Sonntagsleserin 04_2017 – Rückblick auf den April

Über den April gibt es so einiges zu berichten. Da passt die Sonntagsleserin ganz wunderbar und ich freue mich, sie über den Umweg bei Phantasiénreisen und Jules Leseecke gefunden zu haben. Ins Leben gerufen wurde diese Aktion übrigens 2014 von Bücherphilosophin Katarina.
 
(Grafik erstellt mit Canva)
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Ein Monat… ohne viele Blogposts
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Mehr als die Sonntagsleserin zum März gab es bei mir nicht zu lesen, was ich ganz kurz erklären möchte, denn ich habe die Bloggerei ganz bestimmt nicht aufgegeben. Vielmehr hat mich meine Arbeit komplett in Beschlag genommen. Wenn in einem Team aus zwei festangestellten Mitarbeiterinnen die eine krank wird – und das in einem der beiden stressigsten Monate – dann sind Überstunden vorprogrammiert und als Ausgleich habe ich es meist nur gerade so zum Tanzkurs geschafft. Wenn ich in einer Woche drei Seiten gelesen habe, dann war das auch schon gut. Meine Rettung bestand im – zum Glück schon lange geplanten – Urlaub in der letzten Aprilwoche. In einer Woche an der Nordsee konnte ich so gut abschalten wie schon lange nicht mehr. Ich bin jeden Tag kilometerweit am Strand und übers Watt spaziert, hatte traumhaftes Wetter und glücklicherweise (ganz bewusst übrigens) nur sporadisch Zugang zum Internet. Die himmlische Ruhe und das Meer haben geholfen, meine Energiereserven ein wenig zu füllen. Damit diese nicht direkt wieder gegen Null tendieren, lasse ich es auch mit dem Blog erst einmal wieder langsam angehen.
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Twitter – und warum 140 Zeichen durchaus frustrieren können
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Mein Ausgangspunkt für Blogreisen sind häufig Instagram und Twitter. Insbesondere auf Twitter gibt es dann aber auch häufig ellenlange Diskussionen, die sich nach einer Weile im Kreise zu drehen scheinen. Aktuellstes Beispiel ist die Kritik am Buch „Paper Princess“, welches ich selbst nicht gelesen habe (und es auch nicht vorhabe), in dem es aber wohl Szenen gibt, die wohl mehr als hart an der Grenze sind. Stichwort Gewaltverherrlichung. Hier sei beispielhaft ein Blogpost von Jennifer vom Blog Bücherverschlingen genannt, in dem sie sich damit auseinandersetzt. Dort findet Ihr auch weiterführende Beiträge, die sich der Thematik ebenfalls annehmen – Jennifer hat sie praktischerweise verlinkt. Einen – von vielen – Gegenentwürfen findet Ihr bei Nelly in ihrer Leseecke, die Ihren Standpunkt ebenso differenziert und fundiert darlegt. Und eine weitere Meinung mit vielen weiteren Links findet Ihr bei Tabi und ihrem Blog.
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Was ist an diesem Thema nun frustrierend? Nun, erst einmal gar nichts, da es eine fundiert begründete Meinung ist, die auch andere Blogger geäußert haben. Was mich frustriert ist die Art und Weise wie auf Twitter diskutiert wird. Dort hat man bekanntermaßen nur 140 Zeichen – und die reichen in der aus dieser Kritik am Buch (bzw. an ähnlichen Büchern) hervorgehenden Diskussion über Lesegewohnheiten nunmal nicht aus. Die einen prangern an, dass viele lesen, ohne dabei über problematische Punkte in der jeweiligen Lektüre nachzudenken (z.B. dass keine Minderheiten repräsentiert werden oder sie ihrer Meinung nach falsch repräsentiert werden). Andere halten dagegen, dass sie beim Lesen Unterhaltung suchen und dabei nicht immer eine Inhaltskritik vornehmen wollen. Schließlich sei die Realität schon schwierig genug, da wolle man beim Lesen auch abschalten können. Und so geht es dann – im 140-Zeichen-Rhythmus – immer hin und her. Über mehrere Tweet-Threads hinweg, so dass man am Ende vom ganzen scrollen und nachlesen völlig schwurbelig im Kopf ist.
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Nun fragt Ihr Euch sicher, wo ich dabei stehe, richtig?
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Ganz diplomatisch formuliert: Auf der Seite der Meinungsfreiheit. Diejenigen, die jedes Buch kritisch bis ins letzte Detail hinterfragen möchten und dabei auch die Verlage in die Verantwortung nehmen, haben durchaus berechtigte Argumente und sollen ihren Standpunkt gerne haben. Diejenigen, die in den wenigen Minuten der Freizeit einfach nur lesen wollen, um sich unterhalten zu lassen und dann über den Unterhaltungswert berichten, haben ebenfalls ihre Daseinsberechtigung. Klar kann man argumentieren, dass man als Buchblogger eine gewisse Verantwortung trägt – schließlich gelten wir als Influencer, d.h. beeinflussen unsere Leser mit dem was wir so von uns geben. Man kann aber auch diese Sichtweise haben: Die Vielfalt an Buchbloggern und deren Verhalten zeigt die Vielfalt der Möglichkeiten, an Bücher heranzutreten. Und das meist sogar innerhalb nur eines Blogs!
