Rezension: „On Murder Considered as One of the Fine Arts“ (Thomas De Quincey)

Vor einiger Zeit entdeckte ich auf Instagram die „Penguin Little Black Classics“, eine Reihe dünner – und, wie der Name schon sagt, schwarzer – Taschenbücher. Insgesamt waren es ursprünglich 80, die anlässlich des 80. Jubiläums des Penguin Books Verlages veröffentlicht wurden. Mittlerweile gibt es schon wesentlich mehr als diese 80. Ziel war es, Klassiker erschwinglich in kleinem Format zu veröffentlichen.

Schon vorab kann ich sagen, dass die handlichen Büchlein eine schöne Möglichkeit darstellen sich an berühmte Autoren heranzuwagen und auch vermeintlich schwerer lesbaren Werken eine Chance zu geben. Für um und bei 3,50€ pro Buch kann man wahrlich kaum etwas falsch machen. (Preis bei Bookdepository) Eine komplette Liste der Klassiker findet Ihr hier. In den nächsten Wochen und Monaten möchte ich immer mal wieder eines dieser Büchlein vorstellen.

IMG_5780 (Medium)

(Foto: Privat)

Inhalt

Was wäre, wenn man Mord nicht grundsätzlich als etwas Schlechtes betrachtet, sondern – wenn er einmal geschehen ist und das Opfer nicht gerettet werden konnte – die Ausführung kritisch bewertet? Genau diesem Gedankengang folgt Thomas De Quincey in seinem Essay. Mord an sich ist natürlich etwas Verwerfliches, dennoch könnte man Morde entsprechend ihrer Ausführung kategorisieren. Morde, die besonders einfallsreich oder interessant umgesetzt sind, würden folglich besser bewertet als solche, die stümperhaft umgesetzt wurden.

Mein Eindruck:

Zunächst zum Format.

Mir gefallen die „Little Black Classics“ ausgesprochen gut. Sie erinnern ein wenig an Reclam-Hefte, auch wenn sie nicht dir gleichen Abmessungen haben und definitiv dünner sind. Trotz des niedrigen Preises ist das Papier – für mich als Laien – qualitativ ähnlich dem eines englischen Taschenbuchs. Nichts Besonderes, aber es geht ja auch um den Inhalt. Ich finde es gut, dass man hier kurze Texte bekannter – oder vielleicht auch weniger bekannter – Autoren findet und sie für sich ohne großes „Investitionsrisiko“kennenlernen kann. Auch die Überhöhung berühmter Schriften ist es vielleicht, was viele doch von früheren Schriftstellern abhält. Die „Little Black Classics“ ermöglichen es, für kleines Geld die Schreibweise eines Autors kennenzulernen. Wer jetzt sagt, man könne das auch gratis über eBooks tun, da das Urheberrecht verstrichen ist, hat sicher recht – jedoch bevorzugt man ja doch manchmal das gedruckte Buch. Und eine kleine Sammlung dieser schwarzen Büchlein sieht definitiv hübsch im Regal aus.

Nun zu De Quinceys Text.

Ich habe mich hier im Blog vermutlich schon mehrmals als Fan britischen Humors geoutet – und mache dies hiermit gerne noch einmal. So kurz der Text auch ist – bei einem Format 11 x 16 cm sind auch knappe 55 Seiten nicht lang – gibt es doch kaum einen Absatz der nicht mit herrlich sarkastischen Formulierungen, dem typischen Understatement und natürlich vielen absurden Überlegungen daher kommt. Beispielsweise musste ich lachen, als De Quincey beschreibt, welche bekannten Persönlichkeiten – insbesondere die Philosophen – es zu einem guten Mordopfer gebracht haben, bzw. welche diese Form der „Adelung“ nie erreicht haben. Beinahe enttäuscht berichtet er, dass John Locke zwar ein herausragender Philosoph war, sich jedoch niemand in seinen 72 Lebensjahren die Mühe machte, sein Leben zu beenden. Auch eine gehörige Portion Gesellschaftskritik ist in seinem Essay zu finden, die dem Text noch heute eine erstaunliche Aktualität gibt.

Zugegeben, an mancher Stelle musste ich überlegen oder nachschlagen, was De Quincey mit seinen ab und an doch sehr verschachtelten Sätzen sagen möchte, insgesamt fand ich „On Murder…“ jedoch sehr zugänglich. Und beim Nachschlagen eines manchen – mittlerweile nicht mehr geläufigen – Namens bestimmter Persönlichkeiten lernt man ja doch auch dazu.

Fazit:

De Quinceys Text fand ich sehr unterhaltsam – nicht zuletzt dadurch, weil die Thematik trotz des makabren Gefhühls dabei sehr logisch und analytisch dargelegt wurde. Da ich vermute, dass es noch weitere solcher Textperlen bei den vielen Little Black Classics gibt, wird „On Murder…“ sicher nicht der einzige Teil der Reihe in meinem Regal bleiben.

5 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch:

  • Preis: Schwankt zwischen 3 € und 4 €, je nach Portal
  • Taschenbuch: 66 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform (8. Februar 2014)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 1495478416
  • ISBN-13: 978-1495478413

 

In der Reading Challenge 2015 habe ich dieses Buch in die Kategorie A book more than 100 years old einsortiert.

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