The Parthenon of Books (Teil 3) – mit Gewinnspiel

In den ersten beiden Beiträgen zum Parthenon of Books habe ich das Kunstwerk und seine Hintergründe vorgestellt und einen Einblick in die sehr interessante Geschichte der verbotenen Bücher auf deutschem Boden gegeben. In diesem Beitrag möchte ich nun einen der zahlreichen Spender zu Wort kommen lassen, der sich mit einer Buchspende am Parthenon beteiligt hat und der zudem auch noch einer meiner Lieblingsverlage ist: Der Diogenes Verlag.

Als ich die spontane Idee hatte, eine Beitragsreihe über den Parthenon of Books zu schreiben, um auf das Kunstwerk und die Intention dahinter aufmerksam zu machen, hat sich der Verlag sofort bereiterklärt, mich nicht nur beim Gewinnspiel zu unterstützen, sondern mir auch zu der Buchspende ein paar kurze Fragen zu beantworten.

Vielen Dank an dieser Stelle für die Antworten und die Bereitstellung der Gewinnbücher!

(Marta Minujín, The Parthenon of Books, 2017, Friedrichsplatz Kassel, documenta 14, Foto: Roman März)

Im Gespräch mit dem Diogenes Verlag

Wie kam es dazu, dass Ihr Bücher für den Parthenon of Books gespendet habt?

Die Anfrage kam von der documenta, die um eine Bücherspende gebeten hat. Wir unterstützten das Projekt gerne.

Selbst die kurze Liste mit verbotenen Büchern ist schon sehr umfangreich. Wie habt Ihr ausgewählt, welche der verbotenen Bücher Ihr aus Eurem Programm spendet?

Die Entscheidung trafen nicht wir, sondern die Liefermöglichkeiten. Wir haben alle beim Diogenes Verlag lieferbaren Titel, die einst verboten waren, gespendet.

Als ich Goethes „Faust“ auf der Liste entdeckt habe, war ich für einen Moment schon sehr verwundert. Gab es ein Buch auf der Liste, das Euch besonders überrascht hat?

Wir waren sehr überrascht das „Peter Hase“ auf der Liste der verbotenen Bücher stand. Der Grund war folgender: Von 1965 bis 1990 existierte die sogenannte Inner London Education Authority, die ausschließlich in der Stadt London und ihren 12 Stadtbezirken agierte. Sie beschloss in den 80er Jahren, das Buch „Peter Hase“ zu verbieten, da es nur Hasen aus der Mittelklasse repräsentierte und nicht genügend die armen Hasen aus der Proletariatsschicht.

Stöberempfehlung für verbotene Bücher

Auch hier gilt wieder: Meine Auswahl der Bücher, die ich Euch vorstellen möchte, ist rein willkürlich und sicher kann man bei jedem Werk darüber diskutieren, ob es nicht ein noch wichtigeres gäbe, das stattdessen vorgestellt werden müsste. Die Auswahl hier ist nur exemplarisch gedacht und soll lediglich das Interesse an ehemals verbotenen Büchern wecken. Eine kurze Erklärung gibt Euch einen Einblick in meinen Entscheidungsprozess.

Heinrich Heine, Deutschland. Ein Wintermärchen

Warum verboten: Alle Werke Heinrich Heines wurden aufgrund Heines jüdischer Abstammung und ihrer politischen Aussagen von den Nationalsozialisten verboten. Wie die Werke vieler anderer Autoren, landeten auch seine Bücher 1933 auf den Scheiterhaufen der Bücherverbrennungen. Auch nach 1945 wurden Heines Texte kontrovers diskutiert und auch politisiert: In der Bundesrepublik Deutschland wurde Heines Werk auf die romantischen Facetten reduziert, während die DDR sich frühzeitig um eine Popularisierung seiner Bücher bemühte. „Deutschland. Ein Wintermärchen“ und Heines Kontakt zu Karl Marx standen hier im Fokus.

