Ein „zeitlose(s)“ Interview mit Eva-Maria Obermann

Zugegeben, das Wortspiel im Beitragstitel ist nicht besonders einfallsreich. Allerdings ist die Thematik von Eva-Maria Obermanns Trilogie „Zeitlose“ durchaus eben genau das: zeitlos. Es geht kurz gesagt um das Gedankenspiel, dass unsere Realität mit den Dingen, die wir träumen, verschwimmen kann. Neugierig? Hier findet Ihr die Rezension zum ersten Teil, „Zeitlose – Simeons Rückkehr“.

Gerade erst – am 1. März 2018 – erschien bereits der zweite Teil – „Zeitlose – Doras Erwachen“ – und ich durfte anlässlich des Erscheinungstages ein Interview mit Eva führen, in dem sie mir mehr zur Trilogie und ihrem Schreibprozess verrät. Wer die Bücher noch nicht kennt: Keine Sorge, es wird nicht gespoilert!

(Copyright: Eva-Maria Obermann)

Zur Autorin:

Eva-Maria Obermann, Jahrgang 1987 stammt aus Rheinland-Pfalz und hat in Mannheim Germanistik, Literatur- und Medienwissenschaften studiert. Auch aktuell dreht sich ihr Leben – zumindest teilweise – noch um die Uni, denn sie arbeitet an ihrer Promotion. Der Uni-Alltag findet sich auch in der „Zeitlose“-Trilogie wieder, man kann ihr in gewisser Hinsicht also durchaus über die Schulter gucken. Schreibtechnisch ist Eva sehr vielseitig unterwegs: Sie schreibt Gedichte, Kurzgeschichten und Romane und ist ebenfalls Bloggerin. Und wenn sie sich gerade einmal nicht mit dem geschriebenen Wort beschäftigt, oder in ein Buch vertieft ist, halten ihr Mann und ihre drei Kinder sie auf Trab.

Allerlei Fragen – und Antworten:

Eva hat auch eine verrückte Seite. (Foto: Eva-Maria Obermann)

Sarah: Bücher mit zwei Erzählebenen stelle ich mir für das Schreiben immer schwierig vor. Wie bist Du dabei vorgegangen? 

Eva: Ehrlich gesagt mach ich das eigentlich sehr gerne. Beim ersten Teil war es mir wichtig, dass beide Handlungsstränge sowohl verknüpft sind, als auch ihrem eigenen Höhepunkt entgegenlaufen. Dora greift in der gegenwärtigen Zeitebene auf die Erinnerungen zu, die der Leser aus der zweiten Zeitebene kennt bzw. noch kennenlernen wird. So entwickelt sich eine Art Mosaik, das der Leser zusammensetzen kann. Im zweiten Teil ist das ein bisschen anders, da es keine zweite geschlossene Zeitebene gibt und im dritten wird es wieder anders sein, weil sich diese Darstellungen immer am Plot entwickeln.

S: Welcher Teil der Geschichte war für Dich einfacher zu schreiben – der von Doras Träumen oder ihre Realität?

E: Das war sehr unterschiedlich. Während die Eingangsszene und auch das Finale der Traumphasen von vorneherein klar waren, fand ich es schwerer, das dazwischen zu entwickeln. Anfang und Ende zu kennen und den roten Faden in der Mitte zu spannen war sehr wichtig. Bei Doras Teil war es ganz anders, weil ich wusste, ihre Geschichte entwickelt sich mit den Träumen zu ihrem eigenen Finale. Die Episoden in ihrer Wirklichkeit mit Simeon und Nancea einzubauen, war darum bereits zu Beginn angelegt. Es gab also Phasen, in denen Doras Gegenwart einfacher zu schreiben war, und solche, in denen mir die Traumszenen regelrecht aus den Fingern geflossen sind.

S: Gab es eine Figur, die für Dich besonders einfach oder besonders schwierig zu schreiben war?

E: Nathan ist für mich der schwierigste Charakter. Er hat ein großes Geheimnis und ist in sich sehr unstet, weil er noch viel mehr hin und her gerissen wird, als Dora. Gleichzeitig erfährt der Leser davon sehr wenig, weil ja alles aus Doras Perspektive erzählt wird. Das macht es schwierig, ihn richtig darzustellen. Ähnlich ist es mit Simeon, der auch nur aus Doras bzw. Nanceas verzerrter Sicht zu sehen ist. Gerade hier wird es im zweiten Teil interessant werden.

S: Viele Schriftsteller*innen ziehen ja ihre Inspiration aus dem eigenen Leben – hattest Du schon einmal wiederkehrende Träume? Wenn nein, woher kam die Idee zu dieser Buchreihe? 

