Rezension: „Nur drei Worte“ (Becky Albertalli)

Die diesjährige Leipziger Buchmesse hat für mich auch ganz wunderbare Treffen mit Verlagen und anderen Bloggern bereitgehalten. Eines dieser Treffen war das Bloggertreffen des Carlsen Verlags. Uns wurden dort auch drei sehr spannend klingende Romane vorgestellt, aus denen wir uns am Ende eines aussuchen durften. Da „Nur drei Worte“ während des Events mit einer „schwulen und Harry Potter-verrückten Hauptfigur“ angepriesen wurde, war mir schnell klar, dass meine Wahl auf dieses Buch fallen würde. Vielen Dank, lieber Carlsen Verlag, für einen rundum gelungenen Vormittag, für schöne Begegnungen mit lieben Menschen und natürlich für das Buch und die Lesestunden.

Nur drei worte

(Foto: Privat)

Inhalt:

Simon und Blue besuchen die gleiche Schule, sind schüchtern und beide sind schwul – doch sie sind sich nie begegnet. Simon und Blue schreiben sich E-Mails und tauschen sich über alles Mögliche aus – Simon beginnt sogar, sich in Blue zu verlieben. Es wäre eine Katastrophe, wenn diese Mails in die falschen Hände gerieten. Doch genau das passiert und Simon muss nicht nur versuchen seinen Weg in all dem Chaos zu finden, sondern auch dafür sorgen, dass er Blue nicht verliert.

Mein Eindruck:

Homosexualität ist ein Thema das sich irgendwo zwischen Akzeptanz und Intoleranz bewegt und das vielleicht auch deshalb umso reizvoller für Autoren ist: Jeder scheint anders darauf zu reagieren. An Schulen – insbesondere an Schulen in den USA – entwickelt die sexuelle Orientierung durch die verschiedenen Cliquen und das Kräftemessen der Jugendlichen untereinander wohl eine noch speziellere Dynamik.

Simon verleugnet seine Homosexualität nicht – er hat sich jedoch bisher auch niemandem anvertraut und überlegt, wie sein „Coming out“ am besten ablaufen soll. Dadurch, dass seien Mails mit Blue in die falschen Hände geraten, droht ihm die Kontrolle über diesen Prozess zu entgleiten. Becky Abertally beschreibt die Fallstricke, die auf Simon warten, sehr glaubhaft – ebenso, wie die verschiedenen Denkmuster in Simons Umfeld in Bezug auf Homosexualität. Zwischen all die typischen kleinen Alltags-Dramen von Teenagern webt sie die größeren Dramen, die auf Simon zurollen.

Ich mochte den Schreibstil von Becky Albertalli sehr, da sie nicht nur viel Fingerspitzengefühl, sondern auch Humor in jede einzelne Szene einfließen lässt. Und ganz besonders haben mir natürlich die kleinen Anspielungen auf Harry Potter gefallen. Insgesmat mächte man Simon ab und zu einfach nur in den Arm nehmen und ihm gut zureden, genauso wie man so manch ein ernstes Wörtchen an so manch eine andere Figur richten möchte.

An einigen Stellen hätte ich aber auch gerne mit der Autorin direkt gesprochen, um sie darum zu bitten, diese Szenen nicht schon vorzeitig zu lösen oder bestimmte Konflikte auf diese Weise ins Leere laufen zu lassen. Ich hatte immer wieder das Gefühl, dass sie ihren Figuren nicht wirklich schaden möchte, sie nicht wirklich in die eigentlichen Fallen laufen lassen will – und Fallen hatte sie in der Geschichte viele aufgestellt. Die Dramen, die den Leser in einem Coming-of-Age Roman erwarten, wirkten allesamt leider recht verhalten. Auf diese Weise verspielt Albertalli die Chance, die wichtigen Säulen in Simons Leben wirklich herauszuarbeiten.

Fazit:

Trotz der verhaltenen Dramen im Buch habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt. Ich mochte sowohl Simon als auch Blue sehr und das beim Bloggertreffen versprochene dämliche Grinsen bekam ich tatsächlich nicht aus meinem Gesicht.

4 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch:

  • Preis: 16,99€
  • Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
  • Verlag: Carlsen (26. Februar 2016)
  • Sprache: Deutsch – übersetzt von Ingo Herzke
  • ISBN-10: 3551556091
  • ISBN-13: 978-3551556097
  • Vom Hersteller empfohlenes Alter: Ab 14 Jahren
  • Originaltitel: Simon vs. the Homo Sapiens Agenda

 

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