Rezension: „Die Entdeckung des Higgs-Teilchens“ (Harald Lesch, Hrsg.)

Wie Ihr ja mittlerweile wisst, bin ich ein Allesleser – ich mag es, von Genre zu Genre zu springen und aktuell habe ich da mal wieder den größtmöglichen Kontrast gewählt: Auf meinem Kindle lese ich zur Zeit eine Fantasy-Trilogie (die sehr spannend ist – mehr dazu bald) und gedruckt hat mich zuletzt ein Buch aus der Kategorie populärwissenschaftlicher Literatur begleitet.

Ich mag zwar Physik in der 10. abgewählt haben, mein Interesse an dieser wunderbaren Wissenschaft ist jedoch ungebrochen. Als ich im Bloggerportal auf „Die Entdeckung des Higgs-Teilchens“ aus dem btb Verlag stieß, war die Entscheidung nicht schwer, mich endlich mal intensiver mit diesem „goddamn particle“ zu beschäftigen.

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(Foto: Privat)

Inhalt:

„Goddamn particle“ sollte eigentlich in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung stehen, weil das Higgs-Teilchen so verflucht schwer nachzuweisen ist. Dem Lektor gefiel die drastische Sprache nicht, es wurde kurzerhand das „damn“ (dt. „verdammt“) gestrichen und die Marketingleute klatschten in die Hände: Das „Gottesteilchen“ war geboren.

Als erstes wird diese pressetaugliche Sprache im Buch kritisch beleuchtet. Im Anschluss werden dann möglichst laienverständlich die verschiedenen Elementarteilchen erklärt. Diese Erklärung geht dabei weit über die in der Schule vermittelten Einteilung von Protonen und Neutronen im Atomkern und den „herumschwirrenden“ Elektronen hinaus.

Schließlich geht es um den LHC – den Large Hadron Collider (dt. „großer Hadronen-Speicherring“), in dem tief in der Erde in der Grenzregion von Frankreich und der Schweiz physikalische Grundlagenforschung betrieben wird. Es werden die Teilchendetektoren erläutert und gezeigt, welch riesiger Aufwand notwendig ist, um die kleinsten Bausteine der Welt nachzuweisen.

Nun, da das Higgs-Teilchen – im Jahr 2012 – gefunden wurde, stelt sich natürlich auch die Frage, wohin die Reise nun gehen soll, und ob die Arbeit am LHC damit beendet sei. Im letzten Teil des Buches geht es genau um diesen Punkt und es wird gezeigt, dass zwar eine wichtige Erkenntnis gewonnen wurde – der LHC aber noch viele weitere Erkenntnisse bereithalten kann.

Harald Lesch ist Professor für Astrophysik und Moderator des ZDF-Magazins »Abenteuer Forschung «. Zusammen mit seinen Studenten hat er dieses Buch geschrieben, um Laien einen Einblick in die wichtige und faszinierende Arbeit der Grundlagenforschung in der Physik zu geben.

Mein Eindruck:

Wie gesagt, ich hatte Physik in der 10. Klasse abgewählt und nur Chemie mit in die Oberstufe genommen. Mein Wissen um physikalische Vorgänge habe ich danach nur sporadisch mit mehr oder weniger populärwissenschaftlichen Artikeln in Zeitschriften aufgefrischt. So intensiv wie bei diesem Buch habe ich mich aber schon lange nicht mehr mit einem physikalischen Thema auseinandergesetzt, weshalb ich besonders gespannt war, wie verständlich die einzelnen Kapitel für mich sein würden.

Das Buch begann zunächst – wie oben beschrieben – mit einer Erläuterung des Spannungsfeldes zwischen naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung und dem Interesse bzw. den Erklärversuchen der Medienwelt. Selbst aus letzterem Fachgebiet kommend, war es sehr interessant zu lesen, wie schwierig es für die Physiker des LHC ist, dessen Funktionsweise und die durch ihn gewonnenen Erkenntnisse korrekt über die Medien zu vermitteln. Letztlich entstand das Buch vor diesem Hintergrund, denn es ist eindeutig für Laien geschrieben. Dennoch hätte man diesen Teil des Buches zugunsten späterer Erläuterungen etwas kürzer fassen können.

