Rezension: „Becks letzter Sommer“ (Benedict Wells)

Die Rezensionen zu Büchern, die in mir noch lange nachhallen, sind für mich immer die schwierigsten, da ich stets das Gefühl habe, die wirklich passenden Formulierungen nicht zu finden. Seht mir also die vielleicht weniger geglückten Formulierungen nach und lasst Euch dennoch vom Buch überzeugen – es ist schließlich eines von Benedict Wells.

Gekauft habe ich es mir auf der Leipziger Buchmesse vergangenen März und ich habe es mir – wie auch die anderen zwei, die ich zu dem Zeitpunkt schon hatte – direkt von Benedict signieren lassen. Eigentlich heißt es ja, dass man nie auf seine Idole treffen soll, weil man nur enttäuscht sein könne. In diesem Fall hat sich das definitiv nicht bewahrheitet. Lieber Diogenes Verlag – vielen Dank für die Entdeckung dieses sympathischen Autors und für die Geduld am Stand!

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(Foto: Privat)

Inhalt:

Robert Beck wollte eigentlich Musiker werden. Sein strenger Vater, seine Selbstzweifel und das üble Mitspielen eines ehemaligen Bandkollegen haben diesen Karriereweg jedoch immer wieder gestört und nun ist er ein unzufriedener Lehrer an der Schule, an der schon sein Vater unterrichtete und sein Liebesleben ist ebenfalls im Eimer. Durch Zufall entdeckt er in seiner Klasse ein wahres Musiktalent – den Litauer Rauli Kantas – und hofft, dass dies sein Ticket zurück in die Musik sein könnte. Er wird Manager des Jungen – ohne zu ahnen, dass ihm ein verrückter Road Trip nach Istanbul, wilde Verfolgungsjagden und noch einige Geheimnisse bevorstehen.

Mein Eindruck:

Was ist uns wirklich wichtig im Leben? Diese Frage stellt den roten Faden des Buches dar und obwohl es eine sehr philosophische – und sehr persönliche – Frage ist, geht bei all dem Ernst doch nie der Humor in der Geschichte verloren. Es geht um Träume, deren Verwirklichung und wie Träume zu unseren späteren Erinnerungen werden – oder auch nicht. Es geht aber auch darum, welche Menschen uns wirklich wichtig sind und darum, dass wir für manche Menschen einfach alles tun würden. Für manche, würden wir sogar einen verrückten Roadtrip bis nach Istanbul machen.

Wenn ich eine Figur aus diesem Buch wählen müsste, mit der ich so einen Trip machen würde, würde meine Wahl wohl auf Charlie fallen – der ja auch Beck erst zu dem Trip anstiftet. Charlies philosophische Momente, die so ganz ohne Kitsch und Pathos auskommen und vielmehr völlig absurd oder abgedreht wirken, enthalten so viel, das zum Nachdenken anregt, dass ich mich gerne länger mit ihm unterhalten würde. Einen ganzen Roadtrip lang. Charlie hat etwas kindliches an sich, während Rauli – der Teenager – im Vergleich mehr wie ein abgebrühter Erwachsener wirkt. Sie zeigen stets den Kontrast zwischen wahrer und zweckmäßiger Freundschaft, zwischen Loyalität und auch Verrat. Gerade Erzählelemente wie diese machen das Buch so faszinierend.

Ein weiterer – für mich genialer – Kniff ist das Durchbrechen der vierten Wand. (Für diejenigen, denen das nichts sagt: Die vierte Wand bezieht sich auf die imaginäre Wand zwischen Bühne und Publikum, die normalerweise nicht durchbrochen wird, um die Illusion des jeweiligen Werkes nicht zu zerstören.) Erzählbrüche wie diese wirken beim Lesen gar nicht wie ein Bruch, sondern erschienen mir äußerst harmonisch und erschufen diese ganz besondere Sogwirkung, die gute Bücher haben.

Fazit:

Ob nun die Freundschaft zu Charlie, Becks Probleme in der Liebe, die vielschichtige Figur von Rauli, Beck selbst oder all die anderen Personen – jeden Charakter lässt Benedict Wells unheimlich real wirken und so fällt es umso schwerer, am Ende des Buches aus dieser Welt wieder aufzutauchen.

Vom Veröffentlichungsdatum her ist „Becks letzter Sommer“ das Erstlingswerk („Spinner“ wurde vorher geschrieben aber später veröffentlicht) – für mich war es jedoch nicht der erste Roman von Benedict Wells, weshalb ich es nicht als „Erstling“ bewerten mag. Sein Stil ist sowohl von Buch zu Buch unterschiedlich als auch immer gleich und mir mittlerweile schon recht vertraut. Meinetwegen könnte es noch zig weitere Bücher von ihm geben.

5 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch:

  • Preis: 12 €
  • Broschiert: 464 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 9 (24. November 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257240228
  • ISBN-13: 978-3257240221
  • Das Buch wurde verfilmt und kam 2015 mit Christian Ulmen in der Hauptrolle in die Kinos.

 

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4 Gedanken zu “Rezension: „Becks letzter Sommer“ (Benedict Wells)

  1. Liebe Sarah,
    eine wunderschöne Rezension, die du da geschrieben hast. Jetzt fühle ich mich noch weniger in der Lage die richtigen Worte für das Buch z finden. 😀
    Liebe Grüße
    Jule

  2. Pingback: Welttag des Buches – gemeinsam lesen | Studierenichtdeinleben

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