Rezension: „Phase Null“ (James Dashner)

Vor eineinjalb Jahren las ich im Sommer die „Mazerunner“-Trilogie (zu den Rezensionen für Band 1, Band 2 und Band 3 hier entlang) von James Dashner. Bisher habe ich nur wenige Autoren beim Lesen ihrer Geschichten innerlich so oft verflucht wie ihn. James Dashner hat es perfektioniert, Bücher zu schreiben, die man kaum aus der Hand legen kann. Egal an welcher Stelle man im Buch ist, man muss einfach weiterlesen. So jedenfalls ging es mir bei der „Mazerunner“-Trilogie. Als von einem Prequel die Rede war, war ich zunächst skeptisch und unsicher, ob er an diese Schreibweise anknüpfen könnte. „Kill Order“ habe ich übrigens nicht gelesen, weil mich die Thematik, wie das Virus verbreitet wurde, nicht ganz so sehr fesselte.

„Phase Null“ spielt jedoch direkt vor der Handlung von „Die Auserwählten im Labyrinth“ und ich konnte es kaum erwarten, mehr über meine liebgewonnenen Strünke Thomas, Newt und Minho zu erfahren. Vielen Dank an dieser Stelle an den Carlsen Verlag, die mir das Buch in Windeseile in den Briefkasten beförderten.

Hinweis: Wer die „Mazerunner“-Trilogie noch nicht gelesen hat, sollte dies tun, da viele Inhalte aus „Phase Null“ sonst den Lesegenuss spoilern können. Ich werde hier jedoch nicht auf Handlungsdetails eingehen und die Inhaltsangabe bewusst knapp halten – Ihr könnt die Rezension also gefahrlos lesen.

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Inhalt:

Wie bekämpft man ein Virus, das sich rasant verbreitet und die Infizierten wahnsinnig werden lässt? Man nutzt die Spielart der Natur, dass es bei jeder Krankheit auch diejenigen gibt, die gegen sie immun sind und erforscht diese Immunität. Nur diese Forschung ist der Schlüssel zur Heilung – wird keine Heilung gefunden, muss angenommen werden, dass die Menschheit ausstirbt. So eine Heilung zu finden kann Jahre dauern… Doch wie weit darf Forschung gehen und heiligt der Zweck immer die Mittel?

Mein Eindruck:

Ich habe dieses Buch nach der „Mazerunner“-Trilogie gelesen, und bin der Meinung, dass auch andere Leser dies tun sollten. Oben hatte ich es bereits angedeutet: Viele Details der späteren „Mazerunner“-Handlung werden angeschnitten bzw. vorweggenommen und, würde man die Trilogie erst im Anschluss lesen, würde man sich auf diese Weise so manch einen Überraschungsmoment nehmen. Zudem ist die Beziehung zu den Charakteren, hat man die Trilogie bereits gelesen, intensiver – sonst wären es vielleicht nur bloße Namen. Genau dieser Umstand hat mich beim Lesen am meisten fasziniert: Ich wusste, welche Figuren vorkommen würden, wusste, welche Rolle sie in den „Mazerunner“-Romanen spielen werden – und konnte doch auf jeder Seite mit ihnen mit leiden, hoffen und bangen. Ich hatte also keineswegs beim Lesen das Gefühl, dass mir die Kenntnis um die Handlung in den drei weiteren Büchern, den Spaß an der Handlung dieses Prequels nehmen würde.

James Dashner nimmt zudem den Leser in die Pflicht, was das eigene Urteil bei ethisch fragwürdigen Entscheidungen anbelangt. Diese moralische Komponente ist es, die mir bei so vielen „Dystopien“, die heute den Buchmarkt schwemmen, fehlt. Man kann nunmal nicht die Kulisse einer Parallelwelt erschaffen, in der sich das Gesellschaftssystem von dem eigenen in einem bestimmten Punkt gravierend abhebt, ohne dem Leser moralische Konflikte vor Augen zu führen. James Dashner schafft eben dieses Kunststück, den Leser nicht nur in eine Parallelwelt zu führen, sondern auch, in zu zwingen, sich mit den dortigen Entscheidungen moralisch auseinanderzusetzen.

Man nimmt die Handlung aus Thomas‘ Perspektive wahr und Dashner führt ihn – und damit den Leser – geschickt in Situationen, die auswegslos, grausam und irgendwo doch leider alternativlos erscheinen. Man spürt die Ohnmacht im Angesicht eines übermächtigen Gegners und weiß doch, dass nicht anders zu handeln ist – obwohl man trotzdem noch nach anderen Möglichkeiten sucht. Wie umfallende Dominosteine in einer Reihe bedingen die Umstände einige Handlungen, die wiederum zu Umständen führen und eigentlich befinden sich die Charaktere in einem permanenten Gewissenskonflikt, der mich so manches mal erleichtert aufblicken lies, als mir bewusst wurde, dass ich nicht in dieser dystopischen Welt leben muss.

Trotz aller Beklemmung, die man beim Lesen verspürt, lässt Dashner aber auch nie den Humor zu kurz kommen. Selbst in Augenblicken größter Ernsthaftigkeit lässt er nicht zuletzt auch über sarkastische Kommentare sehr amüsante Momente entstehen. Thomas, Newt, Minho und die anderen sind nunmal Jugendliche, die sich trotz der besonderen Situationen, die sie meistern müssen, ihren Humor bewahrt haben. Auch ihre charakterliche Entwicklung kommt keineswegs zu kurz: Man erfährt, wie sie Stück für Stück zu denjenigen werden, die sie dann im Labyrinth sein werden.

Fazit:

Ein gelungenes Prequel mit vielen wunderbaren, manchmal bittersüßen und auch sehr nachdenklich stimmenden Momenten. James Dashner hat es geschafft, dass man die wohlbekannten und liebgewonnenen Figuren erneut kennenlernen kann und auch dabei wachsen sie einem ans Herz.

5 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch:

  • Preis: 19,99€
  • Gebundene Ausgabe: 440 Seiten
  • Verlag: Chicken House (25. November 2016)
  • Übersetzer: von Ilse Rothfuss
  • ISBN-10: 3551520771
  • ISBN-13: 978-3551520777

Eine weitere Sichtweise auf das Buch findet Ihr auch in Jules Leseecke.

 

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2 Gedanken zu “Rezension: „Phase Null“ (James Dashner)

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