Wie der LHC arbeitet und welche Teilchen dort untersucht werden – neben dem berühmten Higgs-Teilchen – wird sehr anschaulich und interessant erläutert. Verschiedene Grafiken unterstützen die Erklärungen und auch die verschiedenen Abkürzungen und Symbole der Physik werden immer kurz erklärt.

Schon aus dem Chemieunterricht in der Oberstufe wusste ich, dass die ganzen schönen Kugelmodelle von irgendwelchen Teilchen letztlich nur grobe Platzhalter für etwas viel Komplexeres sind. Der Sprung von „Proton, Neutron, Elektron“ hin zu Leptonen, Quarks und Eichbosonen – um nur die Kategorien einer Vielzahl an mir bis dato unbekannten Teilchen zu nennen – ähnelte ebenfalls dem aus dem Chemieunterricht. Damals führte der Wechsel vom bohrschen Atommodell (das mit den Schalen) zum Orbitalmodell (das mit den Aufenthaltswahrscheinlichkeiten der Elektronen) bei mir auch zu einigen Fragezeichen im Kopf.

Wie auch damals in Chemie ging es mir beim Lesen des Buches aber so, dass ich im Laufe der Erklärungen mehr und mehr Verständnis für die Zusammenhänge entwickelte. Hier heißt es also: Durchalten! Ob die am Ende dann doch noch verbleibenden Fragezeichen auf die Erklärungen im Buch oder mein mangelndes Vorstellungsvermögen, was die „goddamn particles“ anbelangt, zurückzuführen ist, kann ich nicht genau sagen.

Insgesamt schwanken die Erklärungen zwischen dem Wissensniveau, das man aus Schulzeiten kennt – was beim Lesen dann vielleicht ein wenig langweilig wirkt – und einem Wissensniveau, das man sonst weder im Fernsehen noch in gängigen Zeitschriften antrifft (Fachzeitschriften ausgenommen). Hier muss man manche Sätze vielleicht mehrfach lesen und zurück zu dem ein oder anderen Schaubild springen – letztlich lohnt es sich aber, da man ein völlig neues Verständnis für die Zusammenhänge in unserer Welt zumindest ansatzweise erlangen kann.

Das Buch ist letztlich ähnlich einer wissenschaftlichen Arbeit aufgebaut und dementsprechend endet es auch mit einem Ausblick auf weitere Forschungstätigkeiten, die nach dem Nachweis des Higgs-Teilchens notwendig ist, um unser Universum besser zu verstehen. Auch hier gelingt der Spagat zwischen für den Laien verständlichen Worten und dem Vermitteln komplexer Inhalte.

Fazit:

In meinem Fall war ich vor der Lektüre des Buches am Higgs-Teilchen interessiert, weil ich nie so recht verstanden habe, was es genau damit auf sich hat. Nachdem ich „Die Entdeckung des Higgs-Teilchens“ gelesen habe, bin ich völlig fasziniert von dem, was die moderne Physik zu entdecken vermag und mein Interesse an bisheriger und zukünftiger Forschungsarbeit ist zusätzlich gewachsen.

Wer ein paar Grundkenntnisse für Physik aus der Schule noch mitbringt und sich für das Higgs und andere Teilchen ebenso interessiert, wie für die Arbeit am LHC ist mit diesem Buch gut beraten.

4 von 5 Sternen.

Weiteres zum Buch:

  • Preis: 9,99€
  • Taschenbuch: 176 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (15. Juni 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442749689
  • ISBN-13: 978-3442749683

In der Reading Challenge 2015 zähle ich dieses Buch als A nonfiction book.

