#Buchpassion: Mein Leben als Leseratte

Eigentlich wollte ich den Sonntag ganz gemütlich lesend auf dem Sofa verbringen – aber dann packte mich doch die Lust, einen Beitrag für die Aktion #Buchpassion von Kapri-ziös zu schreiben. Lesen ist, neben dem Tanzen, nunmal das Hobby, über das ich am liebsten quatsche – egal, ob online oder offline.

Angelehnt an die Fragen, die Janine auf ihrem Blog als Anregungen für Bekenntnisse zum Buch auflistet, möchte ich Euch mit auf eine kleine Reise durch die literarischen Momente meines Lebens nehmen. Und ich freue mich natürlich auch über Kommentare und darauf, mehr über Eure Leidenschaft zum Buch zu hören. Achtung: Der Beitrag ist irgendwie etwas länger geworden als geplant – ups 😉

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(Logo: Kapri-zioes.de)

Früh übt sich

Eine meiner frühesten Erinnerungen stammt noch aus der Zeit, als wir in München, meinem Geburtsort, gelebt haben. Es muss Herbst oder Winter gewesen sein, denn überall im Haus brannte Licht, aber ich durfte noch wach sein – und meine Eltern hatten langärmelige Kleidung an. Ich erinnere mich daran, wie ich meine Mutter nervte, weil ich wissen wollte, wie das geht, diese komischen Zeichen auf dem Papier zu entziffern. Meine Mutter ist nämlich eine Vielleserin und auch meine große Schwester las zu dem Zeitpunkt schon begeistert Bücher. Kurzum: Klein-Sarah, ca. viereinhalb Jahre alt, wollte nun endlich Lesen lernen. Meine Mutter schickte mich dann zu meinem Vater, damit er es mir erklärt. Letztlich war mit diesem „Ich möchte das auch können“-Genörgel meine Zukunft als Leseratte besiegelt.

Mein fünfter Geburtstag

Meinen fünften Geburtstag feierte ich in einem Hotel hier in Dresden, denn wir befanden uns mitten in der letzten Phase des Hausbaus und kamen immer wieder nach Dresden, um den Stand der Bauarbeiten zu überprüfen. Zum Geburtstag wurde mir ein Tisch im Hotel mit wunderbaren roten Seilen abgesperrt – ich fühlte mich wie eine Prinzessin! – und ich bekam einen Plüsch-Simba und ein Bussi Bär Lesebuch. Bis dahin hatte ich fleißig mit der Fibel meines Vaters geübt (leider erinnere ich mich nicht mehr an ihren Titel, nur daran, dass sie ein dunkelgrünes Cover hatte). Nun hatte ich neues Übungsmaterial und ich erinnere mich, dass ich immer und immer wieder mit meinen Eltern üben wollte.

Langeweile in der Schule

Mein Schuleintritt war für mich zwar aufregend, aber als ich erkannte, dass alle anderen Kinder noch keine Ahnung vom Lesen hatten, war ich zugegebenermaßen ziemlich genervt. „Mimi am Baum“ (Mimi war eine Maus aus unserer Fibel), „Oma am Haus“ und ähnliche Sätze riefen bei mir nur Langeweile hervor und die ersten Leseversuche meiner Klassenkameraden fand ich fürchterlich schlecht. Meine Lehrerin machte zudem den Fehler, mich als leuchtendes Beispiel hervorzuheben: Da ich nur Hochdeutsch gelernt hatte, konnte ich auch schwierigere Worte problemlos aussprechen, während meine sächsischen Mitschüler an dem Unterschied zwischen Kirche und Kirsche (beides auf Sächsisch: Kürsche) schier verzweifelten. Schnell hatte ich die Rolle des Sonderlings inne – und sollte sie auch noch eine ganze Weile behalten.

Eine Erinnerung über die ich heute herzlich lachen kann ist folgende: Im Deutschunterricht, die Klasse konnte bereits erste Sätze im Schneckentempo entziffern, sollte ich ein kleines Gedicht vorlesen. Ich weigerte mich. Nicht etwa, weil ich keine Lust hatte, oder das Gedicht nicht hätte lesen können – die Worte waren für mich eindeutig erkennbar. Aber ich wusste damals schon, dass man Gedichte „schön“ lesen musste (später erkannte ich, dass man das Betonung nennt) und ich wusste nicht, wie das gehen soll – denn das Gedicht hat sich nicht gereimt. Also schüttelte ich wehement den Kopf als ich es vorlesen sollte – was den glücklichen Nebeneffekt hatte, dass meine Mitschüler dachten, ich könne also gar nicht wirklich gut lesen. Ein wenig Rebellion schadet also nicht.