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Wenn ich mich mal als Beispiel nehmen darf: In meinen Rezensionen halte ich mich nie an ein starres Schema, berücksichtige immer die gleichen Schwerpunkte und beurteile Bücher auf exakt die selbe Art und Weise. Manchmal schreibe ich mehr zu den Charakteren, mal mehr zur Storyline, mal zur Schreibweise. Das ist definitiv nicht objektiv oder vollständig und hegt auch gar nicht den Anspruch, so zu sein. Meine Beiträge sind immer anders, weil ich an unterschiedliche Bücher unterschiedliche Erwartungen habe (die sich im Übrigen sehr von der Erwartung anderer Blogger an ein und dasselbe Buch unterscheiden können) und sie zu Zeitpunkten lese, zu denen es mir unterschiedlich geht (nachdenklich, gut gelaunt, angespannt…).
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In der Diskussion um die Verantwortung von Bloggern und Verlagen und den teilweise kritisch zu sehenden Buchinhalten halte ich es also sehr pragmatisch mit der Außenpluralität, einem Begriff aus der Medienpolitik: Die Ausgewogenheit in der Blogarbeit wird dadurch hergestellt, dass wir alle unterschiedlich an Bücher herangehen und sie besprechen. Das ist, salopp gesagt, der coole Nebeneffekt von Meinungsfreiheit. Zudem ist der Einfluss kurzfristiger Impulse von Außen auf die über lange Zeit entwickelten Charakterzüge eines Menschen größtenteils zu vernachlässigen. So, wie ein Killerspiel-Fan nicht zwingend zum Amokläufer wird, wird die Lektüre bestimmter Bücher nicht zwingend dazu führen, dass die Leser Frauen schlagen/sich schlagen lassen oder ähnliche Dinge gutheißen. Es ist in der Medienforschung mittlerweile ziemlich gut belegt, dass man sich mehr Gedanken um die Sozialisation durch das Umfeld, in dem man sich bewegt, Gedanken machen muss – und nicht um die Dinge, die man konsumiert.
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Rezensionsfunde
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Was wäre aber eine Sonntagsleserin ohne Empfehlungen in Richtung anderer Blogs und deren Rezensionen? Zugegeben – ein wenig gespalten ist mein Verhältnis zu Rezensionsbeiträgen schon. Zum einen fürchte ich in jeder Zeile massive Spoiler (ich bin da ein gebranntes Kind, seht es mir bitte nach) und zum anderen habe ich durchaus genug Lektüreauswahl und benötige eigentlich keine weiteren Leseanregungen. Eigentlich. Ach, Ihr wisst ja wie das ist – man kann nie genug Bücher oder Leseanregungen haben! Deshalb also Vorhang auf für die gefundenen Rezensionen, die bei mir die Wunschliste verlängert haben:
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Die Klappentexterin hat ein – wie ich finde – sehr verlockend klingendes Buch aufgetan, „Schlafen werden wir später“ von Zsuzsa Bánk – ein Briefroman, der besonders für sprachaffine Menschen wie mich gemacht scheint. Es gibt eine besondere Wunschliste für solche Bücher, nämlich die Weihnachtswunschliste, da meine Eltern mir sehr gerne sehr besondere Bücher schenken möchten. Und nur wenige Bücher schaffen es auf diese Liste – die Klappentexterin hat es geschafft, dieses Buch dorthin zu katapultieren.
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Eine weitere Wunschliste ist eher eine Anregungsliste, denn die Bücher darauf sind weniger für mich als vielmehr für meine Familie bestimmt. Während meiner Blogstreifzüge halte ich nämlich stets Ausschau nach Büchern, die jemanden aus meiner Familie erfreuen könnten. Bei pagesingold bin ich so auf „Die Töchter der Küste“ von Lynn Austin gestoßen. Dieser Familienroman klingt absolut nach dem Beuteschema meiner Mama und ich habe ihn mir direkt notiert.
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Bei Alexandra und Susi im Rattenbau von ReadPack habe ich dann ein Buch entdeckt, das ebenfalls verführerisch klingt, denn es geht um mein Lieblingsthema: Das Meer. „Abgrund“ von Bernhard Kegel klingt superspannend und so, als würde dieses Buch mein Meerweh etwas lindern können.
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A propos Fernweh – dank der stressigen Zeit in den letzten Wochen, habe ich erst jetzt entdeckt, dass es in Jules Leseecke ein richtiges Fernweh-Buch zu entdecken gibt. Bei ihr geht es auf die grüne Insel und „Mein Irland“ klingt wahrlich verlockend und ich wünsche Jule schon jetzt einen Urlaub, der dem Lesevergnügen in nichts nachsteht!

