Comic-Klassiker: Ein Selbstversuch – Teil 1: Spirou & Fantasio

Wie vermutlich die meisten bin ich, was Comics anbelangt, zuerst in Entenhausen gelandet. Mickey Maus-Hefte und Lustige Taschenbücher gehören für mich zu meinen ersten Leseerinnerungen – ebenso, wie das erste Donnerwetter, weil ich die Kombination „Taschenlampe und Buch unter der Bettdecke“ noch nicht soweit perfektioniert hatte, um ungeschoren davonzukommen. Irgendwann gingen meine Comicabenteuer dann zu Asterix und Obelix über, verliefen danach aber im Sande, da ich Abenteuerromane für mich entdeckte. Die hatten für mich damals den großen Vorteil länger „vorzuhalten“, weshalb ich sie Comics vorzog.

Das Jubiläum von 50 Jahren Carlsen Comics habe ich nun zum Anlass genommen, quasi im Selbstversuch berühmte Comicwelten zu bereisen und mich so aus Entenhausen bzw. Gallien herauszuwagen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mich auf dieser Reise begleitet – und wer weiß, vielleicht gibt es am Ende ja was zu gewinnen 😉

Vorab: Vielen Dank an den Carlsen Verlag, der mir gleich drei der Spezialhefte zum Jubiläum als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt hat!

(Foto: S. Schückel)

Spirou und Fantasio

Starten wir mit Spirou und Fantasio. Ich bin ganz ehrlich: Zwar hatte ich schonmal von diesen Namen gehört, aber wusste nicht mehr, als dass es sich um Comic-Charaktere handelt.

Falls es Euch ähnlich geht, ein kurzer Exkurs vorweg: Die Abenteuer von Spirou und Fantasio gibt es seit Ende der 1930er Jahre. Es sind die Hauptfiguren einer frankobelgischen Comicreihe – Spirou ist (zunächst) Hotelpage, während sein bester Freund, Fantasio, eher als Lebenskünstler dargestellt wird. Als tierischen Freund haben sie das Eichhörnchen Pips dabei (und später das Marsupilami), das sie auf ihren Abenteuern begleitet. Zunächst gab es kürzere Geschichten, ab ca. 1950 wurden die Abenteuer der beiden Figuren dann komplexer und länger.

Spirou ist übrigens auch der Name eines wöchentlich erscheinenden Comicmagazins aus Belgien, das 1938 zum ersten Mal erschien und neben übersetzten Comics auch Eigenproduktionen veröffentlichte – unter anderem wurde dafür die Figur des Spirou erfunden.

Inhalt:

Im Doppelband zum Jubiläum der Carlsen Comics finden sich die Abenteuer „Die Rückkehr des Z“ von Tome und Janry – eine Geschichte aus dem Jahr 1986 – und „Die dunkle Seite des Z von Vehlmann und Yoann aus dem Jahr 2011.

In „Die Rückkehr des Z“ treffen Spirou und Fantasio auf einen Gegner, den sie schon längst besiegt glaubten: Zyklotrop. Sie erfahren von der Rückkehr des „Z.“ durch das Schnüffelschwein des Grafen von Rummelsdorf, der dringend die Hilfe der beiden Freunde braucht. Stichwort: Zeitreise. Spirou und Fantasio müssen dafür sorgen, dass die Gegenwart vor Zyklotrops Machenschaften gerettet wird und stoßen dabei auf allerlei Hindernisse.

Auch in „Die dunkle Seite des Z“ geht es um Zyklotrop, doch dieses Mal befinden sich Spirou und Fantasio nicht auf der Erde. Sie wachen auf dem Mond auf, denn Zyklotrop hat sie entführt. Eigentlich mit lauteren Absichten, aber Narzissmus und Größenwahn sind nunmal nicht die Zutaten, mit denen ein Schurke die Welt üblicherweise zu verbessern weiß. Also müssen Spirou und Fantasio dafür sorgen, dass sich eine gefährliche Mutation nicht ausbreitet.

