Rezension: „Wüste Welt“ (Wolfgang Popp)

Dieses Buch ist eine von drei Geschichten, die in der LovelyBox im Mai ihren Weg zu mir fanden. Schon vor einiger Zeit habe ich es gelesen, aber wie das so ist, kam einiges dazwischen und die Rezension folgt erst jetzt.

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(Foto: Privat)

Inhalt:

Ein Wiener Musiker steht sein Leben lang im Schatten des viel begabteren jüngeren Bruders. Als er den Kontakt abgebrochen und von seinem Bruder schon lange nichts mehr gehört hat, bekommt er eine SMS von ihm, die ihn nach Marokko lockt. Dort wartet jedoch nicht sein Bruder, sondern nur ein weiterer Hinweis auf dessen Verbleib. Auf diese Art und Weise reist der Musiker – dessen Namen man nicht erfährt – immer tiefer hinein ins Land.

Mein Eindruck:

Ich finde Roadtrip-Geschichten faszinierend, da meist die Entwicklung der Charaktere das treibende Moment ist und nicht die eigentlich besuchten Orte. Ebenso verhält es sich zunächst in diesem Buch: Die Beziehung zwischen den beiden Brüdern wird trotz der Abwesenheit des einen immer wieder thematisiert. Bestimmte Orte oder Erlebnisse führen dazu, dass der namenlose Musiker sich Gedanken über seinen Bruder, über seine Art ans Leben heranzugehen und über die Unterschiede zwischen ihnen macht. Die Schnitzeljagd selbst wirkt ein wenig konstruiert, da immer der Zufall dafür sorgt, dass der nächste Hinweis gefunden wird. Ebenso eigenartig fand ich, dass der Musiker kaum einen Gedanken – geschweige denn eine Nachricht – an seine Freundin zu Hause verschwendet.

Leider hat mich auch die Entwicklung der Beziehung zwischen den Brüdern nicht überzeugen können. Wenn eine Säule einer Beziehung nahezu permanent abwesend ist, wirkt eine Weiterentwicklung – egal wie sie sprachlich dargestellt wird – doch sehr künstlich und aufgesetzt. Mir fehlten die Momente, in denen der Musiker wirklich spürt, dass sein Bruder – oder er selbst – sich verändert hat und die darauf folgende graduelle Annäherung, die geprägt ist von jahrelangen Enttäuschungen und dem allgemeinen Konflikt zwischen beiden Parteien.

Dennoch kann ich nicht sagen, dass das Buch nicht spannend war – im Gegenteil: Wolfgang Popp beschreibt die einzelnen Figuren und Situationen so, dass man gespannt auf die weitere Entwicklungen ist und das Buch eigentlich nicht aus der Hand legen möchte.

Fazit:

Dieser Roadtrip hat Höhen und Tiefen, besticht aber durch sprachliche Rafinesse und lässt keine Langeweile aufkommen. An manchen Stellen hat mir jedoch die Glaubhaftigkeit gefehlt, die andere Geschichten dieser Art mitbringen.

3 von 5 Sternen

Mehr zum Buch:

  • Preis: 18,50 €
  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Edition Atelier (12. Januar 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3903005142
  • ISBN-13: 978-3903005143

 

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5 Gedanken zu “Rezension: „Wüste Welt“ (Wolfgang Popp)

  1. Huhu 🙂
    Irgendwie habe ich diesen Beitrag von dir bisher vollständig übersehen oO
    Dafür eine schöne Rezension zu einem Buch, das mir gar nichts sagt.

  2. Hmmmm, irgendwie ist mein Kommentar futsch, ohne ein „Wartet auf …“ ~ dann eben nochmal 😉

    Eine schöne Rezension, die mich nochmals neugierig auf das Buch macht! Zog auch im Zuge der LB-Box bei mir ein und driftet sein Dasein bislang unangerührt auf dem SuB.

    Wünsche dir einen schönen Abend & lasse liebe Grüße da!

    • Hihi, also ein wenig Zeit musst Du mir schon geben, dass ich nach Arbeit und Tanzkurs die Kommentare freischalten 😉 Die Technik spinnt aber auch ab und an und dann wird nichtmal angezeigt, dass ein Kommentar ankam… Nunja 😉

      Ich bin gespannt was Du vom Buch hältst! Von den anderen Büchern aus der Box muss ich auch unbedingt demnächst was lesen… Hast Du da schon eine Meinung zu?

      Liebe Grüße
      Sarah

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