#Buchpassion – Lieblingsautorinnen und -autoren (2)

(Logo: Janine von Kapri-ziös)

Im Rahmen der #Buchpassion Aktion von Janine von Kapri-ziös habe ich Euch gestern erzählt, was Lieblingsautorinnen und -autoren allgemein für mich ausmacht und ich habe Euch meine ganz persönliche „Longlist“ präsentiert. Was einige dieser SchriftstellerInnen nun für mich so besonders macht, gibt es in diesem und dem nächsten Beitrag zu lesen.

Benedict Wells

Eigentlich ist es eigenartig: Das erste Buch, das ich von Benedict Wells las, war „Fast genial“. Ich las es im Rahmen einer Leserunde bei LovelyBooks und fand es gut, aber eben auch nicht überwältigend. Warum also ist dieser Autor für mich ein Lieblingsautor?

Als ich „Fast genial“ las, dachte ich, dass der Titel passend sei, denn das Buch war wirklich gut – aber eben nur fast genial. Irgendetwas fehlte und doch ahnte ich, dass dieser Autor noch grandiose Bücher schreiben würde. Jahre später sah ich seinen Namen wieder: „Vom Ende der Einsamkeit“. Ich gab ihm eine neue Chance und vom ersten Satz an war ich fasziniert. Benedict beschrieb darin Emotionen auf eine Art und Weise, die mich sprachlos machte und – wenn ich ganz ehrlich bin – fühlte ich mich beim Lesen durchschaut. Zwischen der Geschichte und meinem Leben gibt es keine Parallelen und doch hatte ich das Gefühl, dass dieser Autor – dem ich nie begegnet war – Dinge über mich wusste, die ich bisher niemandem anvertraut habe. Das ist ein reichlich befremdliches Gefühl – vor allem, wenn man (wie ich) oft in Bus und Bahn liest und rundherum wildfremde Menschen beobachten können, was dieses Buch anrichtet.

(Foto: S. Schückel)

Im Anschluss las ich seine beiden – mir bis daher noch unbekannten – anderen Bücher („Spinner“ und „Becks letzter Sommer“) und obwohl diese Bücher älter waren und auch hier die Geschichten weitab meines eigenen Lebens lagen, war das Gefühl dennoch das gleiche. Ich weiß immer noch nicht, wieso dieser „Buchfunke“ nicht schon bei „Fast genial“ übergesprungen ist. Bei einer Lesung sagte ich mal zu Benedict, dass ich beim Lesen des Buches zu jung und dumm gewesen sei – und er lachte und meinte, das wäre er auch gewesen, weshalb es nun die Neufassung gibt. Bisher, muss ich zugeben, habe ich mich an diese neue Version der Geschichte noch nicht herangetraut. Das liegt aber wohl weniger an meinem Vertrauen in seine schriftstellerischen Fähigkeiten, als vielmehr daran, dass ich es mir aufspare, um die Wartezeit zum nächsten Buch von ihm zu überbrücken.

Mit welchem Buch fängt man nun am besten an? Ich denke, das kommt immer ein wenig darauf an, was man als Leser gerade braucht, aber ich denke, „Vom Ende der Einsamkeit“ oder „Becks letzter Sommer“ sind perfekt für den Einstieg – alle anderen Bücher von Benedict Wells werden dann sowieso folgen.

Eine kleine Auswahl meiner Sammlung – mein Vater hat viele weitere. Er gehört zu den wenigen, denen ich Bücher leihe und von denen ich sie mir ausleihe. (Foto: S. Schückel)

Sir Terry Pratchett

Als eine sehr gute Freundin im März 2015 mir eine Whatsapp mit einem einzigen Wort schickte, brach für mich eine kleine Welt zusammen. „TERRY???“ schrieb sie und ich weiß noch, wie ich über der Planung meines Buchmesse-Besuchs saß und mir plötzlich eiskalt wurde. Die beklemmende Ahnung die ich hatte, sollte sich leider bewahrheiten: Terry Pratchett war an diesem Tag gestorben und ich wollte es nicht glauben.

Um ehrlich zu sein, will ich es immer noch nicht glauben, denn die Bücher über die Scheibenwelt und andere verrückte Orte sind über die Jahre ein Rückzugsort für mich geworden, den ich immer dann aufsuche, wenn ich dringend aufgemuntert werden muss. Ich weiß noch, wie ich einmal, während des Masterstudiums so gestresst war, dass ich in unsere Campus-Buchhandlung ging und nach „so viel Terry Pratchett für so wenig Geld wie möglich“ fragte. Am nächsten Morgen konnte ich einen Doppelband abholen, mit Rincewind und Truhe Abenteuer auf der Scheibenwelt erleben und meine eigene Welt war wieder in Ordnung.