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(Foto: Pricat)

Enid Blyton

Zu meinen ersten „richtigen“ Büchern kam ich über die Verfilmung der Abenteuer-Reihe von Enid Blyton, die auf dem Kinderkanal (später: KiKa) ausgestrahlt wurde. Ich war sofort verliebt in den Kakadu Kiki und mein Vater brachte mir eines Tages „Der Fluss der Abenteuer“ mit. Ich glaube, ich habe ganze sechs Monate für das Buch gebraucht, aber ich habe es absolut geliebt – und den Rest der Reihe wesentlich schneller verschlungen. Auch andere Bücher von Enid Blyton habe ich mir dann in der Bibliothek ausgeliehen und mittlerweile versuche ich, die meisten davon gebraucht im Internet zu erstehen. Abenteuerromane fand ich wunderbar und erste kritische Züge bei der Lektüreauswahl kann man wohl daran erkennen, dass ich die Fünf Freunde-Reihe nicht mochte, da sie in meinen Augen der Abenteuer-Reihe zu ähnlich waren.

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(Foto: Privat)

Harry Potter und die Macht der Spoiler

Dass ich im Alter von neun Jahren die ersten beiden Bände der Harry Potter-Reihe zu Weihnachten bekam, habe ich auf diesem Blog schon öfter erzählt. Eine Geschichte ist Euch dagegen vielleicht weniger bekannt: Da die Reihe erst nach und nach auch bei meinen Mitschülern beliebt wurde (hauptsächlich durch die Filme), galt ich in dieser Hinsicht auch auf dem Gymnasium einige Zeit als Sonderling. Erst ab der achten Klasse waren alle vom Zauberlehrling begeistert. Mein großer Vorteil war jedoch, dass ich ab Band fünf alle neuen Geschichten direkt auf Englisch las, um bis zum Erscheinen der deutschen Übersetzung nicht Gefahr zu laufen, dass mir jemand die Handlung vorab verriet.

Als ich dann, kurz nach Erscheinen des sechsten Harry Potter-Bandes in der Pause wieder einmal von einer besonders gemeinen Schülerin gepiesackt wurde, hatte ich eine ebenso glorreiche wie auch gemeine Eingebung: Um mich zu wehren, verriet ich ihr kurzerhand, was am Ende von Band sechs passiert und welche Rolle Severus Snape in der Geschichte spielt. Das ist übrigens das erste und einzige Mal, dass ich jemanden bewusst gespoilert habe – die Ruhe, die ich danach auf dem Schulhof hatte, war es jedoch wert. Und es erklärt wohl auch, wieso ich letztendlich vom Sprechenden Hut auf Pottermore zu Slytherin zugeordnet wurde.

Von der Fantasy in neue Lesegefilde

Zwischen den einzelnen Potter-Büchern verschlang ich alles, was ich in die Finger bekommen konnte, wobei ich hauptsächlich Fantasy las. Oder Klassiker – denn im Gegensatz zu vielen meiner Mitschüler machte mir der Deutschunterricht mit dem Lektürekanon sehr viel Spaß. Nur wenige Ausnahmen waren dabei und ganz besonders Goethe und Schiller gehören auch jetzt noch zu meinen Favoriten.

Zeitgleich mit dem Ende meiner Schulzeit erkannte ich jedoch, dass viele Fantasy Geschichten sich sehr stark ähneln und irgendwie konnte mich keines mehr so richtig packen. Dazu kam noch der Potter-Blues, denn weitere Bücher sollte es ja nicht geben… Außerdem fehlte mir zunehmend der Austausch über die gelesenen Geschichten, den ich bisher im Deutschunterricht so genossen hatte. Ich begann, mich im Internet umzusehen und fand Plattformen wie LovelyBooks und Vorablesen.de – und langsam aber sicher führte mein Weg zum Bloggen.

Ein weiterer Vorteil dieser Plattformen bestand in den kostenfrei bereitgestellten Leseexemplaren, die mein sehr begrenztes studentisches Budget schonten und es gleichzeitig erlaubten, unbekannte Genres auszuprobieren. Ich wurde nun vollends zum Vielleser und zum Springer zwischen den Genres.

