Rezension: „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ (Yuval Noah Harari)

Dieses Buch habe ich im Rahmen der Leserunde auf LovelyBooks gewonnen (an dieser Stelle danke für das Leseexemplar). Ein Freund von mir hat mir von seinen anderen beden Büchern vorgeschwärmt, weshalb ich sehr neugierig war, nun selbst etwas von ihm zu lesen.

Es ist übrigens eines dieser Bücher, denen man am besten einen kleinen Disclaimer voranstellt. Eine Bewertung ist ja immer subjektiv und ich glaube, bei diesem Sachbuch ist es wichtig, ein paar Dinge zu wissen, damit man diese Bewertung einordnen kann.

Ich bin gläubige Christin. Das sage ich deshalb, weil Harari – siehe unten – so ziemlich jede Religion kritisiert. Damit kann ich absolut umgehen, da ich zwischen rationalen Diskussionen zu Glaubensaspekten und Diskussionen über meinen Glauben unterscheide. Ersteres ist in meinen Augen das Recht eines jeden, der sich mit Religion (ob nun meiner oder der anderer) auseinandersetzt, letztere Diskussionsform blocke ich ab einem bestimmten Punkt ab. Ich kann gerne erzählen wie und weshalb ich glaube, inwieweit ich Glaube und Kirche voneinander trenne etc. Ich lasse mich jedoch nicht auf Diskussionen ein, die einzig und allein darauf abzielen, dass ich als Spinner hingestellt werde (wie so oft bereits passiert). Glaube ist für mich Privatsache.

Okay, soweit so gut, jetzt geht’s ums Buch.

(Foto: S. Schückel)

Inhalt:

Harari, der auch die Bücher „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ und „Homo Deus“ geschrieben hat, widmet sich in diesem Buch den Herausforderungen vor denen die Menschheit seiner Ansicht nach im 21. Jahrhundert stehen. Zu diesen Herausforderungen gehören die technologischen Veränderungen (Big Data und co) ebenso wie der Klimawandel oder biotechnologische Möglichkeiten, die auf lange Sicht verändern könnten, was überhaupt ein „Mensch“ ist.

Mein Eindruck:

So komplex die Themen auch sind, mit denen Harari sich im Buch auseinandersetzt, so wenig komplex ist seine Schreibweise. Er schreibt keineswegs einfach, unterlegt seine Argumentation jedoch stets mit anschaulichen Beispielen. Dadurch kann man sich als Leser*in auch den abstrakteren Themen gut nähern und die Argumente gut nachvollziehen.

Auch die Vielfalt der Themen finde ich gut, auch wenn die einzelnen Punkte natürlich noch weiter ausgeführt werden könnten. Aber so erhält man einen guten Überblick über die Komplexität der Welt in ihren Vielzähligen Facetten – auch wenn die Themenliste vermutlich noch ergänzt werden könnte. Ob Arbeit, Freiheit, Gleichheit, Gemeinschaft, Zivilisation, Nationalismus, Religion, Zuwanderung, Terrorismus, Krieg, Demut, Gott, Säkularismus, Nichtwissen, Gerechtigkeit, Postfaktisches, Science-Fiction, Bildung, Sinn oder Meditation – Harari beleuchtet all diese Aspekte unseres Lebens.

Dabei fällt eines jedoch schnell auf: Er wiederholt sich. Natürlich gibt es viele Themen die eine gemeinsame Schnittmenge haben, aber je weiter ich kam, desto mehr hatte ich beim Lesen regelrecht den Eindruck, Hararis Worte breits weiter vorne im Buch gelesen zu haben. Eine der beliebtesten Wiederholungen ist Hararis diffuse Angst vor einer biotechnologischen Revolution, d.h. dem potential, mittels Technik und Medizin grundlegende Aspekte des menschlichen Daseins zu verändern. Er ist dabei leider stets wenig konkret und so wirken seine Befürchtungen dann auch mehr wie einem mittelmäßigen Science-Fiction-Film entnommen als tatsächlich potentiell möglich – zumindest in nicht allzu ferner Zukunft.