Mein Eindruck:

Mitten in etablierte Figurenkonstellationen geworfen zu werden ist anfangs gar nicht so leicht gewesen, denn ich wusste zwar grob (Danke, Wikipedia!) wer Spirou und Fantasio sind, aber die einzelnen Nebencharaktere kannte ich natürlich nicht vorab. Aber auch als kompletter Neuling in diesem Erzähluniversum findet man sich sehr schnell rein. Da stört es auch überhaupt nicht, dass zu Beginn von „Die Rückkehr des Z“ ein anderes Abenteuer von Spirou und Fantasio angedeutet wird bzw. auch die Vergangenheit der beiden mit Zyklotrop Erwähnung findet, denn die groben Details, die man für das Verständnis braucht, ergeben sich recht schnell. Auch die Nebenfiguren und ihre Bedeutung für das Duo klären sich ohne, dass man lange rästeln muss. Mein persönlicher Favorit ist – das war fast klar – das Eichhörnchen Pips. Mal ehrlich: Der Flauschfaktor ist da einfach zu hoch um es nicht auf Anhieb zu mögen! Im Übrigen sind die Geschichten in diesem Doppelband in sich abgeschlossen, es gibt also keine bösen Überraschungen in Form von Cliffhangern.

Was mich auch von Anfang an begeistert hat ist der Witz, mit der die beiden Geschichten erzählt werden. Es ist eine Mischung aus gezeichnetem Slapstick-Humor – man hat mehr einen Film vor Augen als einzelne Bilder – und Wortwitz, die sich wunderbar lesen lässt. Auch schließt man die Figuren dadurch sehr schnell ins Herz, was mir besonders bei Comics wichtig ist, da diese Erzählform – aus meiner Sicht – viel weniger Innenleben der Charaktere preisgibt und es mir so manchmal schwer macht, mich mit ihnen zu identifizieren. Spirou und Fantasio sind ein Gespann, bei dem es Spaß macht, die Abenteuer zu begleiten und auch, abseits der Haupthandlung, ihre Interaktionen zu verfolgen. Genau die sind es nämlich, die die beiden so sympathisch machen.

(Foto: S. Schückel)

Zum Zeichnerischen kann ich wenig sagen, da ich nun wirklich kein Comic-Kenner bin. Mir als Einsteiger in die Geschichten rund um Spirou und Fantasio haben die Zeichnungen den Zugang zur Handlung jedoch sehr leicht gemacht, denn die Bilder sind weder zu überladen noch zu minimalistisch gehalten und auch die Schriftart ist gut zu lesen. Dass manche Szenen komplett in ähnlichen Farbtönen – z.B. Rotschattierungen – gehalten sind, macht das Lesen für die Augen manchmal recht anstrengend. Da es sich jedoch immer nur um wenige Seiten handelt, ist das aber aushaltbar.

Ich mochte beide Geschichten im Doppelband, fand die erste – „Die Rückkehr des Z“ – aber ein bisschen stärker, da hier mehr Interaktionen zwischen Spirou und Fantasio zu finden sind und für mich die Dynamik zwischen den beiden ein wichtiger Aspekt in der gesamten Handlung ist. Da nicht jeder Comic Zyklotrop als Gegner von Spirou und Fantasio thematisiert, muss ich im Nachhinein sagen, dass der Doppelband mit einer Zyklotrop-Geschichte und einer komplett anderen Handlung für den Einstieg in dieses Comic-Universum besser geeignet gewesen wäre- Dennoch kann man sich auch mit zwei Zyklotrop-lastigen Comics ein gutes Bild von den Geschichten machen. Zudem haben beide Geschichten unterschiedliche Zeichner, weshalb man einen Eindruck davon bekommt, ob unterschiedliche Zeichner das Leseerlebnis über die einzelnen Abenteuer hinweg beeinflussen. Bei mir war das nicht der Fall – ich habe kaum große Unterschiede wahrgenommen.

Fazit:

Ist der Doppelband zu Spirou und Fantasio für Einsteiger geeignet? Definitiv ja. Man muss sich als Neuling natürlich erst einmal in die Zeichnungen und die Figurenkonstellationen hineinfinden, aber das geht schnell und ehe man es sich versieht, steckt man mittendrin im Abenteuer und möchte die Comics gar nicht mehr aus der Hand legen. Sie machen definitiv neugierig auf mehr und wer diesen Klassiker der Comic-Szene – wie ich – bisher noch nicht kannte, hat definitiv etwas verpasst. Im Übrigen eignet sich der Doppelband auch für absolute Comic-Neulinge, die vielleicht noch gar keine Comic-Erfahrung hatten. Dadurch, dass die Zeichnungen durch die lustige und spannende Erzählweise mühelos zu einem Film im Kopf werden, ist man im Nu mittendrin in den Abenteuern des sympathischen Duos.

4 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch:*

  • Preis: 9,99 €
  • Taschenbuch: 96 Seiten
  • Verlag: Carlsen (28. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3551714150
  • ISBN-13: 978-3551714152

 

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2 Gedanken zu “Comic-Klassiker: Ein Selbstversuch – Teil 1: Spirou & Fantasio

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