E: Tatsächlich ziehe ich viele meiner Ideen aus Traumsequenzen, die ich danach im wachen Zustand bearbeite. Dazu gehört beispielsweise die Szene ganz am Anfang, der Sprung ins Heu, aber auch der Dolchstoß in der ersten Variante. In meinen Träumen sah das etwas anders aus und beide Sequenzen hatten nichts miteinander zu tun, haben mich aber beschäftigt und sind zur Inspiration geworden. Andere Ideen finde ich in der Beschäftigung mit Literatur. Motive oder Stoffe, die ich interessant finde und dich mich beschäftigen.

S: Welchen Teil der Reihe hast Du am liebsten geschrieben? (Falls Du das überhaupt beantworten kannst 😉 )

E: Puhh, kann ich tatsächlich nicht. Ich fand die Arbeit am zweiten Teil sehr toll, weil mir selbst dabei so viel aufgefallen ist, was ich danach wieder in den dritten stecken konnte. Im Grunde ist es ja eine große Geschichte, so dass ich die einzelnen Schreibvorgänge furchtbar schlecht voneinander trennen kann.

(Foto: Eva-Maria Obermann)

S: Gibt es etwas, das Du beim Schreiben „unbedingt“ brauchst?

Eigentlich nicht. Ich achte darauf, immer eine Tasse Tee am Tisch zu haben, da ich sonst einfach vergesse, etwas zu trinken. Mein Schreibtisch ist gerne das reinste Chaos. Hier liegen Bücher für meine Dissertation, dort ein Stapel mit welchen, die ich rezensieren will, daneben etwas von meinen Kursen, die ich an der Uni gebe und dazwischen haufenweise Gemälde meiner Kinder oder Elternbriefe.

S: Ich spitze gerne „hinter die Kulissen“ und bin neugierig, welche Autoren/Autorinnen Du besonders gerne liest bzw. welches ihrer Bücher Du empfehlen würdest.

E: Da ich viel lese, könnte ich dir eine ganze Liste abtippen. Ich habe eine richtige Terry Pratchett Sammlung, lese furchtbar gern Juli Zeh und bin noch immer ganz begeistert von Jess Jochimsens Abschlussball. Aber ich kann dir auch ein paar Indieautoren empfehlen. Elenor Avelle beispielsweise, deren Postapokalypse Infiziert wirklich toll ist. Nika Sachs veröffentlicht gerade den vierten Teil zu Schneepoet, eine authentische Geschichte über Beziehungen mit sehr starken Charakteren. Im Bereich Fantasy gehört Sylvia Rieß‘ Stern von Erui zu meinen Lieblingen. Hier hat jeder Band seinen Höhepunkt und gemeinsam ein großes Geheimnis, das erst am Ende offenbart wird. Wirklich großartig gemacht.

(An dieser Stelle vielen Dank für die Empfehlungen – gerade bei Indieautoren freue ich mich immer sehr, neue Namen zu entdecken. Eine Empfehlung hab ich auch für Dich: „Bestseller“ von Beka Adamaschwili. Sein Buch lege ich jedem ans Herz, der auch nur im Ansatz ein Faible für Bücher hat und ich glaube, gerade die Rätsel im Buch werden Dich begeistern!)

S: Und, die traditionelle Frage zum Schluss: Welche Frage möchtest Du gerne mal gestellt bekommen und wie beantwortest Du sie? 

Das ist gar nicht so leicht, ich habe keine Wunschfrage, deren Antwort mir auf der Seele brennt. Ganz gerne würde ich mal um den eigentlichen Konflikt in Zeitlose reden. Die Unsicherheit des Selbst, die Wandelbarkeit der Identität. Aber ein Gespräch dazu würde wahrscheinlich einen eigenen Blogbeitrag füllen ^^

Den Beitrag würde ich definitiv lesen! Vielen lieben Dank für das Interview – ich freue mich schon auf „Zeitlose – Doras Erwachen“ und wünsche Dir und dem Buch ganz viele begeisterte Leser!

Mehr zu „Zeitlose – Doras Erwachen“:*

(Copyright: Schwarzer Drachen Verlag)

Bei Babsi von Bluesiren gibt es die Leseprobe zum Hören. Diejenigen, die lieber die geschriebenen Worte vor sich haben, finden die Leseprobe hier auf der Seite des Schwarzer Drachen Verlags.

 

  • Taschenbuch: 340 Seiten
  • Verlag: Schwarzer Drachen Verlag
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940443913
  • ISBN-13: 978-3940443915

 

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4 Gedanken zu “Ein „zeitlose(s)“ Interview mit Eva-Maria Obermann

  1. Pingback: Hol dir deine Buchbox zu "Doras Erwachen" [Gewinnspiel] - Schreibtrieb

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