Ein weiterer roter Faden, der sich durch das gesamte Buch zieht, ist Hararis Abneigung gegen alles, was auch nur im Entferntesten nach Religion aussieht. Ob es nun Rituale sind oder Glaubensgeschichten – für ihn ist das alles Humbug und wertlos. Er ist keineswegs respektlos was die einzelnen Glaubensrichtungen anbelangt, aber ich fand seine Ausführungen, weshalb alles Religiöse letztlich unnütz ist, auf Dauer sehr ermüdend. Wenn ich meinen Glauben als Bereicherung empfinde und niemandem mit diesem Glauben Schaden zufüge (!), wie kann er dann davon reden, dass der Glaube unnütz ist? Harari würde jetzt vermutlich sagen, dass ich der „Erzählweise“ des Glaubens aufsitze und mich davon täuschen lasse, aber selbst die Wissenschaftlichkeit (der ich übrigens ebenfalls anhänge, für mich besteht da kein Widerspruch) kommt nicht gut weg. Auch hier lässt er kaum ein gutes Haar daran. Am Ende scheint für ihn einzig und allein die Meditation ein sinnvoller Zeitvertreib zu sein, weil diese uns im Hier und Jetzt verbleiben lässt und wir dadurch mehr Wahrheiten finden als durch alle anderen Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen.

Hm. Ich mag es, zu meditieren, aber ich behaupte mal, man kann allein (!) damit kaum den Weltfrieden herbeirufen oder bahnbrechende wissenschaftliche Entdeckungen machen.

Alles in allem hat Harari echt spannende Themen in sein Buch hineingebracht und ich habe durchaus etwas dabei gelernt – jedoch konnten all diese kurzen Momente nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich letztlich nicht um 21 Lektionen handelt – es gibt nämlich keinerlei Ratschläge (außer vielleicht, mehr zu meditieren). Vielmehr handelt es sich um 21 Essays die mittels teilweise doch recht offensichtlich im Nachhinein angefügter Vor- bzw. Nachbemerkungen miteinander verbunden wurden.

Durch die letzten Seiten habe ich mich regelrecht gequält, da Harari nicht nur sehr schwierige Themen im Portfolio hat, sondern diese zudem auf eine Weise erläutert, die auf Dauer sehr deprimierend wirkt. Sozusagen nach dem Motto: Du hast keine Chance, versuch es gar nicht erst.

Nennt es jugendlichen Leichtsinn, aber ich gebe nicht auf, eine bessere Welt anzustreben. Egal, gegen wie viele Wände ich dabei renne.

Fazit:

Harari mag mit seinen anderen beiden Büchern voll ins Schwarze getroffen haben (wie gesagt, ich habe sie nicht gelesen), aber bei diesem Buch kann ich das nicht sagen. Es gab einige Highlights, aber leider auch viele Seiten auf denen ich mich gelangweilt habe.

2 von 5 Sternen.

Mehr zum Buch:*

 

  • Gebundene Ausgabe: 459 Seiten
  • Verlag: C.H.Beck
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 9783406727788
  • ISBN-13: 978-3406727788

 

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9 Gedanken zu “Rezension: „21 Lektionen für das 21. Jahrhundert“ (Yuval Noah Harari)

  1. Hätten mehr Menschen diesen „jugendlichen Leichtsinn“, wäre die Welt ein besserer Ort. 🙂

    Und es soll doch bitten jeder glauben, wie und was er will. Das Problem beginnt für mich erst dann, wenn man beginnt, den Absolutheitsanspruch der eigenen Religion in der Vordergrund zu stellen und sich so von andersgläubigen Mitmenschen abzugrenzen.

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  2. Hi Sarah,

    nach Deiner Rezension würde ich Dir zumindest von „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ abraten. Deine Kritikpunkte habe ich nämlich bei meiner Rezension damals auch bemerkt. Auch mich haben die ständigen Wiederholungen vom Autor genervt und auch bei dem Buch hatte er einen Punkt (Jäger und Sammler ist eigentlich viel besser als ein sesshaftes Leben), den ich nicht verstehen konnte, der aber wie ein roter Faden für ihn war.