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(Foto: Pricat)

 

Lieblingsautoren

Wenn ich heute meine Lieblingsbücher aufzählen soll, wird es schwierig, denn so viele Bücher halten nicht nur die jeweilige Geschichte, sondern auch Erinnerungen an bestimmte Lebensabschnitte bereit. Bücher sind für mich Begleiter die, ähnlich wie Fotoalben, Gerüche oder bestimmte Gerichte, sofort ganz spezifische Gefühle und Gedanken in mir auslösen. Bücher bringen mich zum Nachdenken, lassen mich die Welt aus einer anderen Perspektive sehen und bringen mich auch anderen Menschen näher: Viele Freunde habe ich über Bücher gefunden, mit beinahe jedem, den ich kennenlerne, kann ich über Bücher oder Buchverfilmungen sprechen und finde so weitere Gemeinsamkeiten.

Dennoch gibt es eine Handvoll Autoren, die für mich ganz besonders wichtig sind:

  • Allen voran: Joanne K. Rowling. Ohne sie wäre mein Englisch nicht so gut, hätte ich nicht den wunderbaren Job, den ich aktuell ausüben darf und vor allem wären viele liebe Menschen nie in mein Leben getreten.
  • Simon Beckett. Seine Bücher erinnern mich stets daran, dass man sich auch an Bücher wagen sollte, von denen man nicht weiß, ob sie zu 100% den eigenen Geschmack treffen. Zunächst hatte ich „Die Chemie des Todes“ nur auf dem Mängelexemplar-Tisch entdeckt und dann wurde daraus so viel Begeisterung, dass mich die Nachricht über sein neues Buch (ab 14.10.16 im Handel) genauso Jubeln ließ, wie Monate zuvor die Bekanntgabe des Harry Potter-Skriptbuches. Ein besonderes Highlight war es, ihn in Leipzig persönlich zu treffen – und, dass er sich noch an meine Kurzgeschichte erinnert hat, mit der ich damals den Wettbewerb im Rowohlt Verlag gewonnen habe.
  • Benedict Wells. Wenige Autoren vermögen es, mich mit jedem ihrer Bücher so nachhaltig zu berühren wie Benedict Wells. Seine Schreibweise hallt nach, auch wenn ich schon in der nächsten Lektüre stecke und ich stehe sehr oft vor dem Regal und lese einfach meine Lieblingsszenen immer und immer wieder. Noch dazu ist auch er ein unheimlich sympathischer Autor und ich freue mich darauf, ihn bald live lesen zu sehen.
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(Foto: Privat)

Zum Schluss: Ein Ort an dem das Lesen unmöglich ist

Eigentlich lese ich überall und jederzeit, wenn es irgendwie möglich ist. Ob im Bus, in der Straßenbahn, im Zug, beim Warten an der Schlange im Supermarkt oder ganz entspannt im Lesesessel – ein Buch ist immer dabei. Die einzige Zeit im Jahr, während der meine Leseleidenschaft gebremst ist, ist der Urlaub. Denn da fahre ich möglichst ans Meer und meine Liebe zum Buch wird nur durch meine Liebe zum Meer übertroffen. Sitze ich an der Nordsee auf dem Deich und höre den Möwen zu, kann ich nicht anders als meinen Blick in diese wunderbare Weite schweifen zu lassen. Da kann auch kein Buch mithalten.

Vielen Dank, falls Ihr bis hierhin gelesen habt – und nun seid Ihr dran: Wo könnt Ihr nicht lesen? Welche Autoren sind Euch besonders ans Herz gewachsen? Welche Erinnerungen habt Ihr an die Schule und das Lesenlernen? Ich bin gespannt!

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10 Gedanken zu “#Buchpassion: Mein Leben als Leseratte

  1. Pingback: #buchpassion – Edition: Mein Bekenntnis zum Buch 9.-11.9.2016

  2. Liebe Sarah,

    es tut mir sehr leid, dass ich dich fast schon gezwungen habe, einen Beitrag zu schreiben. 😉 Ich freue mich, dass ich dich von #buchpassion begeistern konnte und hoffe, dass du trotzdem einen tollen Sonntag hast. Enid Blyton und J.K. Rowling haben sehr viele Kinder zu Bücherwürmern gemacht – eigentlich müsste es doch dafür einen Orden geben, nicht?

