Indiebookday 2019 – Sebastian Wolter von Voland & Quist im Gespräch

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(c) Indiebookday

Einmal im Jahr findet der Indiebookday statt. Dieser 2013 vom Mairisch Verlag begründete Feiertag soll die Aufmerksamkeit auf die Vielzahl an unabhängigen und kleineren Verlagen lenken, deren Bücher oftmals zwischen denen der großen Verlage untergehen. Am Feiertag kann man auf denkbar einfache Art und Weise teilnehmen: Man geht am 30. März in eine Buchhandlung (vorzugsweise eine, die keiner Kette angehört), kauft ein Buch aus einem unabhängigen Verlag und teilt ein Foto davon in sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #Indiebookday (gerne auch #Indiebookday2019).

Im Rahmen der KNV-Insolvenz ist es – wünscht man sich eine vielfältige Buchwelt – nun besonders wichtig, das Augenmerk auf Indie-Verlage zu legen. Als Dresdnerin denke ich da sofort an einen meiner Lieblingsverlage, den Voland & Quist Verlag. Dieser hat auf seiner Webseite deutliche Worte zu den Konsequenzen der KNV-Insolvenz gefunden und Sebastian Wolter, einer der beiden Verlagsgründer, hat sich anlässlich des Indiebookdays zu einem kleinen Interview bereiterklärt.

Transparenzhinweis: Im Interviewtext findet Ihr unter anderem Verlinkungen zu den Büchern auf der Verlagswebseite. Diese dienen der Informationsmöglichkeit der Leser*innen, ich erhalte dafür keinerlei Bezahlung.

Portaitfoto Sebastian Wolter

(c) Thomas Bär

Sarah: Lieber Sebastian, die finanzielle Situation unabhängiger Verlage ist durch die KNV-Insolvenz nicht gerade leichter geworden – im Gegenteil. Die wohl einfachste Möglichkeit, euch und eure Kolleg*innen zu unterstützen ist, eure Bücher zu kaufen. Quasi nach dem Motto: Indiebookday is every day! Welche Geschichten möchtest du euren Leser*innen aus dem aktuellen Programm empfehlen?

Sebastian Wolter: Eine Auswahl zu treffen, fällt mir naturgemäß schwer, mir liegen sie ja alle am Herzen. Nun gut, aber ich nenne hier einfach mal Benedikt Feitens Roman „So oder so ist das Leben“, ein ruhiges, kluges, oft auch sehr witziges Buch. Es geht um einen Mann, Anton Lobmeier, der immer wieder scheitert und das schließlich als Teil seines Wesens akzeptiert — endlich ambitionslos zu leben erscheint ihm als Ausweg aus der Mühle von Karrieremachenmüssen und ständiger Selbstoptimierung. Ein weiteres spannendes Buch aus dem aktuellen Programm ist der Erzählband „Leben“ des unschuldig in russischer Haft sitzenden ukrainischen Regisseurs Oleg Senzow. Das Ganze ist wirklich eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Die acht Geschichten entstanden davor, aber sie zeigen, was Senzow in Kindheit und Jugend geprägt hat. Wen es interessiert: Ein Feature zum Thema lief vor ein paar Wochen auf Deutschlandfunk.

Sarah: Es gibt immer Bücher, die einem ganz besonders im Kopf bleiben. Welches Buch aus eurer Backlist* ist dir in Erinnerung geblieben und weshalb sticht diese Geschichte zwischen all den anderen hervor?

Sebastian Wolter: Das ist sicherlich Julius Fischers „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“. Ein großer Verlag wollte uns den Vertrieb des Buches wegen des Titels verbieten, aber wir haben in zweiter Instanz gewonnen. Der #Wanderhurenstreit hat damals ziemliche Wellen geschlagen und endete mit einem Sieg für die Satirefreiheit.

Mehr als nur guter Inhalt – wie viele Indieverlage sorgt auch Voland & Quist für stets hohwertige Gestaltung. (Foto: S. Schückel)

Sarah: Ihr macht nicht nur Bücher, ihr veröffentlicht auch CDs zu euren Büchern und organisiert über Voland&Quist Booking Veranstaltungen. Inwieweit wird diese Arbeit ebenfalls durch die KNV-Insolvenz beeinflusst und was bedeutet dir dieser Teil eurer Arbeit? Wieso sollte jede*r Leser*in Literatur live erleben?

Sebastian Wolter: Diese Arbeit ist davon nicht betroffen. Das Management und Booking ist unser zweites Standbein. Das hilft uns natürlich in Krisenzeiten. Und unsere AutorInnen schätzen es sehr, dass wir ihnen Lesungen, Festivalauftritte u.ä. organisieren, das hören wir immer wieder, und das machen nicht so viele Verlage in dem Umfang wie wir.

Tja, warum sollte man Literatur live erleben? Das ist vergleichbar mit Musik, live ist immer noch mal etwas anderes. Man kann eben den Autor/die Autorin „in echt“ sehen, man bekommt einen neuen Zugang zum Text, eine andere Perspektive eventuell. Aber das wissen die Leute auch, denn Lesungen boomen ja gerade.

Sarah: Es gibt euren Verlag seit 15 Jahren und ihr habt dabei so einiges erlebt. In eurem Blogbeitrag zur KNV-Insolvenz habt ihr überlegt, dass 15 Jahre auch genug sein könnten, aber die kommenden Projekte haben euch aus der Resignation geholt. Magst bzw. kannst du diese Projekte kurz anteasern?

Sebastian Wolter: Da ist wirklich vieles, auf das wir uns freuen, neue Bücher von unseren StammautorInnen Nora Gomringer, Ziemowit Szczerek, Viktor Martinowitsch, Anna Herzig, Beka Adamaschwili und Francis Nenik, dazu die neu zum Verlag stoßenden SchriftstellerInnen wie Frank Rudkoffsky, Svetlana Lavochkina … schon im kommenden Herbst wird es drei tolle neue Romane geben. Wir haben sehr viel Spaß an den Inhalten, die wir verlegen, das ist mal klar.

Vielen Dank für das Interview! (Und jippieh! Beka Adamaschwili!)

Ihr möchtet mehr zur KNV-Insolvenz und deren Auswirkungen auf Indie-Verlage erfahren? Jennifer vom Blog Lesen in Leipzig hat Sebastian Wolter hierzu interviewt.

Weitere Informationen zum Indiebookday findet Ihr auch auf dem Indiebook-Blog.

Nun bleibt nur noch eine Frage: Welches Buch werdet Ihr Euch morgen kaufen? Auf meinem Instagram-Account gibt es übrigens auch ein paar Empfehlungen.

Herbstprogrammheft des Voland und Quist Verlags

Es geht weiter! (Foto: S. Schückel)

* Die Backlist bezeichnet alle lieferbaren Titel eines Verlages, welche nicht neu erschienen sind.

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