    Die Erfahrung hat mich daher abgehalten, seine anderen Bücher auch zu lesen, und deine Rezension hat mich darin bestärkt.

    Schöne Grüße
    Thomas

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    • Hallo Thomas,

      zuallererst: HA! Ich hab Dich gefunden! Vielen lieben Dank für das Buch 😀

      Und gleich noch ein Dankeschön hinterher: Mit diesem Kommentar hast Du mir wertvolle Lese-/Lebenszeit gespart, denn dann spare ich mir das Lesen weiterer Harari-Bücher. Wir sind beim gegenseitigen Abraten ein gutes Team, was? Kann ich mich denn mit einer Buchempfehlung revanchieren? 😉 Falls Du „Bestseller“ noch nicht kennst, guck da mal in die Rezension rein, das kann ich definitiv empfehlen – ist halt mal was ganz anderes 🙂

      Liebe Grüße
      Sarah

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      • Hi Sarah,

        erwischt… 😉 Da hat mich Amazon reingelegt. Es sollte wirklich anonym sein. Dank Deines Fotos weiß ich jetzt zumindest, wie die Grüße ankommen. Und wenn Du Dich darüber gefreut hast, bin ich auch glücklich.

        Danke für die Empfehlung. Wenn ich mal wieder in einer Buchhandlung bin oder Bücher bestelle, werde ich daran denken. Auch wenn mein SuB mir ein schlechtes Gewissen einredet 😉

        Liebe Grüße
        Thomas

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        • Hallo Thomas,

          ach, ich bin ehrlich gesagt recht froh, dass Amazon Dich ausgetrickst hat. Stell Dir mal vor, ich würde jetzt jedes Jahr an meinem Geburtstag rätseln, wer 2019 dieser anonyme Thomas ist/war – da ich plane, mindestens 103 zu werden, sind das viele rätselhafte Momente. Amazon hat mir also einen Gefallen getan 😉

          Und lass den SuB nicht lange reden – der meckert doch auch, wenn zu wenige Bücher drauf liegen. Einem SuB kann man es nie recht machen 😉

          Liebe Grüße
          Sarah

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          • Hi Sarah,

            gut zu wissen. Wenn ich Dir jedes Jahr zum Geburtstag unter einem anderen Namen etwas schenke, bist Du dann nur noch am rätseln? Wer ist dieser anonyme Paul/Günter/Egon/Hans/Winfried 😉 Du bringst mich da auf eine Idee 😉
            Also schön die Wunschliste bei Amazon behalten 😉

            Mein SuB hält mich nur ab, in die Buchhandlung zu gehen, wenn ich erst mal drin bin, lässt er mich in Ruhe. So soll es sein. Aber das Buch ist schon notiert. Ich kann Dir dafür die Bücher über die Henkerstochter von Oliver Pötzsch empfehlen. Sie spielen zwar alle bei mir in der Ecke (Schongau, Andechs), sind aber super gut geschrieben. Ich hab da leider keine Rezension geschrieben, weil sie für jedes Buch gleich ausgefallen wäre.

            Liebe Grüße
            Thomas

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            • Moin 🙂
              Hmmm…. ich fürchte, ich würde mich an diesen Kommentar erinnern und mein innerer Sherlock hätte dann so eine Ahnung, wer dahinterstecken könnte.. 😉 Aber wird gemacht ^^

              Und so lange jede Rezension „super Buch, unbedingt lesen“ lautet, landen die Bücher gerne auf der Mal-Recherchieren-Liste ^^

              Liebe Grüße
              Sarah

              Gefällt 1 Person

  3. Grias di,
    jetzt kann ich auf Deine Antwort nicht mehr antworten…
    Ich habe mir schon Namen ausgedacht, wie lange ist es noch bis zu Deinem Geburtstag? 😉

    Auf so eine kurze Rezension wird es fast hinauslaufen. Anderseits ist es mir der Autor wert, zumindest etwas kurzes zu schreiben. Einer Arbeitskollegin habe ich die Bücher schon ausgeliehen und sie ist auch begeistert.

    Liebe Grüße
    Thomas

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