Und last but not least: Kathrin von Phantásienreisen hat mir eine Graphic Novel schmackhaft gemacht, die mich durchaus auch generell auf den Geschmack bringen könnte. „Ihr Name war Tomoji“ von Jiro Taniguchi scheint nicht nur inhaltlich, sondern auch von der Machart ein schöner Einstieg zu sein!
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In diesem Sinne gehe ich jetzt mal meine Urlaubsfotos sortieren! Und wenn Ihr jetzt Anregungen für weitere Stöberrunden habt, oder einfach was zum Beitrag loswerden möchtet, dürft Ihr gerne die Kommentarfunktion nehmen 🙂

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3 Gedanken zu “Sonntagsleserin 04_2017 – Rückblick auf den April

  1. Danke für den schönen Beitrag! Ich hatte viel Spaß! Ich fand die Mischung aus Privatem und dem Meinungsteil zu Paper Princess und den eher lockeren Rezis am Ende sehr gelungen!

    Zu Paper Princess: ich habe die Diskusion nur am Rande verfolgt und es gefällt mir, dass du sie so gut zusammenfasst! Die Verantwortung der Verlage hatte ich nicht bedacht. Was mich an solchen Diskusionen ärgert: Die „guten“ Bücher gehen unter. Es gibt wenig Literatur, die Beziehungen und Erotik realistisch abbildet und trotzdem Spaß zu lesen macht. Anstatt dass wir diese Perlen finden und darüber reden, regen wir uns über ein Buch auf, das scheinbar ein ähnliches Problem wie Shades of Grey hat. Haben wir denn nichts gelernt? Und: Warum können wir die Diskusion nicht als befruchtend betrachten? Das Buch nutzen, um eigene Grenzen zu finden und etwas mitzunehmen. Wir müssen doch ANDEREN nicht ankreiden, wie sie ein Buch interpretieren….

  2. Hallo Sarah 🙂

    Lieben Dank für die Verlinkung!

    Was die Diskussionen auf Twitter und darüber hinaus angeht, bin ich mittlerweile eher frustriert (was bei so wichtigen Diskussionsthemen nicht nur schade, sondern regelrecht traurig ist). Anfangs habe ich die Beiträge noch mit großem Interesse verfolgt, aber das alles hat Ausmaße angenommen, über die ich nur noch den Kopf schütteln kann. Zum einen die Sache, dass daraus eine Grundsatzdiskussion wurde, wer wie zu bloggen hat und wer was aus welchen Gründen lesen oder nicht lesen soll (allein die Frage „Unterhaltung vs. Nachdenken“ – als gäbe es nur ein Entweder-oder und kein Sowohl-als-auch). Zum anderen wurde die ganze Diskussion immer wertender gegenüber anderen Lesern/Bloggern. Es wird/wurde zum Teil in einem Tonfall geschrieben, der alles andere als sachlich oder respektvoll ist – und zwar auf beiden Seiten. Anstatt wirklich einmal ins Gespräch zu kommen, gingen auf beiden Seiten manche Personen (nicht alle!) ausschließlich in Angriff und Abwehr über, ohne sich wirklich einmal näher mit den Ansichten der anderen Seite auseinanderzusetzen. Ich hoffe, dass Blogger und Twitteruser irgendwann einmal reflektierter mit sich und anderen umgehen werden, um solche Diskussionen auf einer offenen und sachlichen Ebene zu führen, damit der eigentliche Sachverhalt und nicht die Emotionen und die misslungene Kommunikation im Fokus stehen…

    Viele Grüße und einen schönen Sonntagnachmittag!
    Kathrin

    PS: Ich drücke dir die Daumen, dass es sehr bald im Job wieder ruhiger zugeht und du mehr Zeit für dich hast!

  3. Hallo Sarah,

    freut mich, dass du bei mir etwas gefunden hast!
    Man hört doch gern, dass andere Leute sich durch eigene Beiträge inspirieren lassen! 🙂

    Liebe Grüße
    Renate

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