 

Warum ausgewählt: Bei Heinrich Heine sieht man sehr gut, wie unterschiedlich Texte auch nach Ende des Verbots rezipiert werden und wie sehr ehemals verbotene Texte auch in den Fokus der Politik geraten können, falls sich davon ein bestimmter Effekt erhofft werden kann. Ich selbst habe Heines Texte im Deutschunterricht sehr geschätzt, „Deutschland. Ein Wintermärchen“ bisher jedoch noch nicht gelesen. Es steht hier also auch als persönlicher Anreiz für mich.

 

 

Joachim Ringelnatz, Kuttel Daddeldu

Warum verboten: Joachim Ringelnatz war Kabarettist, Schriftsteller und Maler. Seine Werke galten unter den Nationalsozialisten als „entartete Kunst“ und insbesondere die Autobiografie „Als Mariner im Krieg“ war den Nazis ein Dorn im Auge, denn es galt als „literarischer Verrat am Soldaten des Weltkrieges“. Seine Werke wurden verboten, beschlagnahmt und verbrannt. Ringelnatz selbst verarmte innerhalb kürzester Zeit, weil er nicht mehr auftreten durfte – seine Auftritte jedoch das finanzielle Standbein seiner Familie waren.

 

Warum ausgewählt: „Kuttel Daddeldu“ enthält die bekannten Gedichte um den gleichnamigen Seemann, die bei den Auftritten von Ringelnatz das Kernstück seiner Darbietung darstellten. Als Ausgangspunkt, um das Werk von Joachim Ringelnatz zu erkunden, sind diese Gedichte wohl besonders gut geeignet. Mir persönlich ist solches Seemannsgarn immer sehr sympathisch und von daher fiel es mir leicht, dieses Werk von Ringelnatz auszusuchen.

 

 

 

 

Und wenn Ihr bis hierher durchgehalten habt, könnt Ihr jetzt etwas gewinnen!

Der Diogenes Verlag ist so freundlich, und spendiert dem Gewinner / der Gewinnerin ein Buchpaket mit drei „verbotenen Büchern“ (Taschenbuchausgabe) nach Wahl. Beantwortet einfach eine der folgenden Fragen (gerne auch alle) in den Kommentaren und schon seid Ihr dabei:

Von welchem Buch wart Ihr besonders überrascht, dass es einmal verboten war? Welche ehemals verbotenen Bücher würdet Ihr gerne einmal lesen und warum? Oder kennt Ihr bereits besonders viele verbotene Bücher? Dann lasst doch eine Leseempfehlung hier!

Die Freundin einer Kollegin hat Euch übrigens ein paar Detailfotos des Parthenon aus Kassel mitgebracht:

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Hier wie immer die Teilnahmebedingungen zum Gewinnspiel:

  • Die Veranstalter ist das Blog studierenichtdeinleben.wordpress.com
  • Eine Teilnahme am Gewinnspiel findet ausschließlich durch das Kommentieren unter diesem Beitrag statt.
  • Teilnahmeberechtigt sind nur natürliche Personen, deren Wohnsitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gelegen ist. Mit der Teilnahme wird bestätigt über 18 zu sein oder es muss parallel die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten zugesendet werden. Unabhängig vom Geschlecht wird von „der Gewinner“ gesprochen.
  • Der Gewinner wird ausgelost und schließlich per Mail über den Gewinn benachrichtigt. (Der Gewinner hat bis 7 Tage nach Benachrichtigung Zeit sich zu melden, danach wird erneut ausgelost.)
  • Der Gewinner teilt dem Veranstalter innerhalb von 7 Tagen nach Benachrichtigung per E-Mail mit, welche drei ehemals verbotene Bücher (Taschenbuchausgabe) aus dem Programm des Diogenes Verlags er sich ausgesucht hat und teilt die Adresse mit. Die Adresse wird nur zur Weiterleitung an den Verlag genutzt, damit dieser das Buchpaket versenden kann. Sollte eines / sollten mehrere der ausgewählten Bücher nicht verfügbar sein, ist der Verlag berechtigt, diese durch andere Titel zu ersetzen.
  • Das Gewinnspiel läuft ab sofort bis zum 16.07.2017, 23:59 Uhr.
  • Teilnehmer, deren Inhalte/Informationen die Rechte Dritter verletzen werden vom Gewinnspiel ausgeschlossen und ihre Beiträge entfernt.
  • Eine Auszahlung in bar oder Sachwerten oder ein Tausch ist nicht möglich.
  • Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu WordPress und wird auch in keiner Weise von WordPress gesponsort
  • Die persönlichen Daten werden nur zur Kontaktaufnahme und zum Versand des Gewinnes genutzt und anschließend vollständig gelöscht.
  • Weitere Fragen zum Gewinnspiel/Kritik/Anregungen gern an: sarah.schueckel[at]gmx.net
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
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14 Gedanken zu “The Parthenon of Books (Teil 3) – mit Gewinnspiel

