Lesesessel-Geplauder: Wenn die Buchliebe überfordert.

Dieser Beitrag schwebt mir schon eine Weile im Kopf herum – eigentlich schon das ganze Jahr über. Immer, wenn ich ihn dann endlich schreiben wollte, kam ich mir dabei aber so schrecklich kindisch vor, dass ich den Entwurf schnell wieder gelöscht habe. Mal sehen, ob dieser Versuch nun in die Weiten des WWW entlassen wird – oder doch wieder im digitalen Papierkorb landet.

(Foto: S. Schückel)

Meine literarische Fernbeziehung: Harry Potter

Seit letztem Jahr ist der berühmteste Zauberlehrling der Welt wieder in aller Munde. Das Theaterstück „Harry Potter and the Cursed Child“ mit parallel veröffentlichtem Skript, die Filmreihe „Fantastic Beasts and Where to Find Them“ inklusive ebenfalls veröffentlichtem Skript und allerlei zusätzliche Bücher – Schmuckausgaben, Neuauflagen, Jubiläums-Ausgaben – haben die Fanherzen höherschlagen lassen. Auch meines – zunächst.

Nachdem ich Jahr um Jahr wie so viele andere auch auf eine neue Geschichte gewartet habe, war 2016 einfach nur unglaublich. Jule und ich hatten allerlei Spaß beim Project Potter. Ich durfte in Hamburg bei der Harry Potter Lesenacht des Carlsen Verlags sein und habe mir damit einen Kindheitstraum erfüllen können. Ich bekam, ganz in meiner eigenen Harry Potter-Tradition, die Schmuckausgabe des zweiten Teils zu Weihnachten (so, wie ich damals, am 24.12.1999 Band eins und zwei der Reihe geschenkt bekam und die Reise ihren Anfang nahm). Und ich sah mit lieben Freunden „Fantastic Beasts“ im Kino Newt Scamanders Liebe zu magischen Tierwesen bestaunen.

All diese Highlights gaben mir das Gefühl, wieder einmal in meine literarische Heimat nach Hogwarts zu reisen. So, wie ich es all die Jahre zuvor auch immer mal wieder konnte – bevor dann eine Pause folgte. Es war quasi eine literarische Fernbeziehung, die ich führte und die Vorfreude auf neue Abenteuer oder neue Filme war fast genauso gut, wie dann das neue Buch in den Händen zu halten oder im Kinosaal zu sitzen.

(Foto: S. Schückel)

Wenn die Fernbeziehung plötzlich einzieht…

Diese Metapher trifft vielleicht am besten, wie ich mich aktuell fühle – und ich bin mir sehr wohl bewusst, dass das, was gleich folgt, Jammern auf allerhöchstem Niveau ist. (Das ist einer der Gründe, weshalb dieser Beitrag so oft im Papierkorb gelandet ist.)

So schön 2016 nämlich war, so sehr überfordert mich nun 2017.

Den Anfang machte die Neuauflage der „Schulbücher“ Harrys – „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“, „Quidditch im Wandel der Zeiten“ und „Die Märchen von Beedle dem Barden“ erschienen in neuem Design und zum Teil mit zusätzlichen Inhalten.

Im Juni kam – anlässlich des 20. Jubiläums des Erscheinens von Band eins – eine Sonderausgabe von „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“ heraus. Sowohl im Hardcover als auch in Taschenbuch-Ausgabe konnte man nun eine zum eigenen Hogwarts-Haus farblich passende Version des Buches erwerben.

Dann ging es – zumindest für mich, gefühlt – Schlag auf Schlag. Am 1. Oktober erschienen „Harry Potter: A History of Magic“ und „Harry Potter: A Journey through theHistory of Magic“ zur derzeit laufenden Harry Potter Ausstellung in London. Am 3. Oktober folgte die Schmuckausgabe von „Harry Potter and the Prisoner of Azkaban“, welche (etwas verspätet durch unseren Feiertag) am darauffolgenden Tag auch auf Deutsch in den Ladenregalen zu finden war.

Seit dem 1. (Englisch) bzw. 7. November (Deutsch) kann man nun auch in der Schmuckausgabe von „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ in die magische Welt J. K. Rowlings eintauchen.

Und heute gab der Carlsen Verlag bekannt, dass das oben erwähnte Buch zur Ausstellung am 31. Mai 2018 auch auf Deutsch erscheinen würde.

(Foto: S. Schückel)

This is where the magic happens… und das Gejammer startet

Versteht mich nicht falsch: Ich liebe Harry Potter. Ihm verdanke ich so unglaublich viel, dass ich mir ein Leben ohne diesen Zauberlehrling und seine Welt nicht mehr vorstellen kann. Hogwarts ist und bleibt mein Zuhause.

