Rezension: „Die Wahrheit“ (Melanie Raabe)

Kennt Ihr das? Das Erstlingswerk eines Autors hat Euch so begeistert, dass Ihr vor dem zweiten Buch beinahe Angst habt? So ging es mir, wenn ich ehrlich bin, bei Erscheinen von „Die Wahrheit“ von Melanie Raabe.

Wie Ihr hier lesen könnt, hat sie mich mit ihrem Erstling „Die Falle“ sehr beeindruckt – so sehr, dass ich danach auch eigentlich erst einmal keine weiteren Thriller gelesen habe. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass ich direkt wieder ein Buch finden könnte, das mit ähnlich vielen Überraschungen aufwarten würde, wie „Die Falle“. Ob Melanie Raabe mit ihrem zweiten Roman nun in ihre eigenen großen Fußstapfen treten konnte? Lest selbst.

Vielen Dank an den btb Verlag, für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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(Foto: Privat)

Inhalt:

Sarahs Ehemann verschwand vor sieben Jahren. Sieben lange Jahre, in denen sie ihren gemeinsamen Sohn alleine aufzog und immer zwischen Hoffen in Bangen gefangen war. Dann – gerade als sie dachte, sie wäre bereit, sich ein neues eigenes Leben aufzubauen, kommt der langersehnte – und gleichermaßen gefürchtete – Anruf. Ihr Ehemann lebt. Er kehrt zurück.

Doch der Mann, der kurz darauf aus dem Flugzeug steigt, ist nicht Sarahs Mann.

Mein Eindruck:

Wie auch in „Die Falle“ ging es in diesem Buch um hauptsächlich zwei Personen. Diesmal stand aber kein Mord im Fokus des Geschehens, sondern die Frage nach der Identität. Kann man einen Menschen perfekt imitieren? Woran erkennt man geliebte Menschen? Am Aussehen oder am Charakter? Kann man sich dabei irren? Und was macht die lange Abwesenheit eines geliebten Menschen mit einem selbst, wenn man nicht weiß, ob der andere noch lebt? Oder ob er überhaupt zurück kommen will? Wie überlebt man die Ungewissheit? Und was passiert, wenn man Gewissheit erlangt?

Diese Fragen zeigen nur im Ansatz wie tief Melanie Raabe in die Psyche ihrer Figuren dringt und wie viele Facetten sie in ihrer Geschichte betrachtet. Wie schon beim Erstlingswerk sitzt man wie gebannt vor dem Seiten und schwankt zwischen der absoluten Sicherheit, zu wissen, was am Ende passiert – und dem kompletten Gegenteil.

Nicht nur diese Unsicherheit sorgt für sehr spannende Lesestunden – auch die Einblicke in das Innere von Sarah waren sehr spannend zu lesen. Die Zeit geht an niemandem spurlos vorbei – aber für Sarah stand sie dennoch gefühlt still und trotzdem hat der Stillstand Spuren hinterlassen. Melanie Raabe beschreibt eben diese Spuren schonungslos: Sie beschönigt nicht den Zustand von Sarahs Ehe vor demVerschwinden ihres Mannes und sie zeigt auch all die kleinen Missverständnisse des Alltags auf, die einer Beziehung zusetzen.

Melanie Raabe Schaft den Spagat zwischen introspektiven Szenen, in denen es nur um die Wahrnehmung und das Weltbild der Hauptfigur geht, und Abschnitten, in denen die Konfrontation zwischen den Kontrahenten extreme Ausmaße annimmt. Beides zusammen sorgt dafür, dass man als Leser nicht weiß, was man glauben soll. Und genau das ist es, was einen guten Thriller ausmacht.

Fazit:

„Die Wahrheit“ ist nicht nur grandios vielschichtig und spannend erzählt, sie ist auch schonungslos den Figuren gegenüber und dadurch umso eindringlicher. Und vielleicht enthält sie auch folgenden Ratschlag: Man sollte öfter mal wirklich zuhören, statt sich hinter den eigenen Erwartungen an die Antwort des jeweils anderen zu verschanzen.

5 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch:

 

  • Preis: 16€
  • Broschiert: 448 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (29. August 2016)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442754925
  • ISBN-13: 978-3442754922

 

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2 Gedanken zu “Rezension: „Die Wahrheit“ (Melanie Raabe)

  1. Huhu🙂
    Das erste Buch steht seit ein paar Wochen auf meiner WuLi. Die ganzen Rezis machen mich so unglaublich neugierig!! Jetzt muss ich aber erstmal Prioritäten in dem Genre setzen und den neuen Fitzek lesen.
    Toller Beitrag!

    Liebe Grüße
    Yvonne

  2. Pingback: Melanie Raabe: Die Wahrheit [Kurzrezension] | Tintenhain

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