Aber vorher muss ich meine anderen angefangenen Bücher und Rezensionsexemplare abarbeiten. 😀
    Liebe Grüße
    Jule ❤

    • Moin Jule 🙂

      Jaja, der SuB ist manchmal einfach zu hochkarätig und wird meist noch hochkarätiger… ich kenne das 😉 Bei mir stehen jetzt die anderen Salinger Werke auf der Wunschliste und so werden sie wohl auch irgendwann den SuB veredeln.

      Liebe Grüße
      Sarah 🙂

  2. Pingback: Sparstrumpfchallenge #4 – und diesmal bin ich auch dabei | Studierenichtdeinleben

  3. Wenn dir Catcher in the Rye gefallen hat, kann ich unbedingt „The Bell Jar/Die Glasglocke“ von Sylvia Plath empfehlen. Das habe ich als das weibliche und melancholischere Pendant zu Caulfield empfunden.

      • Das kenne ich auch 😉 Aber als ich mir zuletzt meine Wunschliste bei einem großen Online-Händler angeschaut habe, ist mir aufgefallen, wie viele meiner Einträge wohl aus einer Laune, einem Gedanken heraus entstanden sind, denn bei manchen Büchern habe ich mich gefragt, wie sie auf der Wunschliste gelandet sind, weil sie mir in dem Moment gar nicht mehr ansprachen. Merkwürdige Sache 😉

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