Es war mein Vater, der mir eines Abends – ich kann gar nicht mal genau sagen wann – „Die Farben der Magie“ in die Hand drückte. Ich war vom ersten Satz an fasziniert von dieser Welt, die unserer so ähnlich ist und sich doch so sehr von ihr unterscheidet. Eine Scheibenwelt, die auf dem Rücken von vier Elefanten ruht, die auf einer Schildkröte stehen und von ihr durch das All befördert werden – das ist so herrlich abstrus wie jede einzelne der Geschichten, die sich Sir Terry über diese Welt ausgedacht hat. 41 Bücher hat er allein über diese Welt geschrieben, mal lag der Fokus mehr auf Rincewinds Abenteuern, mal auf denen der Hexen oder der Stadtwache und mal spielt Gevatter Tod persönlich die Hauptrolle. Mal ist es eine Satire über die Politik und Bürokratie, mal finden sich Anspielungen auf Musik und Kultur oder auch Erfindungen, die wir schon längst kennen, die aber für die Scheibenwelt revolutionär sind.

Es ist diese Vielfalt und diese Vielzahl an Geschichten (nicht nur über die Scheibenwelt), die mich im März 2015 ein wenig getröstet hat, denn es gibt noch viele Geschichten, die ich erst noch entdecken kann. Übrigens: Der Hashtag „Speakhisname“, der oft in Verbindung mit Sir Terry vorkommt, beruht auf dem Scheibenwelt-Glauben, dass nur diejenigen wirklich tot sind, deren Namen in Vergessenheit geraten. In diesem Sinne: #Speakhisname.

Mit welchem Buch kann man besonders leicht den Einstieg ins Scheibenwelt-Universum finden? Ihr könnt es wie ich machen und „Die Farben der Magie, den ersten Scheibenwelt-Roman, als Ausgangspunkt für Eure Entdeckungsreise nutzen. Oder, Ihr sucht Euch eine Figur aus, die Euch besonders anspricht und beginnt dort. Beispiel: „Die Farben der Magie“ ist ein Buch, in dem Rincewind die Hauptrolle spielt. „Gevatter Tod“ (dem vierten Scheibenwelt-Roman) ist der erste Roman, in dem Gevatter Tod der Hauptakteur ist. Die Romane können – meistens – unabhängig voneinander gelesen werden, Ihr könnt nach Herzenslust zwischen den einzelnen „Reihen“ springen und vor allem könnt Ihr die Bücher mehrfach lesen und immer wieder neue Anspielungen und Querverweise entdecken.

Eine Übersicht über alle Romane, die Themenschwerpunkte und Hauptakteure findet Ihr auf Wikipedia.

 

Und wie sieht es bei Euch aus? Kennt und mögt Ihr diese beiden Autoren?

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7 Gedanken zu “#Buchpassion – Lieblingsautorinnen und -autoren (2)

  1. Pingback: #Buchpassion – Edition: Lieblingsautorinnen und -autoren

  2. Also als Terry Pratchett Einstieg kann ich auch noch Tiffany Weh empfehlen ^^ Ich habe glaube ich mit Gevatter Tod angefangen, aber die Tiffany Weh Reihe fand ich super, weil dort viel erklärt wird (und die Größten sind halt einfach sowieso klasse xD)

    Liebe Grüße,
    Lena

    • Liebe Lena,

      vielen Dank, dass Du vorbei geschaut hast – ich antworte jetzt mal nur hier 😉 Tiffany Weh habe ich noch überhaupt nicht gelesen, von daher freue ich mich drauf! Danke für den Tipp 😀

      Liebe Grüße
      Sarah

  3. Liebe Sarah,

    eigentlich wollte ja ich gestern direkt nach dem Lesen schon ein paar Worte zu diesem Beitrag loswerden, hatte ihn da aber auf dem Handy gelesen und fand’s da etwas unpraktisch.
    Jedenfalls habe ich den Artikel richtig, richtig gerne gelesen und gerade den Teil über Benedict mochte ich sehr. Ich habe ja auch keine Sekunde daran gezweifelt, dass er’s nicht auf deine Shortlist schaffen würde. 🙂
    Ganz ehrlich: Du hast’s geschafft, das in Worte zu fassen, was ich bisher nur ansatzweise ausdrücken konnte. Nämlich wie’s mir bei der ersten Lektüre der Bücher (bzw. mit meinem ersten Wells) erging. Danke dafür! Und es ist auch wirklich mal wieder schön zu sehen, wie wir uns in diesem Punkt ähneln. Ich find’s übrigens auch witzig, dass „Fast genial“ in dem Fall auch dein Wells-„Stiefkind“ ist. Ich denke aber auch, dass ich die überarbeitete Fassung irgendwann auch nochmal lesen werde. 🙂

    Liebe Grüße,
    Elena

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