Rezension: „Bestseller“ (Beka Adamaschwili)

Bestseller. Was für ein Wort. Es verspricht gute Unterhaltung und vielleicht auch gute Literatur – oder zumindest verspricht dieses Wort, dass die Marketingstrategie des jeweiligen Verlags voll aufgegangen ist und genügend Leute neugierig geworden sind.

Beka Adamaschwili, der übrigens auch Blogger ist, ist mit seinem Buch „Bestseller“ in Georgien tatsächlich das gelungen, wovon so viele Autoren träumen: Er hat einen Bestseller geschrieben. Nun ist das Buch, das sich passenderweise um einen Nicht-Bestseller-Autor dreht, auf Deutsch erschienen.

Vielen Dank an den Voland&Quist Verlag, der mir das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Inhalt:

Pierre Sonnage ist Schriftsteller und dabei sehr erfolglos. Er wird gelesen, aber nicht von der Masse an Lesern, die er sich erhofft. In einer so perfiden wie auch morbiden Marketingstrategie beschließt er, Selbstmord zu begehen, um seinen Werken endlich den Ruhm zu verschaffen, die sie – in seinen Augen jedenfalls – verdienen.

Dafür landet Pierre in der Hölle. Genauer gesagt landet er in der Literatenhölle und trifft auf allerlei andere Schriftsteller (übrigens alle viel berühmter als er!), mit oder gegen die er Rätsel lösen muss – so klar ist das zunächst nicht. Auch die Art seiner Bestrafung – die Hölle ist da sehr individuell – wird erst nach und nach deutlich.

Mein Eindruck:

Karla Paul nannte Bücher über Bücher mal passend „Bibliophilenpornos“. Dieser Begriff passt hier wie die Faust auf’s Auge. Vom ersten Wort an spielt Beka Admaschwili virtuos mit Worten, verweist scheinbar spielerisch auf Klassiker der Weltliteratur und hantiert mit Fußnoten, die für einen Lachanfall nach dem anderen sorgen.

Schon das Vorwort, bzw. das, was „Anstelle eines Vorworts“ kommt ist ganz großes literarisches Kino. Voller Ironie macht Adamaschwili sich über sich selbst beweihräuchernde Schriftstellerkollegen lustig, erklärt lakonisch die Situation, in der seine Hauptfigur sich befindet und würzt dieses Intro dann mit ein paar Zitaten, mit denen er „nur die Illusion erzeugen [möchte], dass große Weisheit in seinem Buch steckt“ (S. 13).

Meine größte Befürchtung beim Lesen war zunächst, dass dieser flapsige Tonfall irgendwann von der Handlung erschlagen würde und die Geschichte zwar rasant, amüsant und herrlich absurd startet – dann aber irgendwann abflacht. Die 40 Klebefähnchen, mit denen ich besonders witzige oder schlaue Textpassagen markiert habe, sprechen bei lediglich 171 Seiten zum Glück eine andere Sprache.

Drei Aspekte machen die Geschichte nicht nur zu einer guten Geschichte, sondern zu einer ganz besonderen:

  1. Die Intelligenz, mit welcher Beka Adamaschwili seinen Text konstruiert hat: Pierre Sonnage muss in der Literatenhölle allerlei Rätsel lösen, die sich nicht nur auf literarische Werke beschränken, sondern auch bis in die naturwissenschaftlichen Bereiche hineinreichen. Als Leser liest und rätselt man gleichzeitig und überlegt parallel zu Pierre, welche Lösung denn nun dahintersteckt.
  2. Der Witz, mit dem jede Zeile des Buches gefüllt zu sein scheint: Ob es nun die literarische Persönlichkeit in der Geschichte ist, die jedem Klischee über sich selbst entspricht, oder eine lakonisch eingefügte Fußnote, in welcher der Autor erklärt, er habe gerade keine Idee, wie das aktuelle Problem zu lösen sei ohne den Leser zu langweilen, weshalb er nun einen Kunstrgriff anwende. – All diese mit gefühlter Leichtigkeit eingebauten Momente machen das Buch zu einem gedanklichen Spielplatz für jeden Leser, der Freude an Büchern hat.
  3. Die Illustrationen, welche die Rätsel, die Literatenhölle und die Komplexität der Geschichte greifbar machen: Würde Pierre Sonnage durch die Literatenhölle stolpern, ohne dass man als Leser die Rätsel und Hinweise direkt vor Augen hat, wäre der Roman wohl wesentlich weniger flott. Anstelle ellenlanger Beschreibungen (die der Autor, so eine Fußnote, ohnehin für unnötig hält) hat man direkt vor Augen, was auch Pierre sieht.

Fazit:

Wer Bücher liebt, wer intelligent konstruierte Geschichten sucht, wer vielleicht auch ein Faible für selbstironische Bemerkungen in Fußnoten à la Terry Pratchett oder Douglas Adams hat, für den ist dieses Buch genau richtig. Beka Adamaschwili nimmt sich selbst als Autor nicht sonderlich ernst und genau dieser lakonisch-witzige Unterton macht das Buch zu einem ganz besonderen Leseerlebnis. Es ist definitiv eines meiner Highlights des Jahres.

5 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch:*

  • Preis: 18€
  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • Verlag: Verlag Voland & Quist; Auflage: 1 (11. Oktober 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • Übersetzung: Sybilla Heinze
  • ISBN-10: 3863911830
  • ISBN-13: 978-3863911836

 

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11 Gedanken zu “Rezension: „Bestseller“ (Beka Adamaschwili)

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  2. Klingt interessant und ein bisschen vom Namen her wie Nino Haratischwili ;). Diese kommt ja auch aus Georgien und mittlerweile scheint dieses Land ein Garant für gute Autoren zu sein…

    Wie bist Du denn auf dieses Buch von Voland&Quist gekommen? Anhand einer Vorschau? Finde ich klasse, dass Du auch Bücher etwas außerhalb der gängingen (Bestseller)Listen wählst!

    Lieber Gruß,
    Simone.

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  4. Liebe Sarah,
    Omg, das klingt soooo gut! Das könnte genau ein Buch für mich sein. Vielen Dank für diese schöne Buchvorstellung und den guten Tipp. Der Titel kommt sofort auf meine Wunschliste (aber ich habe so das Gefühl, da wird er nicht lange bleiben… :P).
    Liebe Grüße, Julia

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    • Liebe Julia,

      dieses Buch ist definitiv perfekt für die Wunschliste – oder noch besser: die Einkaufsliste! 😉
      Ich hab es per Zufall auf der Verlagsseite entdeckt, als ich mich mal durch die Indieverlage geklickt habe und es hat meine ohnehin schon hohen Erwartungen sogar übertroffen. So viele „Fähnchen“ habe ich in kaum einem anderen Buch verklebt.

      Ich wünsche also mal ganz scheinheilig viel Spaß 😉

      Liebe Grüße
      Sarah

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