Rezension: „Wie man es vermasselt“ (George Watsky)

Es ist wohl ein Gefühl, dass viele kennen: Es gibt diese Tage, an denen läuft nichts so, wie man sich das wünscht und dann geht auch noch alles schief. So auch bei George Watsky, einem US-amerikanischen Rap-Musiker, Lyriker, Poetry Slammer (u.a.), von dem ich bis zu diesem Buch – Asche auf mein Haupt – noch nie etwas gehört hatte. Aber sind es nicht genau diese schiefgegangenen Erlebnisse, die erzählenswert sind? Sind es nicht genau diese Tage, über die man später am lautesten lacht? Ganz ehrlich – in einer Zeit, in der bei mir alles ein wenig schief läuft, ist dieses Buch so herrlich aufmunternd, dass man es einfach mögen muss.

Vielen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Rezensionsexemplar und die vielen Lacher unterwegs!

Das Cover spricht für sich – genial gemacht! (Foto: S. Schückel)

Inhalt:

George Watsky wird aus Versehen zum Schmuggler von Elfenbein, verliebt sich in ältere Damen, kämpft mit Epilepsie, haust mit unmöglich erscheinenden Gestalten in einem Haus oder tourt in einem klapprigen Bus durch Amerika. An all diesen, und noch einigen anderen verrückten und vor allem vermasselten Geschichten lässt er uns teilhaben und berichtet schonungslos von den Dingen, die in seinem scheinbar von Erfolg gekrönten Leben so schief gegangen sind.

Mein Eindruck:

Humor und Sensibilität – diese zwei Merkmale ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Geschichten, die Watsky erzählt. Jede dieser Episoden ist absurd und zwar so absurd, dass man als Leser wohl kaum etwas ähnliches erlebt haben wird und doch beschreibt Watsky diese Situationen auf eine Art und Weise, dass man sich sofort in seine Lage hineinversetzen kann. Sicher haben die wenigsten seiner Leser selbst einen Roadtrip durch die USA in einem klapprigen Tourbus veranstaltet – aber vermutlich hat jeder schon einmal den ein oder anderen langgehegten Traum verwirklicht. Diese Übertragbarkeit der – oft vermasselten – Geschichten von George Watsky machen den Charme des Buches aus.

Sowieso wirkt er durch seine Worte wie jemand, mit dem man gerne mal etwas trinken gehen würde und von dem man sich dann noch viele Stunden weitere Dinge aus seinem Leben erzählen lassen möchte. Durch seine Erzählweise wirkt er einfach nur authentisch und gerade die stilleren Momente im Buch haben mich fast noch mehr beeindruckt als sein Humor, der durch ironische Randbemerkungen nicht nur einen Lachanfall auf meiner Seite verursacht hat. In den ruhigeren Szenen seiner Erzählungen zeigt sich – sofern das bei Büchern möglich ist – die gesamte Bandbreite seiner Persönlichkeit. Auf eine sehr stille und selbstreflektierte Weise schafft Watsky dabei eine Atmösphäre der Intimität, dass man nach der Lektüre seines Buches das Geüfhl hat, ihn schon ewig zu kennen.

Vielleicht ist der Titel des Buches ein wenig irreführend, denn er erweckt den Anschein, als würde George Watsky sein Leben bewusst torpedieren oder absichtlich in sehr abstruse Situationen geraten. Das Gegenteil ist jedoch – wie bei einem jeden – der Fall: Das Leben schlägt durchaus mal hohe Wellen und man muss zusehen, dass es sich nicht selbst vermasselt und man irgendwie doch noch ans Ufer gelangt. Dass es okay ist, auf diese Situationen nicht nur mit lautem Humor, sondern auch mit ruhigen Gedanken zu reagieren, ist eine sehr schöne und beruhigende Botschaft – gerade, wenn man im eigenen Alltag viel zu viele sich selbst vermasselnde Situationen erlebt.

Fazit:

„Wie man es vermasselt“ liest sich ein wenig wie ein Erlebnisbericht von Benedict Wells „Spinner“, wenn dieser tatsächlich existieren würde. Es ist aber auch ein Buch, das Mut macht, den eigenen Weg zu gehen und Träume zu verwirklichen – egal wie unrealistisch diese auch wirken mögen. Und es ist ein Buch, das mit viel Humor zeigt, dass die besten Geschichten genau dort warten, wo alles schief geht.

5 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch:*

Weitere Rezensionen findet Ihr unter anderem auf diesen Blogs:

Kapri-ziös || Jules Leseecke ||

Der Diogenes Verlag hat übrigens eine Microsite eingerichtet, auf der Ihr was gewinnen könnt (Teilnameschluss: 23.09.2017).

 

  • Preis: 22 €
  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (23. August 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257070071
  • ISBN-13: 978-3257070071
  • Originaltitel: How To Ruin Everything
  • Übersetzerin: Jenny Merling

 

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2 Gedanken zu “Rezension: „Wie man es vermasselt“ (George Watsky)

  1. Ich gebe zu, der Titel hat mich angezogen. Und Deine Rezension bestärkt mich noch darin, dass das Buch was für mich sein könnte. Skurrile Erlebnisse, mit Humor und Feingefühl erzählt? Das ist genau das, was ich gerne lese.
    Vielen Dank für diese inspirierende Buchvorstellung.

    Liebe #litnetzwerk-Grüße
    Gabi

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  2. Pingback: Rezension: "Wie man es vermasselt" von George Watsky • Emerald Notes

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