  1. Hallöchen 🙂
    die anderen Beiträge habe ich ja eher mit dir privat kommentiert und besprochen. Jetzt muss ich aber wirklich endlich mal was dau sagen. Ich finde die Beitrags-Reihen-Idee wirklich super. Als ich das erste Mal von dem Kunstwerk hörte und mir die kurze und die lange Liste der Bücher herunterlud, war mir klar, dass ich wenigstens die kurze Liste durcharbeiten möchte. Aber selbst diese Liste ist, wie du schon sagtest, sehr umfangreich, weswegen ich diese inzwischen auf ca. 50 Werke zusammengeschrumpft habe.
    Was mich überraschte war, wie viele Klassiker darauf vertreten sind. Oder das von manchen Autoren alle Werke verboten waren, von einigen nur ausgewählte. Mich überraschte wohl am meisten, dass „Alice im Wunderland“ drauf steht. Oder Harry Potter, weil Harry eigentlich zu einer Zeit entstanden ist, in der die Welt doch schon so aufgeklärt und offen wirkte.
    Welche „verbotenen“ Bücher ich gern lesen würde?
    Den Heine auf jeden Fall, weil „Deutschland. Ein Wintermärchen“ während meiner Schulzeit so oft erwähnt wurde. Von Kafka „Die Verwandlung“ oder „Moby Dick“ und direkt danach „Der Zahir“ von Paulo Coelho.
    Ach du kennst mich. Solche Listen faszinieren mich. 😀
    Liebe Grüße
    Jule
    PS.: Lass dir Zeit mit Antworten, ich muss jetzt arbeiten 😀

    • Liebe Jule,

      war das genug Zeit? 😉

      Auch Du stimmst für Moby Dick – ich muss wirklich mal das Buch besorgen… Mich würde ja Deine komplette Liste von etwa 50 Büchern sehr interessieren! Wenn Du mal Inspiration für einen Blogpost daraus ziehen willst: Nur zu 😉

      Liebe Grüße
      Sarah

  2. Ich will schon seit einer Ewigkeit Moby Dick lesen, komme aber immer wieder davon ab. Warum weiß ich selbst nicht genau.
    Es ist wirklich interessant welche Bücher so auf der Liste stehen.
    Lieben Gruß von der Nordsee
    Julia

  3. Guten Morgen!
    Ich habe deine Beitragsreihe mit grossem Interesse verfolgt, da es mir immer im Herzen weh tut, wenn ich ihn Filmen Szenen von Bücherverbrennungen sehe. Darum ist mir auch die Szene in „Die Bücherdiebin“ so ans Herz gegangen, wo Liesel ein halb verkohltes Exemplar aus einem Scheiterhaufen zieht.
    Ich mache sehr gerne bei deinem Ge
    Gewinnspiel mit, weil ich wie Jule gestaunt hab, als ich Harry Potter auf der Liste entdeckte.
    Lesen möchte ich auch noch so einiges von der Liste, wie „Der Zahir“, „Moby Dick“ oder auch „Alice im Wunderland“.

    • Liebe Nela,

      „Die Bücherdiebin“ steht noch auf meiner Liste – aber bei Buchverbrennungen gebe ich Dir absolut Recht. Es war schwer, bei der Recherche immer von den Buchverbrennungen zu lesen und zu wissen, dass diese Autoren mundtot gemacht werden sollten – und zwar für alle Zeit. Das ist so absurd und surreal, dass man es sich kaum vorstellen kann. Und doch muss man es immer wieder erwähnen, denn scheinbar – in Hinblick auf fragwürdige Instagram-Trends – ist diese Denkweise nicht überall verbreitet…

      „Moby Dick“ möchten irgendwie alle lesen – ich auch xD Bisher hat es noch nie geklappt.