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6 Gedanken zu “Rezension: „Die Entdeckung des Higgs-Teilchens“ (Harald Lesch, Hrsg.)

  1. Guten Morgen,

    schön das dir das Buch gefallen hat, aber ich denke, ich bleibe bei den Dokumentarfilmen. Zum lesen würde mir das wohl zu trocken sein. Und mit all den Fremdwörtern, ich nehme an das es die a Mass darin zu finden sind, auch viel zu mühsam zu lesen.Und so macht es dann einfach keinen Spass wenn man ständig stockt.

    Aber ich liebe es solche Dokus zu gucken, ich find es einfach mega spannend 😉

    Liebe Grüsse
    Alexandra

    • Hallo Alexandra 🙂

      Ja, diese Dokus liebe ich auch! Da die aber meist zur Unzeit laufen (also für mich als Frühaufsteher), war ich begeistert, das Buch entdeckt zu haben. Und größtenteils bin ich ja auch ohne große Fragezeichen durchgekommen, von daher passt das schon. Dokus haben aber den Vorteil, dass sich die Schemata bewegen und man nicht selbst rätseln muss, wie das nun funktioniert was da aufgemalt ist ^^

      Liebe Grüße und viel Spaß noch beim Lesen UND bei Dokus 😉

      Sarah

      • Guten Morgen Sarah,

        stimmt, manchmal kommen die echt spät. Aber auf N24 und nTV, kommen die meist ja auch schon ab 20 Uhr 😉 Aber ich kann dich verstehen, ein Buch zu lesen mit einem Thema das einen so neugierig macht ist doch toll. Es geht nicht mal ums nicht verstehen der Fremdwörter, sondern ums lesen. Da ich Legasthenikerin bin, ist lesen für mich sonst schon anstrengend, aber dann noch lesen von solch Literatur… uff.

        Danke danke, das wünsch ich dir auch und einen tollen Tag
        Alexandra

      • Guten Morgen 🙂

        Stimmt – die Sender gehören bei mir auch noch zu dem sortierten Teil des Fernsehprogramms (ich hab ca. 20 Sender sortiert und der Rest ist Schrott ^^). Die Primetime ist für mich aber letztlich so die Zeit, in der ich mein Buch „anschalte“, von daher… 😉

        Wie das Lesen mit Legasthenie sein muss, kann ich mir schwer vorstellen – da muss so ein Thema ja richtig heftig sein. Da freue ich mich jetzt glatt umso mehr, dass Du hier liest und kommentierst 🙂 Nach der aktuellen Fachbuch-Rezension kommen übrigens Fantasy-Bücher zur Sprache (wenn ich denn mal wach genug werde, um die Rezensionen zu schreiben…) – das ist dann vielleicht mehr was für Dich? Ich merk schon, ich muss mir Dein Blog nochmal genauer ansehen – ich kann mir Namen/Profilbilder herrlich schlecht merken und tappe deshalb immer ein wenig im Dunkeln xD

        Aber erstmal Kaffee und Aufwachen 😉

        Liebe Grüße
        Sarah

      • Wem sagst du das! Ich glaube, ich hab nicht mal 20 YSender die ich gucken, zu den beiden genannten kommen noch ORF, Arte und 3Sat. Manchal noch DMX das wars. Gut hab ich netflix. *lach* Und gut gibts DVD. TV ist echt zum davon rennen.

        Wenn du etwas mehr wissen willst, aber wirklich nur dann, darfst du bei mir im Blog „über mich“ etwas stöbern 😉 Da hab ich einen Artikel zu geschrieben und ein neues Interwiev mit mir verlinkt zu dem Thema.

        Nur kein Stress, ich lese auch so hier gerne weiter! Aber nur kein stress, man muss mich nicht kennen nur weil ich wo kommentiere 😉

        Also dann, lass dir den Kaffe schmecken und bis bald
        Alexandra

  2. Pingback: Sparstrumpfchallenge #4 – und diesmal bin ich auch dabei | Studierenichtdeinleben

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