    Janine

    • Liebe Janine,

      das muss Dir wirklich nicht leidtun! Mir hat es Spaß gemacht, ganz spontan doch noch in die Tasten zu hauen und noch mehr, die Beiträge anderer Blogger zu lesen. Das war eine sehr schöne Aktion!
      Und ja. Definitiv sollte es dafür einen Orden geben!
      Liebe Grüße
      Sarah

  3. Liebe Estel,
    das kann ich mir alles sehr gut vorstellen, wie aus einem Lesemäuschen eine Leseratte geworden ist. Ich habe erst im Jahr 2000/01 mit Harry Potter angefangen und dann aber auch nicht wieder aufgehört. Wir hatten damals ein dunkelrot gestrichenes Gästezimmer mit einer Recamiere, auf der ich die Bücher verschlungen habe. Mit Tee und Keksen, dem Rot und dem Brokatstoff der Recamiere war das sehr potterig:)
    Liebe Grüße, Toni

    • Liebe Toni,
      Danke für Deine lieben Worte! Dass Dein Leseort perfekt zu Harry passt kann ich mir sehr gut vorstellen – so ein Zimmer wünsche ich mir später auch mal (nur, dass es grün sein soll, hihi). Ich hoffe, Deine aktuellen Leseorte können halbwegs mithalten?
      Liebe Grüße
      Sarah

  4. Hallo, sehr schön, wie du deine Lese“karriere“ beschreibst! Als mein erstes richtiges langes Buch erinnere ich mich auch an den Stein der Weisen. Damit hab ich angefangen und nicht wieder aufgehört. Die Pflichtlektüre in der Schule fand ich übrigens auch immer super, bis auf Koeppens „Tauben im Gras“ habe ich alles gemocht. Mein Favorit war Schillers „Don Carlos“, als Teenager spricht einen Sturm und Drang vielleicht auch gerade besonders an 😉 Viele Grüße!

  5. Enid Blyton und Harry Potter. Ich glaube das ist eine Kombi, die eine ganze Generation geprägt hat. Bei mir kamen noch diverse Pferdebücher und die wunderbaren Schreckenstein-Bücher von Oliver Hassencamp dazu.

    Ich habe tatsächlich erst in der Schule lesen gelernt und musste mir seitdem oft sagen lassen, dass sei ungewöhnlich für eine Leseratte wie mich. Aber ich hatte schon immer eine blühende Fantasie, da brauchte ich Bücher nicht unbedingt 😀

    Liebe Grüße,
    Lena

    • Liebe Lena,
      Ach, so ungewöhnlich ist das gar nicht – ich glaube, es war einfach Glück, dass meine Eltern Zeit, Glück, Geduld und auch ein wenig Talent hatten, mir direkt das Lesen beizubringen. Das hätte auch ganz furchtbar in die Hose gehen können – eine frühere Bekannte hatte quasi diesen Fall und hat deshalb sehr spät erst Lesen gelernt. Hauptsache Fantasie – dann ist das auch mit den Büchern erstmal zweitrangig. Ich sehe leider an vielen jungen Eltern im Bekanntenkreis, dass die lieber mehr teures Spielzeug kaufen als mit wenigen Dingen was fantasievolles „zu zaubern“. Finde ich schade…
      Burg Schreckenstein sagt mir auch etwas aber nur ganz dunkel, hihi. Dafür suche ich aktuell die „Geheimnis um..“ Reihe von Blyton zusammen – auch so eine Reihe, die ich nur aus der Bibo geholt habe.
      Gibt es bei Dir solche Reihen, die Du nun im Nachhinein kaufst?
      Liebe Grüße
      Sarah

  6. Ich hab den Beitrag zu Ende gelesen. 😉
    Also gar nicht lesen kann ich im Auto. Da wird mir nach einer Weile übel. Da ich meistens selbst fahre, ist das aber auch nicht weiter tragisch.
    Schulzeit und lesen lernen verbinde ich immer mit Pippi Langstrumpf. Die kannte ich auch schon aus dem Fernsehen…
    Simon Beckett gehört auch zu meinen Lieblingsautoren. Ich frohlocke also ebenso über den neuen David Hunter!
    Ein tolles Lesewochenende wünsche ich dir noch.

    • Liebe Auroria,

      hihi, ja im Auto ist es wirklich schwierig – wobei ich immer in Bus und Bahn lese und da nie Schwierigkeiten habe. Naja, im Auto kann man ja Hörbücher hören 😉
      Ich bin jetzt schon gespannt, was Du zum neuen Beckett sagen wirst, ich kann’s kaum erwarten, ihn zu lesen.

      Dir noch einen schönen Sonntagabend und danke für den Kommentar zum Megabeitrag 😉

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