Aber ich bin überfordert und – ja – traurig. Bereits die Zusammenfassung der Erscheinungsdaten war schmerzhaft. Bisher konnte ich immer sagen, dass ich, nachdem das Potterfieber bei mir ausgebrochen ist, bei Neuerscheinungen immer am Erscheinungstag völlig aufgeregt zum Buchladen gefahren bin oder auf den Postboten gewartet habe. Meine Eltern, auch das ist Teil der Tradition, haben es sich nie nehmen lassen, mir das jeweilige Buch zu schenken – auch, als ich schon eigenes Geld verdient habe. Zum Erscheinungstermin von Band vier auf Deutsch bekam ich von ihnen sogar einen mühsam zusammengestellten Ordner mit allen Zeitungsartikeln zum Buch und zum Phänomen der Pottermania.

Das alles ist nicht mehr so. Denn in diesem Jahr haben mich schon die Ankündigungen all dieser Bücher erstarren lassen. Mir so viele Bücher von meinen Eltern außerhalb von Geburtstagen oder Weihnachten schenken zu lassen, kam für mich nicht in Frage. Als Blogger alle im Carlsen Verlag erscheinende Bücher für Rezensionen anzufragen, ebenfalls nicht – denn mal ehrlich: Es wäre ein Ausnutzen des Privilegs als Blogger gewesen. Und da ich weder Rockefeller mit Nachnamen heiße, noch Lotto spiele, war auch der Kauf all dieser Bücher einfach nicht drin. Nicht auf einmal und so, wie es meine Sammelleidenschaft (die sich noch dazu auf die englischen UND die deutschen Ausgaben bezieht) bisher erlaubt hätte.

Und so ist bisher ein Erscheinungstermin nach dem anderen verstrichen und in meinem Kalender blickte ich auf das bisher Freude verheißende „ET HP!!!“- Kürzel traurig und resigniert.

Natürlich könnte ich langsam, Stück für Stück, mal hier ein Buch kaufen und mal dort eines. Das werde ich auch sicher tun und meine Familie hat eine Liste mit all diesen tollen Büchern bekommen, damit sie zu Weihnachten die volle Auswahl haben. Aber es ist nicht mehr das gleiche wie früher, als es diesen einen ganz besonderen Tag im Jahr gab, an dem alles in mir „HOGWARTS“ jubelte.

Ich hoffe, dass dieses Gefühl wieder zurückkehrt. Vielleicht ja an Weihnachten, wenn meine Faszination für die magische Welt von Harry volljährig wird. 2018 heißt es dann für mich ganz persönlich „19 years later“ und ich wünsche mir schon jetzt, dass ich dann wieder mehr Freude an einer Sammelleidenschaft habe, die mich den Großteil meines Lebens begleitet.

Gerne würde ich wissen, wie Ihr dazu steht? Sind es Euch auch zu viele Bücher auf einmal? Wie hat sich Eure Sammelleidenschaft über die Jahre verändert?

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4 Gedanken zu “Lesesessel-Geplauder: Wenn die Buchliebe überfordert.

  1. Ich kenne das auch!
    Bei mir liegt es vor allen Dingen daran, dass ich super ungeduldig bin. Ständig kommen neue tolle Bücher, die ich lesen will oder ich entdecke ältere, die ich noch unbedingt lesen muss. Dann stapeln sie sich hier und ich kann manchmal keines so richtig genießen weil ich am liebsten alle gleichzeitig lesen würde und mit dem Kopf schon immer beim nächsten Buch bin. Und das liegt nicht an dem Druck, rezensieren zu müssen, sondern nur an dem Lesehunger. T__T
    Wenn man keine Probleme hat, macht man sich halt welche, nicht wahr? 😀

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  2. Hey!
    Ich kann deinen Gedanken verstehen.
    Es gibt tatsächlich einige HP Zusatzbücher die ich weder kenne noch besitze, aber das macht mir keinen Stress, auch fühle ich mich nicht unwohl.
    Ich freue mich immer, wenn ich höre, dass es etwas neues aus der Welt gibt.
    Ob ich es kaufe, anfrage oder mir schenken lasse entscheide ich dann recht spontan, manchmal bekomme ich die Bücher dann erst Monate später. Irgendwann habe ich vielleicht alles, was dazu gehört. Und wenn nicht finde ich das nicht schlimm 🙂
    Es ist irgendwie schön, immer die Möglichkeit zu haben, dass man noch etwas neues kaufen könnte, aber nicht muss, da man so gesehen nichts verpasst.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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  3. Hallo!
    Ich kann das sehr gut verstehen, mir ist das auch zu viel. Ich vertrete nochmal die radikalere Ansicht, dass das ganze zu einer total materialistischen Angelegenheit geworden ist. Geht es uns nicht eigentlich um die Geschichten, die Gefühle? Ich fühle mich als Fan schon vom ganzen Merchandise erschlagen und auch ein bisschen ausgebeutet, wenn man mal schaut wie teuer der ganze Kram ist. Klar, ich liebe schöne Bücher, aber in erster Linie liebe ich doch die Geschichte und für mich ist das ganze ein bisschen arg zu einem „Business“ geworden. Aber vielleicht bin ich da auch ein bisschen empfindlich 😀
    Wenn ich sage ich bin hardcore Fan, glaubt mir das immer keiner, denn ich boykottiere von beginn an den kauf von Fanartikeln. 😀

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