Rezension: „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Mattias Boström)

Die Vorweihnachtszeit ist kein guter Zeitpunkt, um krank zu werden. Leider ist mir genau das passiert – zum Glück jedoch sind Bücher gute Begleiter, wenn man versucht gesund zu werden. Beinahe erschreckend pünktlich zum Beginn meiner Krankphase erschien „Von Mr. Holmes zu Sherlock von Mattias Boström und ich möchte mich beim Bloggerportal und dem Verlag bedanken, dass es so schnell bei mir ankam. Gerade beim Hinfiebern (und richtigen fiebern…) auf das Special der BBC-Serie „Sherlock“ war das Buch natürlich ideal.

IMG_5793 (Medium)

(Foto: Privat)

Inhalt:

Die Figur des Sherlock Holmes ist seit über 125 Jahren bekannt und immer wieder begeistert sich eine neue Generation für die Geschichten des genialen Meisterdetektivs, der scheinbar nur einen Blick auf jemanden werfen muss, um ihn genau zu durchschauen. Doch was macht diese Figur so besonders? Wieso funktionieren die Geschichten sowohl als Buch – von Sir Arthur Conan Doyle und mittlerweile unzähligen anderen – als auch im Radio, Kino und Fernsehen? Wieso ist ein junger Sherlock Holmes im 21. Jahrhundert ebenso faszinierend wie die Version des pensionierten Holmes, die im vergangenen Jahr ins Kino kam?

Mattias Boström beleuchtet in einer Mischung aus Biographie, Tatsachenroman und Fananalyse den Werdegang des wohl berühmtesten Ermittlers in der Literatur und beginnt dabei ganz am Anfang: Mit der Inspiration, die seinen Erfinder zu einer Berühmtheit machen sollte. Er geht in seiner Erzählung auf verschiedene Punkte im Leben des Autors – und danach – ein. Freunde und Verwandte, Berater und Weggefährten, aber auch Schwierigkeiten, mit denen er und seine Nachkommen umzugehen hatten werden wie ein Puzzle zusammengesetzt, so dass sich nach und nach ein Bild ergibt und deutlich wird wie komplex die Geschichte des Sherlock Holmes – und seines Erschaffers – ist.

Mein Eindruck:

Ich persönlich bin durch die BBC Serie zum Sherlock Holmes Fan geworden, erst seit dem interessiere ich mich für den Meisterdetektiv. Alle Geschichten habe ich noch nicht gelesen, hatte aber dennoch gehofft, dass ich von der Informationsfülle des Buches nicht erschlagen würde. Meine Befürchtungen, das Buch könne eigentlich nur etwas für eingefleischte Fans sein, haben sich zum Glück nicht bestätigt. Vielmehr kann man durch dieses Buch sogar zum Holmes-Fan werden, denn mit viel Liebe zum Detail erzählt Boström, was den Detektiv so berühmt machte und wie Sir Arthur Conan Doyle mit seiner überlebensgroßen Figur umging.

Gleich zu Beginn merkt man, dass man kein gewöhnliches Sachbuch – eine Biografie oder eine populärwissenschaftliche Analyse – vorliegen hat, sondern, dass es sich in der Tat um eine Erzählung handelt. Das Buch liest sich dabei sehr spannend, denn er baut auch dramatische Handlungsbögen und – für den unbedarften Leser – unerwartete Wendungen ein. Die historisch verbrieften Fakten schmückt Mattias Boström mit Gefühlsregungen, atmosphärischen Beschreibungen und humorvollen Anekdoten aus. Nie hatte ich dabei jedoch das Gefühl, dass er von etwas falsch oder zu verzerrt berichtet. Im Gegenteil: Seine Ausführungen lassen die historischen Figuren ebenso lebendig wirken wie die literarischen. Sowieso ist das Buch ein Schatz für jeden Buchliebhaber: Es kommen darin so viele berühmte Autoren vor, dass man – neben den Sherlock Holmes Geschichten – genug Leseanregungen für mehrere Monate bekommt. Ganz besonders begeistert war ich, als plötzlich die Rede von Christopher Morley war, dem wir unter anderem „Das Haus der vergessenen Bücher“ verdanken.

Besonders interessant fand ich auch, wie Mattias Boström auf die Gegebenheiten der jeweiligen Zeit eingeht: Politische Strömungen, Entwicklungen zwischen den verschiedenen Ländern und nicht zuletzt der Werdegang des Urheberrechts haben die Geschichte von Sherlock Holmes maßgeblich beeinflusst und Sir Arthur Conan Doyle und seine Erben auch finanziell gelenkt. Zudem: Nichts wäre schlimmer, als die einseitig bejubelnden Ausführungen eines Fans, der keinerlei Kritik üben kann. Umso erfreulicher ist, dass dies in diesem Buch nicht der Fall ist: Selbst die prestigeträchtige Sherlock Holmes Gesellschaft „Baker Street Irregulars“, deren Mitglied Boström ist, kommt nicht immer gut weg.

Mein Eindruck:

Dieses Buch ist nicht nur ein Schatz für jeden Holmes-Fan, sondern auch für jeden der sich für allerlei Hintergrundinformationen und frühere Autoren begeistern kann. So wie Holmes eine beliebte Figur ist, kann man in diesem Buch seinen literarischen Idolen begegnen, als wären sie selbst zu Buchfiguren geworden. Allen voran ist Sir Arthur Conan Doyle natürlich ein wichtiger Charakter – ebenso wie die Illustratoren und Verleger und Schauspieler, die Holmes‘ Geschichte stark beeinflussten – und dennoch ist und bleibt eines eindeutig: Sherlock Holmes, der nie gelebt hat und doch unsterblich ist, ist und bleibt die wahre Hauptfigur.

5 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch:

  • Preis: 14,99 € (Print)
  • Taschenbuch: 608 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (14. Dezember 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442713366
  • ISBN-13: 978-3442713363
  • Originaltitel: Från Holmes till Sherlock

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Rezension: „Von Mr. Holmes zu Sherlock“ (Mattias Boström)

  1. Huhu 🙂
    Ich schaue Sherlock Holmes gerne, aber ich würde mich jetzt nicht als riesigen Fan bezeichnen xD deine Rezension gefällt mir sehr gut, obwohl mich am meisten überraschte wie dick das Buch ist. Du hattest e so schnell gelesen, dass ich damit gar nicht gerechnet hatte ;!
    Liebe Grüße
    Jule

    • Hi Jule,

      das kann ich leicht erklären: Krankheit und super Schreibweise des Autors – ergeben kurze Lesezeit 😉 Sonst wäre ich sicher jetzt noch nicht fertig, denn 20 min Lesezeit in einer überfüllten Straßenbahn sind… sportlich für längere Lektüre.

      Liebe Grüße
      Sarah

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