      Liebe Grüße
      Sarah

  4. Besonders überrascht war ich auch von Harry Potter! Schon gelesen habe ich neben der Potter-Reihe z.B. Goethes Faust und Lion Feuchtwanger und Haroun and the Sea of Stories von Salman Rushdie. Wären wohl noch einige mehr unter den gelesenen Büchern, wenn ich sehe, wie ewig lang die Liste ist, erschreckend!

    • Ja, die länge der Liste ist wirklich heftig – und wenn man bedenkt, dass in vielen Ländern noch immer sehr merkwürdige Zensur-Vorgaben aktuell sind… Die deutsche Herangehensweise kann man auch diskutieren, aber sie klingt zumindest erst einmal logisch. Harry Potter zu verbieten ist dagegen einfach nur Irrsinn…

  5. Pingback: #8 Quergelesen – Was war los in meiner Woche? | Lesen in Leipzig

  6. Guten Abend Sarah,

    wow, da hast Du wirklich 3 interessante Blögge (schreibst man das so?) zu The Parthenon of Books hergezaubert. Solch bücherrelevantes Thema finde ich natürlich spannend und hebt einem ja auch von anderen Bloggern ab ;).

    Unser verehrter Herr Geheimrat Goethe war sogar verboten. Ich will nicht sagen, ich war da überrascht, aber doch zumindest erstaunt. Okay, das Tragische und das unfreiwillig Komische des Menschen wird ja auf den Punkt gebracht und die Aspekte der moderenen Welt. „Was plagt ihr armen Thore viel,
    Zu solchem Zweck, die holden Musen?
    Ich sag‘ euch, gebt nur mehr, und immer, immer mehr,
    So könnt ihr euch vom Ziele nie verirren,
    Sucht nur die Menschen zu verwirren,
    Sie zu befriedigen ist schwer —
    Was fällt euch an? Entzückung oder Schmerzen?“.
    Und der verzweifelte Werther ist eben nichts für eine sinnsuchende Sache…
    Lesen würde ich gern einmal – erstaunlicherweise, wie alle hier – „Moby Dick“, gefolgt von „Der Leviathan“ – wie schon verraten – und „1984 „. Aber eigentlich noch viel mehr ;).
    Empfehlen kann ich in jedem Fall Mark Twain, Franz Kafka (Jule: „Die Verwandlung“ ist toll), Karl Marx, Jonathan Swift, Saint-Exupéry (na klar, wer kennt nicht „Der kleine Prinz“) und die Gebrüder Grimm <3.

    Lieben Gruß aus SFB,
    Simone 🙂

    • Liebe Simone,

      als aller erstes: Herzlichen Glückwunsch! Du hast das Buchpaket gewonnen! Drei Taschenbücher – Titel einst verbotener Bücher – aus dem Diogenes Verlag gehen an Dich! Schreib mir (sarah.schueckel – at – gmx.net) für welche Titel Du Dich entschieden hast und Deine Adresse und dann geht das Paket ganz bald auf die Reise.

      Vielen Dank für Deinen Kommentar und die vielen Empfehlungen! Nun beneide ich Dich mehr als nur ein wenig, denn auch bei mir stehen „Moby Dick“ und – siehe Auslosungs-Beitrag – Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ ganz oben. Deshalb: Viel Spaß bei der Qual der Wahl – ich könnte mich nur schwer für drei Titel entscheiden 😉

      Liebe Grüße
      Sarah

  7. Liebe Sarah,

    vielen, vielen Dank in erster Linie erstmal für die 3 spannenden, interessanten Artikel zum Parthenon of Books und natürlich Dir und Diogenes für die ansprechende Verlosung und Gewinnchance dazu!

    Schreiben werde ich Dir bestimmt noch heute Abend. Meine bevorzugten Titel, hast Du ja schon erfahren – aber die Auswahl war schwer.

    Also herzlichen Dank, weiter so und liebe Grüße aus der Lausitz
    Simone.

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