Rezension: „The Danish Girl / Das dänische Mädchen“ (David Ebershoff)

Dieses Buch habe ich zugegebenermaßen schon vor einer ganzen Weile gelesen, aber bisher haben mir immer die richtigen Worte gefehlt, um es zu beschreiben. Ich hoffe, dass dieser Versuch, es zu rezensieren, nun endlich glückt.

Vielen Dank an das Bloggerportal der Randomhouse Verlagsgruppe, die mir das deutsche Exemplar zur Verfügung stellte. Zudem hatte ich mir die englische Version für unterwegs auf den Kindle geholt.

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Inhalt

Nach einer wahren Begebenheit: Einar Wegener ist ein dänischer Maler – und erfolgreich. Seine Bilder zeigen häufig nur die Landschaft Dänemarks und obwohl sie immer recht ähnlich aussehen, werden sie doch sehr gelobt. Die Portraits die seine Frau Greta (die in der Realität Gerda hieß) malt, sind dagegen zwar nicht schlecht, sie werden jedoch auch nicht besonders mit Aufmerksamkeit bedacht. Alles ändert sich, als Greta Einar bittet, für die Fertigstellung eines Portraits das Kleid ihrer Klientin anzuziehen. Einar stellt fest, dass diese Kleidung ihm außergewöhnlich gut gefällt und immer öfter möchte er als Lili in Erscheinung treten. Greta und Einar müssen, je öfter Lili in Erscheinung tritt, lernen und entscheiden, welchen Stellenwert sie in ihrem Leben einnehmen soll. Und auch, was das für ihre Liebe und ihre Ehe bedeutet.

Mein Eindruck:

David Ebershoff schreibt wie manch ein Maler seine Bilder gestaltet: Mit ruhiger, feiner und doch immer treffender Sprache beschreibt er Szenen und Gedanken die mit anderen Worten plump oder unglaubwürdig erscheinen könnten. Er verwebt Gretas Vergangenheit mit Lilis Gegenwart, lässt die Gefühlswelt von Einar und Lili verschmelzen und zeigt auch schonungslos was für Kleingeister die Ärzte waren, bei denen Einar und Lili Hilfe für ihre Situation ersuchten.

Die Personen Einar und Lili sind dabei nie genau zu trennen und doch sind sie grundverschieden. Auch hier wird die Sensibilität mit der Ebershoff an die komplexe Thematik der Geschichte herangegangen ist, deutlich. Er ergreift nie Partei und lässt dies auch für den Leser nicht zu: Lili existiert ebenso wie Einar existiert und auch wenn sich ihre Wege schlussendlich trennen, sind es doch beides Persönlichkeiten, denen man mit Respekt entgegen tritt.

Das komplexe Thema der Intersexualität wird hier nicht auf verallgemeinernde Weise dargestellt. In meinen Augen kann man das auch nicht, denn vermutlich ist jeder diesbezügliche Lebensweg genauso einzigartig wie Lili Elbe dargestellt wird. Es geht im Buch weniger darum, welche Möglichkeiten bei der Geschlechtsumwandlung bestehen als vielmehr, welche Bedeutung die aidentifikation mit einem anderen Geschlecht für das ganz persönliche Leben haben kann.

Lili Elbes Leben erscheint durch das Buch sowohl faszinierend als auch tragisch und ich habe mehrfach gehofft, dass einiges an Tragik einfach nur hinzugedichtet wurde und ihr wirkliches Leben leichter war. Schließlich sind auch einige Beschreibungen über Dresden, wo sie sich einige Zeit aufhielt und schließlich auch starb, nicht ganz korrekt.

Fazit:

„The Danish Girl / Das dänische Mädchen“ ist ein Roman voller Poesie und nachdenklich stimmender aber stets lebensbejahender Momente. Besonders berührt haben mich ihre Aufenthalte in Dresden und ihre Verbindung zu Greta.

Jetzt im Frühling soll ihr Grabstein neu eingeweiht werden und ich glaube, Lili Elbe verdient einen Besuch – damit ihr wahres Leben nicht neben dem Buch oder dem Film in Vergessenheit gerät.

4 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch: 

  • Preis (TB): 9,99 €
  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag (21. Dezember 2015)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442472792
  • ISBN-13: 978-3442472796
  • Originaltitel: The Danish Girl
  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 2032 KB
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe: 358 Seiten

 

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6 Gedanken zu “Rezension: „The Danish Girl / Das dänische Mädchen“ (David Ebershoff)

  1. Hallöchen 🙂
    sehr schöne Rezension – mich guckt das Buch ständig böse aus dem Bücherregal an. Aber du hast unsere gemeinsame Lesereise in diesem Jahr ja schon völlig in der Hand. 😄
    Liebste Grüße
    Jule ❤

  2. Mir ging es damals wie dir. Bei mir hat es etliche Wochen gedauert, bis ich einen Beitrag schreiben konnte und selbst dann wurde nur Halbgares daraus. Es ist einfach schwer zu beschreiben, wie unglaublich feinfühlig, atmosphärisch und berührend David Ebershoff schreibt und wie intensiv man in die Gedanken und Empfindungen der Charaktere hineingezogen wird. Ein wirklich besonderes Buch über einen besonderen Menschen.

  3. Schön poetisch geschrieben 🙂 Ich habe im Hygiene-Museum einen ARtikel dazu gelesen und ich fand es gut, dass es nur ein Ausstellungsstück von vielen war. Es war ein Teil der ganzen, großen Vielfalt, die Menschen haben können!

  4. Pingback: Welttag des Buches – gemeinsam lesen | Studierenichtdeinleben

  5. Tolle Rezension 🙂 Ich habe zwar nur den Film gesehen, aber wenn ich mir überlege den in Worte zu fassen wäre mir nicht mal das möglich. Wenn ich dannn noch dran denke, dass das Buch eigentlich so gut wie immer besser ist als der Film, dann Hut ab, dass du das in Worte fassen konntest:)

    • Vielen Dank für den lieben Kommentar – den ich dank einiger technischer Schwierigkeiten erst jetzt gesehen habe. Ja, das Leseerlebnis in Worte zu fassen war nicht einfach und ich bin froh, dass es nur die gedanklichen Bilder waren, die ich beschreiben musste. Wenn dann auch noch die Leistung der Schauspieler dazu kommt (Eddie ist einfach begnadet…), dann wird es wirklich kompliziert…

      Liebe Grüße

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