Montagsfrage: Buchverfilmung vs. Kopfkino

montagsfrage_bannerBuchfresserchen stellt diesen Montag eine relativ lange Frage, weshalb ich sie für die Überschrift ein wenig gekürzt habe. Hier die lange Version:

Montagsfrage: Hast Du, nachdem Du eine Buchverfilmung gesehen hast, beim Lesen eines Buches die Schauspieler im Kopf oder die Figuren wie Du sie Dir vorstellst?

Zunächst: Ich gehöre zu denjenigen, die am liebsten zuerst das Buch lesen, bevor sie sich den dazugehörigen Kinofilm ansehen. Das liegt daran, dass meist die Handlung ein wenig für Filme angepasst werden muss und ich lieber erst die Erzählung des jeweiligen Autors im Kopf habe, bevor ich mir ansehe, wie man diese Geschichte für die Leinwand adaptiert hat. Sind wichtige Hintergrundinformationen vom Rotstift der Filmemacher herausgeschrieben worden, habe ich dann wenigstens keine Verständnisschwierigkeiten.

Ich bin übrigens auch jemand, der möglichst komplett zwischen den beiden Kunstformen – Buch und Film – unterscheidet und diese „Was ist besser“-Diskussion am liebsten meidet.

Es gibt aber ein paar Schauspieler, die es in mein Kopfkino geschafft haben, bzw. ein paar Casting-Menschen ist es gelungen, meine Kopfkino-Figuren im echten Leben zu finden.

Beispiel 1: Alan Rickman – Severus Snape

Als ich mit neun Jahren zum ersten Mal in die Welt von Harry Potter eintauchte hasste ich diese Figur natürlich abgrundtief. Aber für mich war es – dadurch? – auch eine besonders lebendige Figur, die bis zur letzten Seite von Band 7 besonders „greifbar“ wirkte. Für mich hatte Snape nunmal diese glänzenden halblangen und pechschwarzen Haare, einen fiesen stechenden Blick und eine Stimme, die ganz außergewöhnlich in meinem Kopf klang.

Mit elf Jahren saß ich dann im Kino und sah zum ersten Mal in meinem Leben Alan Rickman. Bzw. Snape. Denn das auf der Leinwand, das war mein Snape. Mein Kopfkino-Snape. Der Snape, den ich für jede Gemeinheit hasste und der mir immer suspekt war.

Alan Rickman ist also schon in meinem Kopfkino aufgetaucht, bevor ich überhaupt von ihm wusste – und hat Severus Snape in jedem Buch, trotz mancher fragwürdiger Handlungsanpassungen seitens der Filmemacher, so lebendig wirken lassen, wie diesen Kopfkino-Snape.

Beispiel 2: Albus Dumbledore – Richard Harris vs. Michael Gambon

Ähnlich wie ich 2001 im Kino meinem Kopfkino-Snape begegnete, fand ich auch in Richard Harris meinen Kopfkino-Dumbledore. Ein gütiges Lächeln, silbrigweiße Haare und dieses in den Büchern oft hervorgehobene Glitzern in den Augen. Keine Frage – dieser alte Mann in den bunten Zaubererroben war mein Kopfkino-Dumbledore und ich erinnere mich noch gut, wie ich mit elf völlig begeistert davon war. Hatte ich zuvor doch befürchtet, niemand könne die wunderbare Welt, die Rowling in meine Kopf zauberte, auf einer bloßen Leinwand zeigen. Doch es ging – mit Abstrichen natürlich. Aber ich war begeistert.

Und dann starb Richard Harris und mit ihm ging für mich auch Dumbledore verloren. Michael Gambon mag ein guter Schauspieler sein – und ich mag ihn durchaus in einigen seiner Rollen – aber ich merkte gleich, dass dies eben nicht mein Kopfkino-Dumbledore war, sondern ein Schauspieler, dessen Job es war, Dumbledore zu spielen.

Ich glaube, jeder Potterhead erinnert sich an dieser Stelle an eine Szene ganz besonders: Film vier, kurz nachdem der Feuerkelch Harrys Namen als vierten Champion im Trimagischen Turnier genannt hat. Dumbledore fragt im Buch ganz ruhig, ob Harry seinen Namen in den Feuerkelch geworfen habe. Film-Dumbledore verpasst Film-Harry dagegen beinahe ein Schleudertrauma, als er ihn schüttelt und brüllend fragt, ob er seinen Namen in den Feuerkelch geworfen habe.

Für mich ist diese Szene bezeichnend: Kopfkino-Dumbledore ist die Ruhe selbst – Schauspieler-Dumbledore dagegen hat sogar zugegeben, die Bücher nie gelesen zu haben. Das erklärt natürlich einiges.

Beispiel 3: Benedict Cumberbatch – Sherlock Holmes

Asche auf mein Haupt: Sherlock Holmes konnte mich als literarische Figur früher absolut nicht begeistern. Ich fand die Geschichten, die ich damals in der Bibliothek ausgeliehen hatte, langweilig und brach nach nur kurzer Zeit ab.

Das änderte sich schlagartig, als iTunes mir im Rahmen der früher üblichen „12 Tage – 12 Geschenke“-Aktion kurz nach Weihnachten 2013 die erste Folge von „Sherlock“ schenkte. Bis dahin war mir zwar ab und an geraten worden, die BBC-Adaption zu sehen, aber wie gesagt: Holmes war irgendwie in meinem Kopf langweilig.

Mittlerweile bin ich „Sherlock“ Fan, fiebere auf das (hoffentlich) diesjährige Christmas-Special hin und natürlich habe ich auch das ein oder andere Buch gelesen – sowohl von Sir Arthur Conan Dolye als auch von anderen Autoren. Lustig ist, dass Benedict Cumberbatch für mich überall den Holmes mimt. Und das, obwohl die Geschichten nicht immer unbedingt den gleichen Ton anschlagen, wie die BBC-Serie. Er ist übrigens auch der einzige Schauspieler, der es von der „Leinwand“ ins Kopfkino geschafft hat.

 

Wie steht Ihr denn dazu? Seid Ihr bei Buchadaptionen auch Kopfkino-Zwillingen begegnet, so wie ich?

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2 Gedanken zu “Montagsfrage: Buchverfilmung vs. Kopfkino

  1. Huhu 🙂
    Ich trenne das aber auch immer ganz streng. Ein Film kann niemals mit einem Buch verglichen werden und andersherum. Das sind zwei getrennte Medien und in einem Buch sind Dinge möglich, die im Film nicht funktionieren und deswegen verändert werden müssen. Nehmen wir Harry Potter als Beispiel, niemand hat Lust 6 Filme zu sehen, wo immer 3 Quidditchspiele stattfinden. Das funktioniert nur im Buch.
    Deswegen finde ich es immer Quatsch, wenn sich da zu sehe gestritten wird. Außer es geht um die Umsetzung Harry-Ginny. Das wurde im Film versaut. 😄
    Liebe Grüße
    Jule

    • Huhu 🙂

      Ach, ich hätte auch nix gegen drei Quidditchspiele gehabt, aber wir Super-Nerds sind leider nicht der Maßstab 😉 Und ja, Harry und Ginny… das ist ein Thema für sich.

      Liebe Grüße zurück,
      Sarah

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